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Zwei Jahre und neun Monate saß Christopher Poulos hinter Gittern.
Zwei Jahre und neun Monate saß Christopher Poulos hinter Gittern.(Foto: twitter.com/@eilperin)

Aus dem Knast ins Weiße Haus: Ex-Dealer macht Karriere als Jurist

2008 muss Christopher Poulos wegen Kokainbesitzes und -verkaufs ins Gefängnis. Nach seiner Entlassung engagiert er sich für jugendliche Straftäter und absolviert ein Jurastudium - der verurteilte Drogendealer schafft es bis ins Weiße Haus.

2008 war Christopher Poulos ganz unten angekommen. Fast drei Jahre musste er ins Gefängnis, wegen Kokainbesitzes und -verkaufs. Manche hätten sich von diesem Tiefpunkt vielleicht nicht mehr erholt. Poulos aber schaffte die Wende. Binnen sieben Jahren wurde aus einem verurteilten Drogendealer ein Jurist mit einem Praktikum im Weißen Haus. Wie war das möglich? Bereits vor seinem Gefängnisaufenthalt begann er damit, sein Leben umzukrempeln. Mit Hilfe eines Zwölf-Schritte-Programms bekämpfte er seine Drogensucht.

Trotzdem musste Poulos noch seine Haftstrafe absitzen. Seine Erfahrungen mit dem amerikanischen Rechtssystem brachten ihn dazu, selbst Anwalt werden zu wollen. Pflichtverteidiger würden sich nicht genügend bemühen, nur teure Anwälte würden helfen können, meint er. "Ich wollte die ethnische und wirtschaftliche Ungerechtigkeit ändern, die unser Rechtssystem plagt", erzählt der 33-Jährige.

Amerika als "Land der zweiten Chancen"

Dass eine Karriere als Rechtsanwalt für einen verurteilten Straftäter eine schwierige ist, fand Poulos schnell heraus. Eine Zulassung als Anwalt kann durch Vorstrafen erschwert werden. "Und nicht nur das: In manchen Bundesstaaten dürfte ich nicht einmal wählen", sagt er. Trotzdem schaffte er es an die Universität und engagierte sich in seiner Heimatstadt Portland (US-Bundesstaat Maine) in der Drogenpolitik.

Dort traf er auch Michael Botticelli, Direktor des Büros für Drogen-Kontroll-Politik im Weißen Haus. Botticelli war beeindruckt von dem jungen Mann und bot ihm einige Zeit später ein Praktikum in seiner Abteilung an. Botticelli wurde einst wegen Trunkenheit am Steuer verurteilt. Er glaubt, dass Menschen mit Drogenvergangenheit eine besondere Perspektive in die Arbeit seiner Behörde einbringen, wie er der "Washington Post" sagte. Damit ist er auf einer Linie mit Präsident Barack Obama, der im Januar von Amerika als "Land der zweiten Chancen" sprach und für eine weniger auf Bestrafung fixierte Drogenpolitik plädierte.

Mehr Geld für Prävention

Poulos ergriff die Chance. "Menschen zu integrieren, die selbst von der Drogenpolitik der Regierung betroffen sind, hilft dabei, vernünftige Lösungen zu finden", sagt er. Fälle wie der von Poulos zeigen, wie sich der Fokus der US-Regierung im Kampf gegen Drogensucht verschoben hat. 2016 schlug der Präsident dem Kongress vor, mehr Geld in Prävention und Behandlung zu stecken als in Bestrafung. Das hat es nicht mehr gegeben, seit Präsident Richard Nixon 1971 den "Krieg gegen Drogen" ausrief.

Das Praktikum im Weißen Haus hat Poulos inzwischen beendet. Er arbeitet wieder in Maine, wo er jugendliche Straftäter verteidigt - in dem Gericht, in dem er selbst vor acht Jahren als Angeklagter saß. "Ich kann mich für Kinder einsetzen, die häufig eine unglaublich harte Kindheit hatten." Das Beste sei, dass er den Jugendlichen und ihren Familien auch im Falle einer Verurteilung Hoffnung geben könne. "Nicht nur im Gericht, sondern auch indem ich ihnen - an meinem Beispiel - zeige, dass es andere Wege im Leben gibt."

Quelle: n-tv.de

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