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Der gefasste mexikanische Drogenboss will um jeden Preis eine Auslieferung in die USA verhindern.
Der gefasste mexikanische Drogenboss will um jeden Preis eine Auslieferung in die USA verhindern.(Foto: imago/Agencia EFE)

Zwei US-Haftbefehle vollstreckt: "El Chapos" Auslieferung kann Jahre dauern

Nach der Festnahme von "El Chapo" möchte die mexikanische Regierung den Drogenboss schnellstmöglich an die USA überstellen. Doch der Chef des Sinaloa-Kartells will sich mit jeglichen Rechtsmitteln dagegen wehren - aus gutem Grund.

Die Auslieferung des in Mexiko festgenommenen Drogenbosses Joaquín "El Chapo" Guzmán an die USA kann sich Jahre hinziehen. "Das Verfahren dürfte mindestens ein Jahr dauern", sagte der Beauftragte der Staatsanwaltschaft in Mexiko, José Manuel Merino, dem Sender "Radio Formula". Je nach dem Vorgehen von Guzmáns Anwälten könne sich das Verfahren bis zu sechs Jahre hinschleppen.

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Die mexikanische Regierung leitete zwei Tage nach der Festnahme "El Chapos" das Verfahren für seine Ausweisung in die USA ein. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft besuchten Interpol-Beamte das Hochsicherheitsgefängnis in Altiplano, 90 Kilometer westlich von Mexiko-Stadt, um zwei Haftbefehle zu vollstrecken. Damit wurde das Auslieferungsverfahren offiziell eröffnet.

Als nächstes muss ein Richter über die Auslieferung befinden. Die Entscheidung wird dann an das Außenministerium weitergeleitet, das der Auslieferung zustimmen muss. Guzmán habe aber die Möglichkeit, Einspruch gegen die Entscheidung des Ministeriums einzulegen, erklärte das Büro der Generalstaatsanwältin Arely Gómez.

Drohende Todesstrafe in den USA

Wer ist "El Chapo"?

Joaquín "El Chapo" Guzmán Loera kam 1957 in dem Dorf La Tuna de Badiraguato im mexikanischen Bundesstaat Sinaloa zur Welt. Der Sohn einer armen Familie verkaufte als Jugendlicher Orangen, bevor er sich in den 1980er Jahren der Drogenbande um Miguel Ángel Félix Gallardo anschloss. Nach dessen Festnahme gründete Guzmán das Sinaloa-Kartell. Die US-Antidrogenbehörde DEA bezeichnet das Syndikat als multinationalen Großkonzern des organisierten Verbrechens.

Guzmán war 1993 in Guatemala festgenommen worden, 2001 gelang ihm jedoch die Flucht aus einem Gefängnis in Mexiko. Mit einem geschätzten Vermögen von einer Milliarde US-Dollar schaffte er es auf die Liste der reichsten Menschen der Welt des US-Magazins "Forbes". Er gilt als der mächtigste Drogenhändler der Welt.

Im Februar 2014 nahmen Marineinfanteristen "El Chapo" in der Küstenstadt Mazatlán im Westen Mexikos fest. Gerade mal 17 Monate verbrachte der Drogenboss in Haft, dann spazierte er durch einen 1,5 Kilometer langen Tunnel in die Freiheit. Guzmán gilt als "Ausbrecherkönig von Mexiko".

Guzmáns Anwalt Juan Pablo Badillo kündigte an, dass er notfalls bis vor den Obersten Gerichtshof ziehen werde, um sich gegen die Auslieferung seines Mandanten zur Wehr zu setzen. Er begründete dies damit, dass dem Chef des Sinaloa-Rauschgiftkartells in den USA die Todesstrafe drohe.

In den Vereinigten Staaten liegen zwei Haftbefehle gegen "El Chapo" vor: einer aus dem US-Bundesstaat Kalifornien und einer aus Texas. Die US-Behörden werfen dem Chef des Sinaloa-Kartells unter anderem Mord, Drogenhandel, Bildung einer kriminellen Vereinigung und Geldwäsche vor. Die Antidrogenbehörde Dea hatte ein Kopfgeld von bis zu fünf Millionen US-Dollar (4,6 Millionen Euro) auf Guzmán ausgesetzt.

Rückkehr ins Altiplano

Sondereinheiten hatten "El Chapo" kürzlich in einem Haus nahe der Stadt Los Mochis im Nordwesten Mexikos aufgespürt und festgenommen. Anschließend wurde er in das Hochsicherheitsgefängnis in Altiplano zurückgebracht, aus dem er im Juli durch einen anderthalb Kilometer langen Tunnel entflohen war.

Bislang weigerten sich die mexikanischen Behörden, "El Chapo" an die USA auszuliefern. Nach seinem spektakulären Gefängnisausbruch im Juli setzte jedoch ein Sinneswandel ein. Inzwischen machten die Justizbehörden den Weg für eine Auslieferung frei.

USA verurteilen "sogenanntes Interview"

Zuvor wollen die mexikanischen Behörden den Hollywood-Star Sean Penn und die mexikanische Schauspielerin Kate del Castillo zu ihrem geheim gehaltenen Treffen mit Guzmán im vergangenen Oktober befragen. "Die Verantwortlichkeiten" für das mehrstündige Gespräch zwischen Penn und Guzmán müssten geklärt werden, sagte ein Vertreter der mexikanischen Regierung.

Der Stabschef von US-Präsident Barack Obama, Denis McDonough, sagte, das von Penn geführte "sogenannte Interview" werfe einige "interessante Fragen" an den Schauspieler und andere Beteiligte auf. Ein Sprecher des Weißen Hauses nannte es "unerträglich", wie Guzmán mit seinen Verbrechen geprahlt habe. Der bekannte US-Medienanwalt Floyd Abrams sagte, er halte es für ausgeschlossen, dass Penn strafrechtlich verfolgt werde.

Guzmán hatte Penn nach monatelangen Geheimverhandlungen am 2. Oktober zu einem Gespräch im Dschungel empfangen. Dabei erzählte "El Chapo" laut einem Bericht im US-Magazin "Rolling Stone", dass er über eine "Flotte aus U-Booten, Flugzeugen, Lastwagen und Schiffen" verfüge und mehr Drogen liefere "als irgendjemand sonst in der Welt".

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Quelle: n-tv.de

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