Panorama

Schüler zerstückelt und einbetoniertEltern fordern härtere Strafen

17.08.2010, 08:01 Uhr
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Pierre und Fabienne Schneider verlieren ihren 19-jährigen Sohn durch einen bestialischen Mord nach Mafia-Art und schreiben zur Aufarbeitung des Verbrechens das Buch "Vom Wert des Lebens". (Foto: picture alliance / dpa)

Sie haben ihren 19-jährigen Sohn durch einen schrecklichen Mord verloren. Jetzt veröffentlichen sie zur Aufarbeitung ein Buch und argumentieren für ein härteres Jugendstrafgesetz.

Fabienne und Pierre Schneider haben lange Monate daran gearbeitet, ihr Trauma nach der brutalen Ermordung ihres Sohnes zu überwinden. Ihre Erfahrungen mit Politik, Justiz, Medien und ihrem persönlichen Umfeld haben sie nun in einem Buch festgehalten. Damit wollen sie auch erreichen, dass die Debatte über eine Änderung des Strafrechts weitergeht.

Am 21. August 2007 wird der Schüler Yvan Schneider von einer 16-jährigen Bekannten auf eine Wiese in der Gemeinde Kernen im Rems-Murr-Kreis gelockt. Ihr krankhaft eifersüchtiger Geliebter und dessen Freund erschlagen den Schüler mit Baseballschlägern und treten ihn zu Tode. Danach zerstückeln die Täter die Leiche, betonieren die Teile in Blumenkübel und werfen sie in den Neckar. Die beiden 18 Jahre alten Hauptangeklagten werden im März 2008 zu jeweils zehn Jahren und die junge Frau zu neun Jahren Jugendstrafe verurteilt.

Erwachsenenrecht soll gelten

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Die Eltern des Ermordeten fordern härtere Strafen für derart gewalttätige Jugendliche wie die Mörder ihres Sohnes. (Foto: picture alliance / dpa)

Fabienne und Pierre Schneider haben ihrem Buch den Titel "Vom Wert des Lebens" gegeben. Sie wollen damit erklärtermaßen ein "Zeichen setzen gegen Jugendgewalt". Zugleich befassen sie sich kritisch mit dem Umgang der Medien mit der schrecklichen Bluttat, den fehlenden politischen Konsequenzen daraus und den Mängeln bei der Integration von Zuwanderern. Der eifersüchtige Haupttäter entstammt einer türkischen Familie, er war schon während seiner Schulzeit durch einen Hang zur Gewalt aufgefallen. Dem hätten wiederum seine Eltern keine Grenzen gesetzt, und die Vorstellung eines "Ehrenmordes" sei leider noch immer als denkbare Möglichkeit in den Köpfen etlicher Menschen aus diesem Kulturkreis vorhanden, heißt es in dem Buch der Eltern.

Das aus Frankreich stammende Ehepaar fordert vehement ein schärferes Strafrecht. Sie empfinden es als massive Ungerechtigkeit, dass junge Menschen, die ein derart schreckliches Verbrechen begehen, nach den geltenden Gesetzen noch als Jugendliche behandelt werden, obwohl sie sonst alle Rechte eines Erwachsenen in Anspruch nehmen könnten. Sie verglichen in ihrem Buch auch die Rechtssysteme in Deutschland, in ihrem Herkunftsland Frankreich und in dem der Familie des Haupttäters, der Türkei. Demnach hätten die Mörder in den beiden anderen Ländern mit einer weitaus empfindlicheren Strafe rechnen müssen.

Mit besserem Bildungssystem gegen Gewalt

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Freunde von Yvan setzen ein Zeichen gegen Gewalt. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Schulfreunde und Handballkameraden von Yvan hatten nach dem Verbrechen eine Initiative "Gewalt hilft niemals weiter" gegründet, ein Theaterstück aufgeführt und Unterschriften für ein anderes Jugendstrafrecht gesammelt. Enttäuscht äußern sich die Schneiders darüber, dass weder die frühere Bundesjustizministerin Brigitte Zypris (SPD) noch ihre Nachfolgerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) bereit gewesen seien, die Initiatoren zur Übergabe der Unterschriften zu empfangen.

Aber sie sehen es als Verpflichtung ihrem ermordeten Sohn gegenüber an, weiter für ihr Anliegen zu werben, der Gewalt in der Gesellschaft auch durch ein besseres Bildungssystem entgegenzutreten. "Da muss einfach noch mehr passieren, wenn ein Leben so ausgelöscht wird. Ich denke, wir müssen in der Gesellschaft Wege finden, dieses Einmalige eines jeden Lebens mehr in den Mittelpunkt zu stellen", fasst Pierre Schneider sein Anliegen zusammen. Er und seine Frau wollen sich zudem mit Menschen, die in ähnlicher Weise von den Folgen eines Gewaltverbrechens betroffen sind, zusammentun und einen Dachverband für die Angehörigen von Ermordeten gründen.

Quelle: Edgar Neumann, dpa