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Auch im März kann es noch winterliche Temperaturen geben.
Auch im März kann es noch winterliche Temperaturen geben.(Foto: dapd)

Der Winter meldet sich zurück: Es wird wieder eisig

Es ist also nur ein kurzes Zwischenspiel: Der jüngste Hauch von Frühling weicht wieder winterlichen Temperaturen. In weiten Teilen Deutschland schneit es in den nächsten Tagen, warnt n-tv Meteorologe Björn Alexander. Die Temperaturen können auf bis zu minus 20 Grad absacken.

Björn, bei unserem letzten Gespräch vor einer Woche hattest du es schon gesagt: der Winter könnte noch einmal wieder kommen. Bleibt es dabei?

Aus dem "könnte" ist inzwischen leider ein "wird" geworden. So traurig es nach den zuletzt sehr sonnigen und warmen Tagen auch ist. Der Spätwinter wird uns sehr wahrscheinlich mit voller Wucht treffen. Und auch wenn es nicht wirklich tröstend ist: Die ersten Tage im März haben in Sachen Sonne den trüben Februar vielerorts bereits geschlagen. Und wenn es gut läuft, dann wird der Spätwintereinbruch zwar eine kalte, aber nicht sonnenlose Angelegenheit.

Kurz mal Frühling, dann wieder Winter. Woher kommen diese Wetterextreme?

Das liegt daran, dass sich die Großwetterlage noch einmal umstellt. Unser Frühlingsbringer Hoch "Fenne" ist inzwischen am Schwarzen Meer und hat somit keinen Einfluss mehr auf das Wetter in Mitteleuropa. Stattdessen überwiegt über weiten Teilen Europas der Tiefdruckeinfluss. Ein Hoch liegt im Bereich Island/Grönland und spielt bei der Rückkehr des Winters noch eine tragende Rolle. 

Dann bin ich jetzt mal auf die restlichen Protagonisten gespannt.

Björn Alexander
Björn Alexander(Foto: n-tv)

Das sind eben die Tiefs, die momentan beispielsweise über Teilen Südwesteuropas für viel Wind und Regen sorgen, außerdem die Reste der Frühlingsluft und arktische Kaltluft. Und jetzt versuche ich mal, das alles in einem Drehbuch zu ordnen. Erster Akt: weite Teile Deutschlands liegen noch im Bereich der relativ milden Luft, die aber durch Tief Xaver über dem Atlantik deutlich wolkiger ist als zuletzt. Unterdessen weht Russlandtief Wolfgang in den Nordosten Deutschlands schon deutlich kältere Luft heran. Damit ergeben sich große Temperaturunterschiede. Im Südwesten und Süden endet die Arbeitswoche durchaus nochmals mit 10 bis 15 Grad. Im Nordosten wird es derweil mit einem unangenehmen Ostwind immer kälter, und am Freitag können sich bei Werten etwas über 0 Grad bereits erste Flocken untermischen.

Was passiert im zweiten Akt?

Jetzt hat das Hoch bei Island/Grönland seinen großen Auftritt. Das dehnt sich nämlich allmählich etwas weiter südwärts aus. Damit verstärkt sich zeitgleich auch der Tiefdruckeinfluss über Skandinavien. Der breitet sich südwärts aus und erreicht zu Beginn der neuen Woche das zentrale Mittelmeer. 

Ist das dann der Höhepunkt?

Im Prinzip schon. Denn mit dem sich ausdehnenden Tiefdruckeinfluss kommen arktische Luftmassen bis nach Deutschland voran. Es wird definitiv deutlich kälter. Im Vergleich zu den milden Tagen dürften wir einen Temperatursturz von rund 10 bis 15 Grad erleben - örtlich auch noch mehr. Soweit ist der Witterungsablauf auch relativ sicher. Jetzt kommen wir zu den größeren Unsicherheiten. Die liegen nämlich im Bereich des genauen Witterungsablaufes. Hier sind die Modelle in Bezug auf das Timing und die Ausprägung der Niederschläge noch relativ unterschiedlicher Meinung. Das betrifft vor allem die Ausbildung einer geschlossenen Schneedecke. Es ist nicht auszuschließen, dass es am Montag in vielen Teilen Deutschlands winterlich weiß in die neue Woche geht. Und selbst Schneeverwehungen sind durch den teilweise eisigen Nordostwind in diesem Szenario denkbar. Eine andere Variante ist: Es wird kalt und ein paar Schneeschauer sorgen höchstens mal für einen weißen Zuckerguss. 

Du hast vorhin auch mal die Sonne erwähnt. 

Ach ja, die gibt es ja auch noch. Es ist durchaus im Bereich der Möglichkeiten, dass wir uns ab Montag von Norden her in der sehr kalten Luft über zunehmende Sonnenanteile freuen können. Und - das haben wir in den letzten Tagen gemerkt - die Sonne hat im März schon richtig Kraft. 

Wie sieht es dann bei den Temperaturen aus?

Der Winter hat Deutschland bald wieder im Griff.
Der Winter hat Deutschland bald wieder im Griff.(Foto: dpa)

Zeitweise wirklich eisig. Zu Beginn der neuen Woche dürfte die Kaltluft auch die Alpen erreichen. Damit sind am Montag nur noch minus 5 bis plus 5 Grad drin. Anschließend sind dann auch in den tiefen Lagen im Westen nur noch bis plus 3 Grad möglich. Ansonsten sind es Tageshöchstwerte zwischen minus 7 und plus 2 Grad. Außerdem weht ein teilweise eisiger Wind aus östlichen bis nördlichen Richtungen. Und richtig kalt können die Nächte werden. Unter Aufklarungen und über Schnee durchaus mit strengem Frost, also unter minus 10 Grad. Und selbst unter minus 20 Grad sind stellenweise nicht auszuschließen. Frostig wird es nachts aber mit Sicherheit auch ohne Schneedecke. Dann mit Werten so um die minus 3 bis minus 10 Grad.

Das ist aber schon außergewöhnlich, oder?

Eigentlich nicht. Der "Märzwinter" ist ein durchaus üblicher Mitspieler bei unserem Wetter. Viele Temperaturrekorde für den Monat März sind auch noch gar nicht so alt. Im ersten Märzdrittel war das Jahr 2005 ein sehr kaltes. Im Süden (München oder Augsburg) mit nächtlichen minus 25 Grad. Für das zweite Drittel im März gibt es aus 2006 etliche Rekorde in Sachen Kälte. Überhaupt war der März 2006 ein sehr kalter mit knapp 2 Grad unter dem Durchschnitt. Und anschließend konnten wir uns dann zur Fussball-WM über ein Sommermärchen und einen knapp 5 Grad zu warmen Juli freuen.

Es besteht also Hoffnung?

Aber immer doch. Allerdings müssen wir ja jetzt erst einmal auf die Rückkehr des Frühlings warten. Und da gibt es vorerst einmal keine richtigen Anzeichen für ein Comeback.

Quelle: n-tv.de

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