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Die neue liberale Moschee kommt erst einmal in den Räumen einer Kirche unter.
Die neue liberale Moschee kommt erst einmal in den Räumen einer Kirche unter.(Foto: picture alliance / Soeren Stache)

Mietvertrag unterzeichnet: Erste Imamin will ab Juni predigen

Jammern und Meckern reicht nicht, hat sich die Berliner Feministin Seyran Ates gedacht. Da ihr die weltanschauliche Ausrichtung vieler islamischer Gemeinden in Deutschland nicht gefällt, gründet die gläubige Muslimin in Berlin jetzt eine eigene Moschee.

Die bisher vor allem als Frauenrechtlerin und Friedensaktivistin bekannte Rechtsanwältin Seyran Ates hat in Berlin Räume für eine liberale Moschee angemietet. Dort sollen Frauen und Männer ab Juni gleichberechtigt beten und predigen. Die aus der Türkei stammende Autorin unterzeichnete einen Mietvertrag in der evangelischen Johanniskirche im Stadtteil Moabit.

Die Eröffnung der Ibn Rushd-Goethe-Moschee in der dritten Etage des Kirchenbaus ist für den 16. Juni geplant. An diesem Tag wird Ates auch ein Buch mit dem Titel "Selam, Frau Imamin" veröffentlichen, in dem sie ihre Beweggründe für die Gründung der Moschee darlegt. In Europa ist der Gelehrte Ibn Rushd (1126-1198) unter dem Namen Averroes bekannt. Er lebte in Andalusien und Marokko, verfasste bedeutende Kommentare zum Werk des griechischen Philosophen Aristoteles.

"Ich hoffe, dass wir später ein eigenes Gebäude für unsere Moschee haben werden", sagte Ates. Es sei ihr wichtig, dass diese Moschee "sichtbar" sei, auch um dem Religionsverständnis der konservativen Islam-Verbände in Deutschland etwas entgegenzusetzen. Die liberale Moschee soll Sunniten, Aleviten, Schiiten und Sufis gleichermaßen offenstehen.

Leitung des Freitagsgebets durch eine Frau bisher tabu

Der Generalsekretär der Türkisch-Islamischen Union (Ditib), Bekir Alboga, wollte sich zu der neuen Moscheegemeinde nicht konkret äußern. Er erklärte aber auf Anfrage, auch jede Ditib-Moschee stehe für jeden offen, "unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft Nationalität, politischer oder weltanschaulicher Gesinnung". Im Ditib-Verband gebe es mehr als 150 weibliche Religionsbeauftragte: Predigerinnen, Theologinnen und Lehrerinnen.

Frauen hätten in vielen islamisch geprägten Ländern zwar die Möglichkeit, andere Frauen oder Mädchen religiös zu unterweisen oder mit ihnen zusammen zu beten, erklärte die Leiterin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam, Susanne Schröter. Die Leitung eines Freitagsgebetes durch eine Frau stelle aber "für den orthodoxen Islam ein Tabu dar, obwohl es nicht durch den Koran verboten ist". In vielen deutschen Moscheen hätten Frauen keinen eigenen Gebetsraum oder einen, der sehr viel kleiner sei als der Raum der Männer. Das Projekt von Ates nannte Schröter "zukunftsweisend". Sie erklärte: "Abgesehen von der "Liberalen Gemeinde Rheinland" ist mir keine Gemeinde bekannt, die ein derartiges Angebot bereitstellt."

Die 54-jährige Seyran Ates kämpft als Anwältin und Aktivistin seit Jahren gegen häusliche Gewalt, vermeintliche "Ehrenmorde" und die Zwangsverheiratung muslimischer Migrantinnen. Sie war Mitglied der Deutschen Islamkonferenz gewesen, bevor die Teilnahme auf muslimischer Seite auf Verbandsvertreter begrenzt worden war.

Quelle: n-tv.de

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