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Vor allem in Tiefkühllasagne fand sich das Pferdefleisch.
Vor allem in Tiefkühllasagne fand sich das Pferdefleisch.(Foto: dpa)

Pferd als Rind verkauft: Festnahmen im Fleischskandal

Die Polizei in Großbritannien meldet drei Festnahmen von Mitarbeitern in Fleischverarbeitungsbetrieben. Sie sollen für das Pferdefleisch in europäischen Rindfleischprodukten verantwortlich sein. Ein Betrieb in Frankreich soll gewusst haben, dass er Pferd verkaufte. In der Firma heißt es dagegen, man habe den Zahlencode für Pferdefleisch nicht verstanden.

Im Skandal um falsch deklarierte und mit Pferdefleisch versetzte Rindfleischprodukte sind in Großbritannien insgesamt drei Männer festgenommen worden. Sie stehen im Verdacht, Betrug in Zusammenhang mit Lebensmitteln begangen zu haben.

Zwei der drei Verdächtigen seien in einem Fleischverarbeitungsbetrieb in Südwest-Wales festgenommen worden. Es handele sich um zwei Männer im Alter von 42 und 64 Jahren. Der dritte Mann im Alter von 63 Jahren sei in einem Fleischbetrieb in der englischen Grafschaft West Yorkshire festgenommen worden, berichtet die Polizei. Beide Betriebe waren am vergangenen Dienstag bereits bei einer Razzia von der Polizei durchsucht worden. Sowohl Fleisch als auch Papiere wurden sichergestellt. Die britische Lebensmittelaufsicht FSA legte den Betrieb vorübergehend lahm.

Das Fabrikgelände des französischen Großhändlers Spanghero  in Castelnaudary in Südfrankreich.
Das Fabrikgelände des französischen Großhändlers Spanghero in Castelnaudary in Südfrankreich.(Foto: dpa)

Ein weiterer Schuldiger steht fest: Die französische Firma Spanghero wusste nach Angaben der Regierung in Paris, dass sie Pferdefleisch als Rindfleisch verkaufte. Supermarktketten in Deutschland nahmen möglicherweise falsch deklarierte Produkte teils bereits vergangene Woche aus dem Verkauf, ohne dies zunächst mitzuteilen.

Spanghero habe sich eines "Wirtschaftsbetruges" schuldig gemacht und werde zur Verantwortung gezogen werden, sagte der französische Verbraucherminister Benoît Hamon. Der Firma in Südwestfrankreich wurde mit sofortiger Wirkung die Zulassung zur Fleischverarbeitung entzogen.

Phenylbutazon in der Nahrungskette

Die Firma wies erneut die Schuld von sich: Die Firma habe "nur als Rind geltendes Fleisch bestellt, erhalten und weiterverkauft". Das Fleisch sei auf den gelieferten Paletten als Rindfleisch etikettiert gewesen, den Pferdefleisch-Zahlencode auf den Rechnungen habe man nicht als solchen verstanden.

Der europaweite Skandal um Pferdefleisch in Tiefkühlprodukten, das als Rindfleisch etikettiert worden war, hatte am Mittwoch auch Deutschland erreicht. In Lasagne-Produkten wurden Anteile von Pferdefleisch gefunden. Spanghero hatte das Fleisch aus Rumänien bezogen und die französische Firma Comigel in Metz beliefert, die europaweit zahlreiche Fertigprodukte verkauft.

Tests der britischen Lebensmittelaufsicht ergaben, dass Fleisch von acht mit dem Medikament Phenylbutazon gespritzten Pferden wohl in die Nahrungskette geraten ist. Die geschlachteten Tiere wurden nach Frankreich exportiert. Dort fielen Tests zunächst negativ aus, sagte der britische Ernährungsstaatssekretär David Heath. Das Mittel wird bei Pferden auch als Dopingmittel verwendet, bei Menschen kurzzeitig gegen Rheuma. Das Gesundheitsrisiko für Menschen ist nach Einschätzung der britischen Behörden gering.

Die EU-Staaten wollen am Freitag in Brüssel über die Einführung europaweiter Gentests von Rindfleischprodukten entscheiden. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) erklärte dazu: "Nur mit flächendeckenden Tests und einem europaweit einheitlichen Vorgehen werden wir das tatsächliche Ausmaß dieses Falls erfassen können." Sie forderte die Justizbehörden in Deutschland zu Ermittlungen auf: "Wir haben es offenbar mit einem bislang einmaligen Fall von Verbrauchertäuschung zu tun."

Immer mehr Funde

In Deutschland gelangten Pferdefleisch-Produkte offenbar in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Sachsen und Berlin in den Handel. Der Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure sieht den Verbraucherschutz in Deutschland grundsätzlich gewährleistet: "Die Überwachung ist so stark wie noch nie", sagte Vorstand Manfred Woller. Die Verbraucherorganisation foodwatch forderte hingegen schärfere Kontrollsysteme.

Nach der Metro-Tochter Real entdeckte auch die Supermarktkette Edeka Pferdefleisch in Fertiggerichten, die eigentlich nur Rind enthalten sollten. Tausende Lasagne-Packungen verschwanden aus den Kühlregalen.

In dem Tiefkühl-Produkt "Gut & Günstig Lasagne Bolognese" seien bei Analysen in einzelnen Stichproben geringe Mengen Pferdefleisch gefunden worden, sagte ein Edeka-Sprecher in Hamburg. Der Artikel sei am Dienstag vorsorglich aus dem Verkauf genommen worden, nachdem der Lieferant eine mögliche Beimischung von Pferdefleisch nicht ausschließen konnte. Die beigemischte Menge liege bei einem bis fünf Prozent.

Real hat Tiefkühl-Lasagne zurückgerufen, nachdem bei Stichproben Anteile von Pferdefleisch entdeckt worden waren. "Jeder Kunde, der den Artikel in den Markt zurückbringt, bekommt den Kaufpreis zurückerstattet", sagte ein Unternehmenssprecher in Düsseldorf. Die Lasagne der Eigenmarke "Tip" sei bundesweit in allen 316 Real-Märkten verkauft worden. Das Unternehmen sehe sich "als Opfer einer vorsätzlichen Täuschung".

Über 22.000 Packungen beschlagnahmt

Kaiser's Tengelmann rechnet für diesen Freitag mit Ergebnissen der Analysen für die aus dem Verkauf genommene A&P-Tiefkühllasagne. Auch der Großhändler Markant teilte mit, er habe vergangene Woche "vorsorglich entsprechende Produkte aus dem Vertrieb sowie aus dem Verkauf bei den belieferten Kunden genommen". Die Gesellschaft betreibt keine eigenen Einzelhandelsgeschäfte.

In Baden-Württemberg wurde nach Angaben des dortigen Verbraucherministeriums eine verdächtige Tiefkühl-Lasagne der Firma Eismann aus dem Handel genommen. Ob in der Lasagne tatsächlich falsch deklariertes Pferdefleisch enthalten ist, werde derzeit untersucht. Das von dem Unternehmen vertriebene Produkt kam laut Ministerium über NRW in den Südwesten.

Über 22.000 Packungen Tiefkühl-Lasagne mit möglicherweise falsch deklariertem Pferdefleisch wurde in Brandenburg vorsorglich sichergestellt. Auch in Bayern fanden Kontrolleure in einem Kühlhaus verdächtige Produkte. In beiden Fällen gibt es eine Spur nach NRW: Von dort sei das verdächtige Produkt über einen Großhändler nach Brandenburg und Bayern gelangt. In Niedersachsen wurde ein Kühlhaus geschlossen.

Quelle: n-tv.de

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