Panorama

Schweinegrippe kein "Killer-Virus"Eine "riesige", aber milde Welle

26.07.2009, 12:35 Uhr

Der Virologe Kekulé rechnet mit einem dramatischen Anstieg der Schweinegrippe-Infektionen in Deutschland. Die Erkrankungen würden aber nicht bedrohlich, sagte er. Nach Ansicht von Experten reiche die sogenannte häusliche Isolation bei Infizierten aus.

Der Virologe Alexander Kekulé rechnet mit einem dramatischen Anstieg der Infektionen mit der Schweinegrippe in Deutschland. "Es ist der Beginn einer riesigen Welle", sagte er der "Passauer Neuen Presse". "Die Zahl der Infektionen im Inland wird in den nächsten Wochen dramatisch zunehmen." Er geht jedoch nicht davon aus, dass die Erkrankungen bedrohlich würden. "Zum Glück verlaufen die meisten Erkrankungen derzeit relativ milde. Ich glaube auch nicht, dass sich das deutlich ändern wird", sagte Kekulé.

Die Warnungen der Weltgesundheitsorganisation, es könnten sich ein "Killer-Virus" entwickeln, bestätigten sich nicht, sagte der Virologe. "Die befürchtete, tödliche 'Hochzeit' zwischen Vogel- und Schweinegrippe-Erreger wird es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht geben." Als Grund für die rasche Ausbreitung des Virus nannte Kekulé die Ferienzeit. "Viele kehren aus dem Ausland zurück. Und an den Ferienorten treffen Menschen aus aller Herren Länder zusammen." In Diskotheken oder Flugzeugkabinen herrschten ideale Bedingungen für die Ausbreitung des Erregers.

Fünf Münchner Polizisten infiziert

Derweil sind fünf Beamte der Münchner Polizei an der Schweinegrippe erkrankt. Eine Polizeisprecherin bestätigte einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung". Zwei Frauen und drei Männer aus verschiedenen Dienststellen seien davon betroffen. Bereits am Freitag hatte der stellvertretende Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPoLG) Bayern, Hermann Vogelgsang, dem bayerischen Innenministerium vorgeworfen, dass die Polizei nicht ausreichend auf die Schweinegrippe vorbereitet sei. Es fehle an Informationen und Schutzmaßnahmen.

Häusliche Isolation ausreichend

Die sogenannte häusliche Isolation von Patienten mit Schweinegrippe ist nach Ansicht des Lübecker Hygiene-Experten Werner Solbach ausreichend. Das Krankheitsbild ähnle in vielen Fällen einer normalen Erkältung, sagte der Direktor des Hygieneinstituts der Lübecker Uniklinik. Der Erkrankte solle daher den Kontakt zu anderen Menschen meiden, Partner oder Kinder könnten aber weiter ganz normal leben. Niemand müsse Angst haben, nur weil es in der Nachbarwohnung einen Grippepatienten gebe, sagte Solbach.

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Wichtig ist häufiges Händewaschen. (Foto: AP)

"Kern der häuslichen Isolation ist, dass der Kranke soweit wie möglich Kontakt mit anderen Menschen vermeidet. Er soll sieben Tage lang weder zur Arbeit noch zum Einkaufen gehen und auch keine Besuche empfangen", erklärte Solbach. "Wer allein lebt und Lebensmittel einkaufen muss, sollte die Randzeiten wählen, in denen wenig Menschen in den Geschäften sind, und einen Mundschutz tragen."

Ein Mundschutz sei das beste Mittel, andere vor Ansteckung durch Husten und Niesen zu schützen. Menschen, die mit dem Patienten im gleichen Haushalt leben, sollten etwas "auf Abstand" gehen und sich häufig die Hände waschen, riet Solbach. "Aber letztlich wird es sich kaum vermeiden lassen, dass sich die Familie ansteckt."

Kontaktpersonen sollen zweimal täglich Fieber messen

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Funktionsknöpfe wie Lichtschalter sollten nicht mit der Fingerkuppe betätigt werden, raten Experten. (Foto: AP)

Der Leiter des Lübecker Gesundheitsamts, Michael Hamschmidt, empfahl, dass Grippepatienten möglichst in einem eigenen Raum essen und schlafen sollten. Dies gelte besonders, wenn Kleinkinder oder alte Menschen im Haushalt lebten. Außerdem sollten Gegenstände wie Türklinken oder Telefonhörer, die häufig angefasst werden, regelmäßig gründlich gereinigt werden. Obwohl gesunde Kontaktpersonen durchaus zur Arbeit oder in den Kindergarten gehen dürften, sollten sie eine Woche lang zweimal täglich Fieber messen und bei den geringsten Grippesymptomen sofort zum Arzt gehen.

Weitere Hygienevorschriften - wie zum Beispiel das getrennte Waschen der Wäsche oder eine Desinfektion der Wohnung - seien nicht nötig, sagte Solbach. "Das ist bei bakteriellen Infektionen sinnvoll, aber hier geht es um eine Virusinfektion - und Viren überleben an der Luft nur wenige Stunden."

Quelle: AFP/dpa