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Polizisten sichern einen Pogida-Aufmarsch durch den Potsdamer Plattenbaukiez am Schlaatz. Hier wurde der kleine Elias entführt.
Polizisten sichern einen Pogida-Aufmarsch durch den Potsdamer Plattenbaukiez am Schlaatz. Hier wurde der kleine Elias entführt.(Foto: dpa)

"Faschistischer Mist": Elias' Familie wehrt sich gegen Pogida-Lied

"Wir hassen Kinderschänder": Mit diesem Lied zieht der Potsdamer Pegida-Ableger durch den Ort. Die Familie des ermordeten Elias distanziert sich von den Islamfeinden und denkt an den ebenfalls ermordeten Mohammed.

Die Familie des ermordeten Potsdamer Jungen Elias ist wütend über den örtlichen Pegida-Ableger Pogida. Die fremdenfeindliche Bewegung war am Mittwochabend bei ihrer vierten Kundgebung auch durch Elias' Heimatstadtteil Schlaatz gezogen.

In den Texten, die dabei bei der Abschlusskundgebung aus den Boxen drangen, wurde auf "Volksverräter" und das "Lügenpack" geschimpft. Bei dem Aufmarsch wurde außerdem ein Lied mit dem Titel "Wir hassen Kinderschänder" gespielt, dessen Text sich aus der Perspektive einer Mutter eines entführten Kindes gegen sexuellen Missbrauch richtet. Elias' Familie wertet das als Instrumentalisierung des Mordes an dem Sechsjährigen.

Auf der Facebook-Seite zum Gedenken an den Jungen schreiben die Betreiber, es mache sprachlos, "den Mord von Elias zu nutzen, um diesen faschistischen Mist abzuziehen". Die Familie spreche sich ausdrücklich gegen Fremdenfeindlichkeit aus. Wie die "Märkische Allgemeine Zeitung" berichtete, zeigte sich eine enge Freundin der Familie geschockt, als sie erfuhr, dass Elias' Fall bei dem Pogida-Demonstration indirekt thematisiert worden sei. "Diese Geschichte hat überhaupt nichts mit Einwanderern, Flüchtlingspolitik oder dem Islam zu tun, ganz im Gegenteil. Der Täter ist Deutscher, eines der Opfer hingegen nicht", zitiert die Zeitung Anja Berger. Das zweite Opfer des Täters war der vierjährige Mohammed, ein Flüchtlingskind, das am Berliner Lageso verschleppt wurde.

Der sechsjährige Elias war am 8. Juli 2015 beim Spielen im Hof vor seinem Elternhaus spurlos verschwunden. Sein Schicksal bewegte die Menschen in der Landeshauptstadt und weit darüber hinaus. Anfang November war schließlich klar: Elias ist tot. Entführt, mutmaßlich missbraucht und getötet von Silvio S. aus Kaltenborn (Teltow-Fläming). Ende Oktober hatte der 32-jährige Brandenburger gestanden, sowohl Elias als auch den Berliner Flüchtlingsjungen Mohamed entführt und getötet zu haben.

Quelle: n-tv.de

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