Freitag, 09. November 2007
Neuregelung für Minderjährige: Finnland verbietet Waffenkauf
Nach dem blutigen Amoklauf an einer Schule will die finnische Regierung das Mindestalter für Waffenbesitz von 15 auf 18 Jahre heraufsetzen. Minderjährigen solle nach einer vorgeschlagenen Gesetzesänderung der Kauf von Schusswaffen verboten werden, erklärte ein Sprecher des Innenministeriums. Sie sollten die Waffen aber unter Beobachtung ihrer Eltern weiterhin benutzen dürfen.
Entsprechende Pläne gebe es schon länger, sagte Ministeriumssprecher Ilkka Salmi in Helsinki. In Finnland besitzen nach Regierungsangaben etwa 13 Prozent der Bevölkerung oder 650.000 Einwohner eine Schusswaffe. Das ist der Forschungsgruppe Small Arms Survey in Genf zufolge die dritthöchste Quote weltweit. Lediglich in den USA und im Jemen gibt es demnach mehr Schusswaffen pro Kopf als in Finnland. Dort können Jugendliche derzeit mit der Zustimmung ihrer Eltern im Alter von 15 Jahren Schusswaffen erwerben.
Mails mit US-Gewalttätern
Der finnische Abiturient Pekka-Eric Auvinen hatte am Mittwoch in der Schule acht Menschen erschossen und seine Pistole anschließend gegen sich selbst gerichtet. Er erlag wenige Stunden später seinen Kopfverletzungen. Vor dem Amoklauf hatte er regen Kontakt mit Gleichgesinnten in den USA gepflegt. Wie die Polizei nach Medienangaben aus Helsinki bestätigte, tauschte der 18-Jährige E-Mails mit dem US-Jugendlichen Dillon Cossey aus, der in der Stadt Philadelphia ein ähnliches Massaker plante. Cossey wurde aber rechtzeitig gefasst und zu einer Haftstrafe verurteilt.
Auvinen hatte am Mittwoch in der Kleinstadt Tuusula bei Helsinki sechs Schüler, die Schul-Krankenschwester, die Rektorin und am Ende sich selbst getötet.
Wie weiter bekannt wurde, hatte der Finne eine dänische Freundin, mit der er ausschließlich über das Internet Kontakt hielt. Sie hatte ihm im September den Laufpass gegeben, weil sie einen neuen Freund aus der Neonazi-Szene kennengelernt hatte. In finnischen Medien wurde spekuliert, dass dies bei Auvinen der Auslöser zur Vorbereitung der Bluttat gewesen sein könnte. Laut Polizei hinterließ der Amokläufer einen Abschiedsbrief. Über den Inhalt wurde zunächst nichts bekannt.
Schlimmster Tag, den es je an finnischer Schule gab
Auvinen versuchte nach Polizeiangaben, "so viele Menschen wie irgend möglich umzubringen". Er feuerte 69 Schüsse ab und hatte nach seinem Selbstmord weitere 300 Patronen für eine kleinkalibrige Pistole bei sich. Der als überdurchschnittlich begabt geltende Jugendliche hatte außerdem brennbare Flüssigkeit in die sonst völlig friedliche Schule einer ruhigen Kleinstadt bei Helsinki mitgenommen. Offenbar wollte er auch das Schulgebäude anzünden. Sein jüngstes Opfer war 15, das älteste 51 Jahre alt.
"Das war der schlimmste Tag, den es je an einer finnischen Schule gegeben hat", schrieb die Tageszeitung "Helsingin Sanomat". Die Regierung in Helsinki ließ die öffentlichen Gebäude auf halbmast flaggen. "Aamulehti" verwies auf den sonst ruhigen Alltag für 5,2 Millionen Finnen mit ihrem weltweit seit den Pisa-Untersuchungen hoch angesehenen Schulsystem: "Niemand bei uns hätte sich im Traum vorstellen können, dass so etwas wie beim Massaker 1999 an der Columbine Highschool im US-Bundesstaat Colorado auch bei uns möglich ist."
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