Panorama

Üble Nachrede im Fall KampuschEx-Richter muss zahlen

24.12.2009, 12:52 Uhr

Ludwig Adamovich bleibt bei seiner Meinung: Natascha Kampusch sei es bei ihrem Entführer möglicherweise besser gegangen als bei ihrer Mutter. Diese Ansicht bringt ihm nun die erste Strafe ein.

Wegen übler Nachrede zu Lasten von Kampusch-Mutter Brigitta Sirny muss der ehemalige Chef des österreichischen Verfassungsgerichtshofes, Ludwig Adamovich, 10.000 Euro Geldstrafe zahlen. Das Wiener Straflandesgericht verurteilte den Juristen. Der 77-jährige Jurist hatte immer wieder angedeutet, dass es dem Entführungsopfer Natascha Kampusch bei ihrer Mutter nicht gut gegangen und sie möglicherweise freiwillig bei ihrem Entführer Wolfgang Priklopil geblieben sei.

16259948
Natascha Kampusch (Foto: picture-alliance/ dpa)

In einem Interview Anfang August hatte er unter anderem gesagt, dass es dem Mädchen möglicherweise in dem Verlies besser gegangen sei als zuvor. Der Anwalt des ehemals obersten Richters des Landes kündigte Berufung an.

Adamovich ist Vorsitzender einer nach Ermittlungspannen von der Regierung eingerichteten Kampusch-Kommission, die schwere Vorwürfe gegen die Behörden erhoben hat und von Vertuschung spricht. Die Staatsanwaltschaft hat den Fall inzwischen neu aufgerollt, die Ermittlungen sollen Anfang kommenden Jahres abgeschlossen sein.

Positive Beziehung?

Adamovich bekräftigte vor Gericht erneut seine Aussagen. Sirny sei mit ihrer Tochter nicht besonders liebevoll und zärtlich umgegangen, sagte er. Demgegenüber gebe es Anzeichen dafür, dass sich zwischen Entführer und Entführter eine positive, sogar liebevolle Beziehung entwickelt habe. Es sei bisher überhaupt nicht in Betracht gezogen worden, dass Kampusch ja Gelegenheit gehabt habe, sich aus der Gefangenschaft zu befreien.

Nach Ansicht von Richterin Birgit Schneider hat Adamovich Sirny öffentlich eines gegen die guten Sitten verstoßenden Verhaltens beschuldigt und sie damit verächtlich gemacht. Der Jurist kündigte nach der Verurteilung an, möglicherweise vom Vorsitz der Kampusch-Kommission zurücktreten zu wollen.

Der damals 18-jährigen Kampusch gelang am 23. August 2006 die Flucht aus einem Kellerverlies in Strasshof, in dem sie Priklopil achteinhalb Jahre gefangen gehalten hatte. Noch am selben Tag nahm sich ihr Peiniger das Leben. Er hatte sie als Zehnjährige auf dem Weg zur Schule entführt.

Quelle: dpa