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Mehr als sieben Jahrzehnte nach dem Abwurf: Die britische 500-Pfund-Bombe ist entschärft und kann abtransportiert werden.
Mehr als sieben Jahrzehnte nach dem Abwurf: Die britische 500-Pfund-Bombe ist entschärft und kann abtransportiert werden.(Foto: dpa)

Bauarbeiter löst Zünder aus: Experten entschärfen Fliegerbombe

Gefährliche Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg sind in Hamburg nicht ungewöhnlich: Doch der jüngste Fund stellt das Räumkommando der Hansestadt vor eine besonders heikle Aufgabe. Der Zünder sei ausgelöst, heißt es, der Sprengkörper könne jederzeit explodieren.

Ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg hat im Hamburger Stadtteil Eppendorf einen Großeinsatz von Polizei, Feuerwehr und Experten des Kampfmittelräumdienstes ausgelöst. Experten des Kampfmittelräumdienstes konnte die 500-Pfund-Bombe aus britischer Produktion am Abend entschärfen.

Ein Säurezünder, der mehr als 70 Jahre im Boden lag: Schwierige Aufgabe für den Entschärfer.
Ein Säurezünder, der mehr als 70 Jahre im Boden lag: Schwierige Aufgabe für den Entschärfer.(Foto: dpa)

Der Zünder des Sprengkörpers sei mit einem Hochdruck-Wasserschneidgerät herausgefräst und der Detonator gesprengt worden, sagte ein Feuerwehrsprecher. "Jetzt ist wieder alles sicher." Die Sperrmaßnahmen könnten aufgehoben werden.

Bauarbeiter waren gegen Mittag inmitten eines dichtbebauten Wohngebiets in der Geschwister-Scholl-Straße im Norden der Innenstadt auf den gefährlichen Sprengkörper gestoßen. Die alarmierten Experten sahen sich allerdings mit einer ungewöhnlich gefährlichen Aufgabe konfrontiert: Weil bei den Bauarbeiten der Zünder ausgelöst worden sei, hätte die Bombe jederzeit hochgehen können, erklärte ein Sprecher.

Die 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe englischer Bauart wurde als hochgefährlich eingestuft. Die Bombe enthalte 140 Kilogramm Sprengstoff. Die übrigen 110 Kilo Material könnten im Fall einer Explosion Menschen im weiten Umkreis durch Splittereinwirkung gefährden. "Der Säurezünder sei beschädigt", hatte der NDR einen Feuerwehrsprecher im Vorfeld zitiert. "Der hat Klick gemacht und hat zum Glück nicht das gemacht, was er eigentlich sollte, nämlich die Bombe zur Explosion bringen."

Warnkreis mit einem Kilometer Durchmesser

Rund 6000 Anwohner mussten nach dem Fund sofort ihre Häuser verlassen. Nach Angaben der Polizei wurde ein Absperrradius von 300 Metern um den Fundort im Stadtteil Eppendorf festgelegt. Der sogenannte Warnradius, in dem die Menschen nicht die Häuser verlassen durften, betrage 500 Meter.

Der Blindgänger lag in dem Gebiet zwischen Lokstedter Weg und Martinistraße. Im Stadtteil Eppendorf war es zuvor aufgrund der aufwändigen Evakuierungsmaßnahmen zu "massiven Verkehrsbeeinträchtigungen" gekommen. Die Polizei rief dazu auf, den zentral gelegenen Stadteil großräumig zu umfahren. Behinderungen gab es auch im öffentlichen Nahverkehr. Nach Angaben der Hamburger Hochbahn war davon der Busverkehr auf acht Buslinien betroffen, die vorübergehend unterbrochen oder umgeleitet werden mussten.

Luftraum über Hamburg gesperrt

Das Gelände des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) wurde vom Sperrkreis rund um die Fundstelle nur knapp berührt und musste nicht geräumt werden. Nach Angaben der Polizei war das Krankenhaus während der Sperrung allerdings nur von der Westseite zu erreichen. "Der Verkehr dort ist allerdings sehr chaotisch", hieß es.

Der Widerwille einzelner Hamburger, ihre Wohnungen zu verlassen, machte den Evakierungseinsatz für Polizei und Feuerwehr besonders schwierig. "Einige Anwohner weigern sich zu gehen", hatte die Hamburger Polizei am frühen Abend mitgeteilt. Dadurch sei es zu Verzögerungen im Zeitplan gekommen.

16 Flüge ausgefallen

Weil der Fundort nur wenige Kilometer vom Flughafen Hamburg entfernt lag, sperrten die Behörden ab 19.30 Uhr auch den Luftraums über der Hansestadt. Erst eine gute halbe Stunde später konnte die Sicherheitsmaßnahme wieder aufgehoben werden. "Während der Sperrung konnten keine Starts und Landungen stattfinden", teilte der Airport Hamburg mit. "Im Zeitraum der Sperrung mussten acht Ankünfte und acht Abflüge gestrichen werden, bei weiteren Flügen kam es zu Verspätungen."

Komplette Entwarnung konnten die Behörden erst am Abend geben. "Die Bewohner können in ihre Wohnungen zurück", teilte die Polizei Hamburg kurz nach 20.00 Uhr mit. "Saubere Arbeit der sechs Männer des Kampfmittelräumdienstes", hieß es im Twitter-Kanal der Polizei. Dort veröffentlichten die Beamten auch ein Bild des "Übeltäters". Zu erkennen ist ein rostiges Ungetüm, das eingeklemmt zwischen schweren Dielen, Spanngurten und einem mobilen Bergungsgerät der Entschärfer im sandigen Eppendorfer Erdreich auf seinen Abtransport wartet.

 

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Quelle: n-tv.de

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