Panorama
Otfried Preußler 1923 - 2013.
Otfried Preußler 1923 - 2013.(Foto: dpa)

Zum Tod von Otfried Preußler: Ein unsterblicher Erzähler

Von Solveig Bach

90 Jahre wäre Otfried Preußler in diesem Jahr geworden. Ein sehr altes Kind mit einer unbändigen Erzähllust. Auf 32 Bücher brachte er es am Ende seines Lebens, übersetzt in 55 Sprachen. Millionen wurden davon gedruckt, und es gibt kaum einen Erwachsenen, der als Kind nicht wenigstens eines davon gelesen oder vorgelesen bekommen hat.

"Die kleine Hexe", "Der kleine Wassermann" und "Das kleine Gespenst", "Der Räuber Hotzenplotz" und "Krabat", aber auch seine Nacherzählung des "Kater Mikesch" und die Weihnachtsgeschichten vom "Engel mit der Pudelmütze", das sind die Geschichten von Otfried Preußler - und noch so viele mehr. Schon Preußlers Eltern waren Lehrer, der Vater zudem leidenschaftlicher Volkskundler und Heimatforscher. Der Sohn erbt diese Talente und Neigungen, aber nach dem Abitur im nordböhmischen Reichenberg wird er 1942 sofort zum Kriegsdienst eingezogen.

Erst 1949 kommt er als Spätheimkehrer aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurück. Die Erlebnisse jener Zeit hat er auch aufgeschrieben. Allerdings verfügte er, dass dieses Buch erst nach seinem Tod erscheinen soll. In Bayern findet er nicht nur seine Verwandten wieder, sondern auch eine neue Heimat. Allerdings muss er die Idee, Professor für deutsche Landeskunde in Prag zu werden, an den Nagel hängen. Er  wird stattdessen Lehrer. 2003 rät er in einem Interview mit seinem Verleger Klaus Willberg vom Thienemann-Verlag jungen Autorinnen und Autoren: "Lernen Sie erst mal einen g'scheiten Beruf! Erst dann nämlich sind Sie ein freier Schriftsteller. Wenn Sie einen Beruf haben, der Sie und Ihre Familie ernährt, können Sie schreiben, was Ihnen am Herzen liegt."

Ihm liegen Geschichten für Kinder am Herzen, schon während seines Studiums schreibt er für den Kinderfunk. Bis 1970 ist er jedoch auch Lehrer und später Schulrektor, er selbst legt Wert auf die Bezeichnung "Schulmeister". Zu jener Zeit sind die Klassen voll, mehr als 50 Schüler muss Preußler manchmal bändigen. Er tut es oft mit Geschichten, mit genau jenen, die er später veröffentlicht.

"Wir haben einen kleinen Wassermann"

"Der kleine Wassermann" 2013
"Der kleine Wassermann" 2013

Die erste ist 1956 "Der kleine Wassermann". Das Manuskript wird zunächst von einem anderen Verlag abgelehnt, mit der Begründung, Märchen seien nicht gefragt. Schließlich veröffentlicht es der Thienemann-Verlag, auf dem Titelbild der kleine Wassermann, der auf dem Karpfen Cyprinus reitet. Preußler gewinnt einen Sonderpreis beim Deutschen Jugendbuchpreis, ein Kinderbuchklassiker ist geboren. In diesem Jahr stellt der Verlag die Bilderbuchgeschichte "Sommerfest im Mühlenweiher" aus dem kleinen Wassermann vor. Auch auf der Coverillustration von Daniel Napp reitet der kleine Wassermann auf einem beeindruckend großen Karpfen, zeitlos und verlockend wie eh und jeh.

Mit dem "Krabat" schlägt sich Preußler jahrelang herum. Die Geschichte des Waisenjungen, der zu einem schwarzen Magier in die Lehre geht und sich am Ende zwischen Liebe und Macht entscheiden muss, kostet ihn viel Kraft. Bis heute gilt sie als eine seiner stärksten Erzählungen. Diese ursprünglich wohl sorbische Sage hat Preußler schon als Kind fasziniert. Wie er überhaupt reich aus dem Geschichtenschatz seiner Großmutter schöpft, in dem es von Nachtgeistern, Nebelfrauen, Hexen und Wassermännern nur so wimmelt. Da passt es gut ins Bild, dass Preußler den Hotzenplotz, jenen raubeinigen Räuber, nur deshalb erfand, um sich im Fabulieren über dessen Abenteuer erholen zu können. 

Spaß und Phantasie

Preußlers Hauptfiguren sind ein bisschen freche und eigensinnige Helden, die sich nicht immer an alle Regeln halten, neugierig auf die Welt, umgeben von Freunden, bereit etwas zu lernen. Da kommt sicher der Lehrer in Preußler zum Tragen. Doch belehrend sind Preußlers Geschichten nie, auch nicht obrigkeitshörig oder kindertümelnd. Der FAZ sagte er 2003, er schreibe aus Spaß. "Ich will nicht die Welt verändern. Geschichten will ich erzählen."

Für Preußler sollten Kinder in erster Linie Kinder sein dürfen, und er wollte ihnen mit seinen Büchern Raum geben, spielerisch Phantasie einzuüben, Lachen und Optimismus. Er hat auch seine Leser nie gering geschätzt, für ihn waren Kinder das "wichtigste Publikum, das es auf Erden gibt – die Erwachsenen von morgen".  Ein bisschen hat er sich selbst auch immer als Magier gesehen, als Geschichtenzauberer. Und die sind ja bekanntlich unsterblich.

Quelle: n-tv.de

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