Panorama
Mit dem Berufungsprozess geht die deutsch-französische Justizsaga in eine neue Runde.
Mit dem Berufungsprozess geht die deutsch-französische Justizsaga in eine neue Runde.(Foto: dpa)

Der Fall Kalinka: Eine Chronologie

Das Drama am Bodensee liegt rund 30 Jahre zurück. Im Juli 1982 wird Kalinka Bamberski tot in ihrem Bett gefunden. Ein jahrzehntelanges Justizdrama nimmt seinen Lauf. Seit Dienstag wird das Verfahren gegen den deutschen Arzt Dieter K. neu aufgerollt. Er wird für den Tod seiner Stieftochter verantwortlich gemacht. Eine Chronologie.

Juli 1982: Kalinka Bamberski (14) wird tot in ihrem Bett im Haus ihres Stiefvaters Dieter K. in Lindau am Bodensee entdeckt.

1983: Die deutschen Behörden gehen von einem Unfall ohne Fremdverschulden aus. Der leibliche Vater André Bamberski hat Zweifel und fordert vergeblich neue Untersuchungen in Deutschland.

1984: Bamberski erhebt Anklage in Frankreich, die Justiz ermittelt.

1985: Die französische Justiz exhumiert die Leiche und geht nach einer erneuten Obduktion von einem Gewaltverbrechen aus.

1987: Die deutsche Justiz stellt Ermittlungen gegen Dieter K. ein.

1993: Ein Pariser Gericht eröffnet gegen ihn ein Verfahren.

1995: Dieter K. wird wegen der Tötung seiner Stieftochter in Abwesenheit zu 15 Jahren Haft verurteilt.

1997: In einem anderen Fall wird er von einem deutschen Gericht zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt, weil er eine 16-jährige Patientin in seiner Praxis betäubt und vergewaltigt hat. Seine Zulassung als Arzt wird für zwei Jahre gesperrt.

2001: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte rügt das in Frankreich verhängte Urteil, da nicht einmal der Anwalt des Angeklagten angehört wurde.

2004: Frankreich stellt einen für Europa gültigen internationalen Haftbefehl gegen Kalinkas Stiefvater aus.

2005: Deutschland verweigert die Auslieferung von Dieter K. mit Hinweis auf die Einstellung des deutschen Verfahrens im Fall Kalinka.

2007: Wegen illegaler Ausübung des Arztberufs ohne Zulassung und Betrugs wird er in Deutschland zu 28 Monaten Haft verurteilt. 2008: Ein französisches Berufungsgericht hebt das Urteil von 1995 mit Blick auf Verfahrensfehler auf.

Oktober 2009: Dieter K. wird verletzt und gefesselt im französischen Mülhausen nahe einem Gerichtsgebäude aufgefunden. Gegen André Bamberksi und zwei weitere Männer wird wegen Entführung ein Ermittlungsverfahren eröffnet. Kalinkas Stiefvater wird in ein bei Paris gelegenes Gefängnishospital gebracht.

März 2011: Zum Prozessauftakt zweifelt der Verteidiger von Dieter K. die Zuständigkeit des Gerichts in Paris an. Wegen gesundheitlicher Probleme des Angeklagten wird der Prozess später unterbrochen.

Oktober 2011: Der Prozess gegen Dieter K. wird wieder aufgenommen. In ihren Plädoyers fordert die Staatsanwaltschaft 15 Jahre Haft für Dieter K., die Verteidigung will einen Freispruch.

November 2012: Vor dem Schwurgericht in Créteil im Großraum Paris beginnt  am 27. November das Berufungsverfahren gegen K.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen