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Mittwoch, 13. August 2008

Ermittlungen in Rüsselsheim: Fehde löst Bluttat aus

Gekränkte Ehre war möglicherweise das Motiv für die tödliche Schießerei zwischen zwei türkischen Gruppen in einer Eisdiele im südhessischen Rüsselsheim. Bei der blutigen Fehde am Dienstagabend, an der bis zu neun Personen beteiligt waren, starben zwei Türken und eine 55 Jahre alte Griechin, wie das Landeskriminalamt (LKA) in Wiesbaden berichtete.

Die Frau war im italienischen Eiscaf nur zufällig in die Schusslinie der Täter geraten. Ein weiterer Türke wurde schwer verletzt. Die Polizei nahm zwei Männer im Alter von 49 und 28 Jahren fest. Zeugen wollen diese Männer am Tatort gesehen haben. Ihre mögliche Tatbeteiligung müsse jedoch geprüft werden, hieß es.

Früherer Streit in Mainz

Zwei der Männer, die an der Auseinandersetzung beteiligt waren, seien am vergangenen Wochenende in Mainz bereits in einen persönlichen Streit verwickelt gewesen. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass dies der Hintergrund für die Bluttat war, sagte Stefan Müller vom LKA. Möglicherweise hätten die Männer Gruppen um sich geschart, und die Fehde "auf persönlicher Beziehungsebene" sei am Dienstag eskaliert. Ob geplant oder nicht, sei unklar.

Gerüchte um ein Verbrechen im Drogenmilieu oder um eine Auseinandersetzung um private Wettbüros wollte die Polizei nicht bestätigen. Das sei reine Spekulation. Zwar habe eines der Opfer früher ein Wettbüro betrieben. Aber es gebe bisher keinerlei Anhaltspunkte für einen Zusammenhang mit der Bluttat, sagte LKA-Vizepräsident Roland Desch.

Zufällig getroffen und verblutet

Bei einem der Toten handelt es sich um einen 26 Jahre alten Türken aus Wiesbaden, den die Polizei zu den Angreifern zählt. Sein 31 Jahre alter Bruder, der ebenfalls in Wiesbaden lebt, wurde schwer verletzt. Er sei nach einer Notoperation außer Lebensgefahr und werde in einem Krankenhaus von der Polizei bewacht, sagte Desch.

Der zweite Tote, ein 29-Jähriger, habe zur Gruppe der Angegriffenen gehört. Die Griechin, die neben dem Eiscaf ein Lokal betrieb, war an der Auseinandersetzung unbeteiligt und geriet zufällig in die Schusslinie der Täter. Die Frau wurde getroffen und verblutete.

Über die Identität der weiteren Beteiligten war zunächst nichts bekannt. Die Ermittler gingen aber davon aus, dass alle Gruppenmitglieder Türken sind. Das LKA schließt nicht aus, dass das Gewaltverbrechen von Rüsselsheim Folgetaten auslösen könne.

Hohe Belohnung ausgesetzt

Nach Darstellung des LKA saßen drei bis vier Personen am Dienstag in dem Caf, als sie von vier bis fünf Männern angegriffen wurden. Bei der Auseinandersetzung wurde mehrfach geschossen, auch Messer wurden eingesetzt. Ob mehrere Schusswaffen verwendet wurden, stehe erst nach der Auswertung der Spuren und weiterer Zeugenbefragungen fest.

Zahlreiche Zeugen haben die Schießerei beobachtet. Die Ermittler vermuten, dass sich längst nicht alle gemeldet haben. Die Staatsanwaltschaft hat eine Belohnung von 10.000 Euro ausgesetzt.

Tragen von Waffen alltäglich geworden

Für den Bundesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, zeigt die Bluttat von Rüsselsheim "die Gefährlichkeit der kriminellen Szene insgesamt". "Hier hat es eine dramatische Steigerung in den vergangenen Jahren gegeben, die noch anhält", sagte Wendt in Berlin.

"Das Tragen von Waffen ist ebenso alltäglich geworden, wie ihre Anwendung." Nach seriösen Schätzungen existierten rund 30 Millionen Schusswaffen in Deutschland. "Die Gesellschaft ist längst bewaffnet, amerikanische Verhältnisse existieren bereits, nur die Politik nimmt sie nicht zur Kenntnis", kritisierte Wendt.

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