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Mit dem "Sprung in den Frühling" wird heute (wie hier im Februar 2015) im Karlsruher "Sonnenbad" die Freibadsaison eröffnet.
Mit dem "Sprung in den Frühling" wird heute (wie hier im Februar 2015) im Karlsruher "Sonnenbad" die Freibadsaison eröffnet.(Foto: picture alliance / dpa)

"Freibad ist ein Jungbrunnen!": Erstes Freibad eröffnet Saison

Sie halten es einfach nicht mehr aus: Im Karlsruher "Sonnenbad" starten heute ab 10 Uhr die ersten Schwimmer in die neue Freibadsaison. Im Gespräch mit n-tv.de erklärt Ralf Gurock, Vorsitzender des "Freundeskreises Sonnenbad", warum das gar keine abwegige Idee ist.

n-tv.de: Am heutigen Freitag sollen die Temperaturen in Karlsruhe maximal acht Grad Celsius erreichen. Ist das nicht etwas zu kalt für einen Ausflug ins Freibad?

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Ralf Gurock: Natürlich nicht. Wir haben schon bei Minusgraden unserem Hobby gefrönt. Es könnte sehr viel kälter sein. Es wäre natürlich schön, im Februar bei Sonnenschein ins Wasser zu springen. Aber Temperaturen von acht Grad sind für einen Freischwimmer überhaupt kein Problem.

Muss man sich diese dann wie Eisschwimmer mit Mützen vorstellen?

Nein, aber wir haben jedes Jahr immer den einen oder anderen Gag vorbereitet. Das diesjährige Motto ist "Winterschlaf ade, Sonnenbad juchhe!" Ein Großteil kommt deshalb im Schlafanzug ins Bad. Es wird wohl auch eine Szene dargestellt, in der drei Mitglieder auf Liegen schlafen - dann klingelt der Wecker, sie springen auf und hüpfen mit dem Schlafanzug ins Wasser.

Apropos Sprung: Die Veranstaltung wird "Sprung in den Frühling" genannt …

Für uns ist das auch wie der Frühlingsbeginn. Die Schwimmer warten jedes Jahr darauf, dass sie nach dreimonatiger Schließung endlich wieder in ihr Freibad gehen können. Denn für jemanden, der das Schwimmen im Freien gewöhnt ist, sind die Hallenbäder kein befriedigender Ersatz. Viele gehen zwar auch ins Hallenbad, weil sie Körper und Geist trainieren wollen. Aber es ist nicht dasselbe.

Sie sind in ganz Deutschland die ersten, die in die Freibadsaison starten. Wie sind Sie darauf gekommen?

Wie im vergangenen Jahr werden auch in diesem Februar zahlreiche Schwimmer zum "Sprung in den Frühling" erwartet.
Wie im vergangenen Jahr werden auch in diesem Februar zahlreiche Schwimmer zum "Sprung in den Frühling" erwartet.(Foto: imago/Stockhoff)

Vor 16 Jahren hat sich der "Freundeskreis Sonnenbad" gegründet. Der Verein will seitdem gemeinsam mit der Stadt sicherstellen, dass das Bad trotz hoher Kosten möglichst frühzeitig eröffnen kann. Der Verein hat 650 Mitglieder. Von ihrem Mitgliedsbeitrag zahlen wir einen Heizkostenzuschuss an die Stadt. Der ist sicherlich nicht kostendeckend, aber die Stadt kommt ja ihrer kommunalen Verantwortung nach. Dass sie jeweils zu einer solchen Aktion bereit sind, spricht sowohl für die Stadt als auch für die Bevölkerung.

Das klingt, als sei das frühe Anbaden nicht Ihre einzige Idee …

Ja. Gemeinsam mit der Stadt und mit der Unterstützung zahlreicher Sponsoren haben wir schon viele Projekte zum Erhalt und zur Verschönerung unseres Bades umgesetzt. Dabei gibt der Verein einen Euro und die Stadt ebenso. Durch dieses Konzept konnten eine Sauna gebaut, Sanitärräume saniert und ein neuer Spielplatz errichtet werden. So wird jedes Jahr in Zusammenarbeit zwischen Stadt und unserem Verein das ein oder andere Projekt ermöglicht.

Und wie bereitet der "Freundeskreis" den Anbadetag vor?

Im "Sonnenbad" wird einiges dafür getan, dass Frühlingsgefühle aufkommen.
Im "Sonnenbad" wird einiges dafür getan, dass Frühlingsgefühle aufkommen.(Foto: picture alliance / dpa)

Neben dem Heizkostenzuschuss sorgen wir dafür, dass das Sonnenbad optisch schön ist. Das beginnt mit dem Anbringen von Blumenschmuck und Luftballons sowie dem Aufstellen von Palmen. Auch die Liegen müssen rausgestellt werden. Außerdem kümmern wir uns darum, dass der lokale Bäcker wieder 200 Berliner liefert und die Kiosk-Betreiberin ausreichend vorbereitet ist. Wir wollen, dass sich alle, die am ersten Tag kommen, richtig wohlfühlen – und nicht nur ein Mal ins Wasser springen und danach direkt wieder nach Hause gehen.

Das klingt tatsächlich schon etwas nach Frühling. Mit wie vielen Schwimmfans rechnen Sie heute?

Es werden wie in den vergangenen Jahren sicherlich 300 bis 400 Menschen kommen. Man könnte zunächst meinen, es kämen lediglich zehn bis zwanzig Leute. Doch das ist weit gefehlt. Im Winter sind jeden Tag mindestens 200 Gäste im "Sonnenbad".

Kommen nur Mitglieder ihres Vereins zum Anbaden?

Nein. Sicherlich wird ein Großteil der Gäste dem Freundeskreis angehören. Doch es werden auch viele Leute zu Besuch kommen, die kein Vereinsmitglied sind.

Zum Schluss haben Sie die Gelegenheit, die letzten Frostbeulen hinter dem Ofen hervor zu locken: Warum sollte man heute einen Ausflug ins Sonnenbad machen?

Es gibt nichts Schöneres, als sich im Freien schon zu dieser Jahreszeit im warmen Wasser fit halten und wach machen zu können. Ich mache das immer vor meinem Arbeitstag. Dann gehe ich leistungsfähig und gut gelaunt ins Büro. Wenn ich mal zu viel Stress hatte, mache ich es genau anders herum: Ich gehe abends ins Freibad und dann ist der Stress weg. Das schenkt mir dann wieder zwei Stunden Energie und ich komme nicht müde aus dem Büro nach Hause. Das Freibad ist ein Jungbrunnen!

Mit Ralf Gurock sprach Christoph Rieke

Quelle: n-tv.de

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