Panorama

220 Anzeigen nach der LoveparadeErmittler kämpfen gegen Datenflut

10.08.2010, 17:11 Uhr

In den gut zwei Wochen nach der Loveparade-Katastrophe in Duisburg gehen 220 Strafanzeigen bei der Staatsanwaltschaft ein. Sie richten sich gegen den Veranstalter, die Stadt und die Polizei. Den Ermittlern macht die riesige Datenflut von über 50 Terabyte zu schaffen.

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Die Staatsanwaltschaft ermittelt "gegen unbekannt". Noch immer ist nicht klar, wer die Verantwortung für die Tragödie trägt. (Foto: picture alliance / dpa)

Gut zwei Wochen nach der Katastrophe auf der Love-Parade in Duisburg sind bislang 220 Strafanzeigen bei der Staatsanwaltschaft eingegangen. Sie richteten sich im Wesentlichen gegen Verantwortliche des Veranstalters, die Stadt Duisburg und die Polizei, teilten Kölner Polizei und Duisburger Staatsanwaltschaft mit. "Wir stehen vor einer Flut von Daten", erklärte Polizeipräsident Klaus Steffenhagen. Daher sei auch die Ermittlungsgruppe um 20 Beamte auf insgesamt 83 aufgestockt worden.

Die schwierigen und umfangreichen Ermittlungen bräuchten Zeit, hieß es. "Sorgfalt und Genauigkeit gehen hier vor Schnelligkeit." Wann die Ermittlungen zum Ende kämen, sei "absolut nicht absehbar", sagte Oberstaatsanwalt Rolf Haferkamp. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung "gegen unbekannt".

Nur ein Teil der Daten relevant

Bis jetzt seien Daten mit einem Volumen von über 50 Terabyte beim Veranstalter, der Stadt Duisburg, der Feuerwehr Duisburg und der Polizei sichergestellt worden. Das seien Millionen von Dokumenten, die ausgedruckt tausende Aktenordner füllen würden. Allein das Überspielen der Daten der Stadt Duisburg habe rund zwei Wochen gedauert.

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Am 4. September soll der Tunnel wieder freigegeben werden. (Foto: picture alliance / dpa)

"Zwar wird nur ein Teil der Daten verfahrensrelevant sein, aber wir müssen uns einen Überblick verschaffen und die Spreu vom Weizen trennen", erklärte der Leiter der Ermittlungsgruppe, Kriminaldirektor Stephan Becker. Zu den elektronischen Daten kämen noch mehr als achtzig Aktenordner mit schriftlichen Planungs- und Durchführungsunterlagen hinzu.

Über 900 Stunden Videomaterial aus Überwachungskameras insbesondere des Veranstalters, Handyvideos von Zeugen und Material von Medien müssten ausgewertet werden. Hinzu komme umfangreiches Fotomaterial unterschiedlichster Quellen. Zudem müssten mehrere hundert Zeugen befragt werden. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits angekündigt, dass die Ermittlungen Monate dauern werden.

"Crowd Manager" bekräftigt Vorwürfe

Am 24. Juli waren bei einer Massenpanik 21 Menschen getötet und über 500 verletzt worden. In der Kritik stehen die Stadt Duisburg mit und der mit seiner Firma Lopavent. Sauerland wird vorgeworfen, Sicherheitsbedenken gegen die Techno-Party ignoriert zu haben. Schaller soll sein eigenes Sicherheitskonzept nicht erfüllt haben. Schaller wie auch Sauerland beschuldigen dagegen die Polizei, Fehler im Einsatz gemacht zu haben.

Der während der Parade für das Lenken des Besucherstroms zuständige Psychologe Carsten Walter bekräftigte in einem Interview mit der "Bild" seine Vorwürfe gegen die Polizei. Der Verbindungsbeamte, der mit ihm in einem Container in der Nähe des Unglückortes saß, habe kein Funkgerät gehabt. Damit widersprach der sogenannte "Crowd-Manager" erneut der Darstellung des Innenministeriums im Düsseldorfer Landtag.

Trauergaben in Glaskubus

Unterdessen gehen in Duisburg Überlegungen für ein angemessenes Gedenken an die Opfer weiter. Der zuständige "Bürgerkreis Gedenken" beschloss, dass die Trauergaben im Unglückstunnel am 4. September in einen containergroßen Glaskubus gelegt werden sollen. Dieser Behälter soll dann im Innenhafen neben dem Kultur- und Stadthistorischen Museum aufgestellt werden.

Nach einer Gedenkfeier wird der Tunnel am 4. September wieder für den Verkehr freigegeben. Tausende Bürger hatten am Unglücksort Kerzen, Engelfiguren, Briefe und andere Gegenstände zum Gedenken an die Toten niedergelegt. Zudem wird während der Feier im Tunnel eine Gedenktafel angebracht.

Quelle: rts/dpa