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Bericht über elften Toten falsch: Ermittler: Ursache des Unglücks noch unklar

Eine Meldung der Polizei stiftet Verwirrung: Entgegen erster Angaben ist der letzte Vermisste nach dem Zugunglück von Bad Aibling noch nicht gefunden worden. Die Polizei weist derweil auch Berichte zurück, nach denen menschliches Versagen zu dem Unfall führte.

Entgegen einer ersten offiziellen Meldung der Polizeipressestelle Rosenheim ist der letzte Vermisste nach dem Zugunglück in Bad Aibling noch nicht gefunden worden. Die Suche werde fortgesetzt, das Opfer werde weiter "in den Trümmern vermutet", stellte eine Sprecherin richtig. Es bestehe "nicht viel Hoffnung", es lebend zu bergen. Damit bleibt es dabei, dass zehn Menschen ihr Leben bei dem Unglück verloren. Es gab rund 80 Verletzte. Es war das schwerste Zugunglück in Bayern seit mehr als 40 Jahren.

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Derweil ist die Ursache des Unglücks nach offiziellen Angaben noch nicht gefunden. Die Polizei hat Berichten deutlich widersprochen, nach denen "menschliches Versagen" zum Unfall geführt habe. Ein Sprecher sagte dem Bayerischen Rundfunk: "Das sind reine Spekulationen, werfen Sie das weg, das weisen wir zurück."

Zuvor hatte die Deutsche Presse-Agentur "aus zuverlässiger Quelle" gemeldet, dass nach ersten Ermittlungen "menschliches Versagen" zu der Katastrophe geführt habe. Lediglich die "genaue Unglücksursache" werde noch ermittelt. Wer genau verantwortlich ist, sei der Agentur noch nicht bekannt.

Detaillierter stellte das Redaktionsnetzwerk Deutschland, dem mehr als 30 Tageszeitungen angehören, den Ermittlungsstand dar. Demnach sei "die Fehlentscheidung eines Fahrdienstleiters im Stellwerk von Bad Aibling" offenbar der Grund für das Unglück. Der Bahnbedienstete habe das automatische Signalsystem ausnahmsweise außer Kraft gesetzt, um einen verspäteten Triebwagen noch "quasi von Hand durchzuwinken".

Seehofer besucht Unglücksstelle

Der verspätete Zug erreichte dann jedoch nicht mehr rechtzeitig den sogenannten Begegnungspunkt, einen zweigleisigen Abschnitt der sonst eingleisigen Strecke, an dem die Züge aneinander vorbeifahren können. Der andere Zug "fuhr auf Ersatzsignal", wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland einen Ermittler zitiert. Das bedeutet: Auf Weisung des Stellwerks habe er den kurzen zweigleisigen Streckenabschnitt trotz roten Signals befahren.

Unklar ist, warum keine technische Vorrichtung das Unglück verhinderte. Der Streckenabschnitt ist nach Angaben von Verkehrsminister Alexander Dobrindt und der Streckenbetreiberin, der Deutschen Bahn, mit dem seit 2011 bundesweit installierten sogenannten Punktförmigen Zugbeeinflussungssystem PZB 90 ausgestattet. Dieses soll verhindern, dass zwei Züge zusammenstoßen. Laut Deutscher Bahn waren erst vergangene Woche alle signaltechnischen Anlagen auf der Strecke überprüft worden. Es habe keine Beanstandungen gegeben.

Heute will Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer die Unglücksstelle besuchen und mit den Rettungskräften sprechen. Wegen des Unglücks hatten sich die Parteien entschieden, auf den Politischen Aschermittwoch in Bayern zu verzichten. Auch Kanzlerin Angela Merkel sagte ihren Auftritt in Demmin ab.

Strecke noch tagelang gesperrt

Am Dienstagmorgen waren zwei Nahverkehrszüge auf der eingleisigen Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim frontal ineinander gekracht. "Der eine Zug hat sich förmlich in den anderen hineingebohrt und die Kabine des zweiten Zuges komplett auseinandergerissen", hatte Dobrindt nach Besichtigung der Unglücksstelle berichtet.

Die Rettungs- und Bergungsarbeiten gestalteten sich extrem schwierig, weil die Unglücksstelle in einem Waldstück an einer Hangkante neben dem Flüsschen Mangfall liegt. Rund 700 Rettungskräfte kümmerten sich um die Verletzten. Zum Teil zogen die überwiegend ehrenamtlichen Helfer die Opfer auch in Bergungssäcken mit Winden an den Hubschraubern hoch und flogen sie an das andere Ufer der Mangfall.

Die 37 Kilometer lange Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim wurde nach dem Unglück komplett gesperrt. Wann die Strecke wieder geöffnet werden kann, war zunächst unklar. Die Bergung der Trümmer wird wohl mehrere Tage dauern.

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Quelle: n-tv.de

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