Panorama
Anfang Januar wurde "El Chapo" erneut von den Behörden gefasst.
Anfang Januar wurde "El Chapo" erneut von den Behörden gefasst.(Foto: dpa)

Zweimal unbemerkt in Kalifornien: "El Chapo" reiste während Flucht in USA ein

Um seine Tochter in Kalifornien zu besuchen, überquert der mexikanische Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzmán auf seiner Flucht vor den Behörden zweimal die US-Grenze. Die US-Beamten bekommen davon nichts mit.

Der mexikanische Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzmán ist nach Angaben seiner Tochter während seiner fünfmonatigen Flucht zwei Mal in den USA gewesen. So sei ihr Vater unter anderem kurz nach dem Treffen mit US-Schauspieler Sean Penn im Oktober in Kalifornien gewesen, um sich ihr neues Haus anzusehen, sagte Rosa Isela Guzmán Ortiz der britischen Zeitung "The Guardian".

Für den "Rolling Stone" interviewte Sean Penn Guzmán während seiner Flucht in den USA.
Für den "Rolling Stone" interviewte Sean Penn Guzmán während seiner Flucht in den USA.(Foto: ROLLING STONE)

Die 39-Jährige hat die US-Staatsbürgerschaft und lebt mit ihren vier Kindern im Bundesstaat Kalifornien. Wie der Gesuchte es schaffte, die Grenze zu überqueren, wollte sie nicht verraten. Die USA fordern die Auslieferung des mutmaßlichen Bosses des Drogenkartells Sinaloa. Mittlerweile will er nach Angaben seines Anwalts selbst dorthin ausgeliefert werden, weil er sich in Mexiko nicht mehr sicher fühlt. Die US-Behörden werfen ihm unter anderem Mord, Drogenhandel, Bildung einer kriminellen Vereinigung sowie Geldwäsche vor.

Schlechte Behandlung in Mexiko

In Mexiko fürchte "El Chapo" um sein Leben, sagte dessen Anwalt José Refugio Rodríguez dem Radiosender Fórmula. Sein Mandant sei bei schlechter Gesundheit. Er werde im mexikanischen Hochsicherheitsgefängnis Altiplano mit Schlafentzug gefoltert. Aus Sicherheitsgründen wird er alle vier Stunden geweckt. "Er will, dass diese Folter aufhört", sagte sein Anwalt. "Er ist niedergeschlagen, gedemütigt vom mexikanischen System."

Bislang hatte Guzmán mit Rechtsmitteln versucht, seine Auslieferung in die Vereinigten Staaten hinauszuzögern. Jetzt habe er ihm gesagt, er solle Verhandlungen mit der US-Regierung aufnehmen, sagte Rodríguez. "El Chapos" Anwalt in den Vereinigten Staaten werde nun sondieren, ob die US-Behörden eine Strafminderung oder die Unterbringung in einem Gefängnis mittlerer Sicherheitsstufe anbieten. Das Verfahren dürfte nach Einschätzung des Anwalts mindestens zwei Monate dauern. Die mexikanische Regierung hatte zuvor erklärt, der Auslieferungsprozess werde zwischen fünf und sechs Jahre in Anspruch nehmen.

"El Chapos" Tochter mahnt Regierung an

Bei einem filmreifen Ausbruch war "El Chapo" im vergangenen Juli durch einen zu seiner Gefängniszelle führenden Tunnel entwischt - es war bereits sein zweiter Gefängnisausbruch. Nach monatelanger Fahndung wurde der 58-Jährige Anfang Januar gefasst. In Altiplano steht er nun unter besonderer Bewachung.

Seine Tochter erhebt indes schwere Vorwürfe gegen die Regierung des lateinamerikanischen Landes. Guzmán Ortiz sagte dem "Guardian", es habe ein Abkommen zwischen ihrem Vater und den Behörden gegeben. "Die Regierung hat ihr Versprechen gebrochen", so die älteste Tochter von "El Chapo". "Jetzt, nachdem sie ihn festgenommen haben, sagen sie, er sei ein Verbrecher, ein Mörder. Das haben sie nicht gesagt, als sie um Geld für ihre Wahlkampfkampagnen gebeten haben. Sie sind Heuchler."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen