Panorama

"Höchst mysteriös"Flick-Sarg in Österreich

01.12.2009, 19:46 Uhr

Nach dem Wiederauftauchen des 2008 "entführten" Sargs des Multimillonärs Friedrich Karl Flick überschlagen sich wilde Gerüchte über Lösegeldzahlungen, ein Familienkomplott und eine ungarisch-rumänische Profi-Bande.

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(Foto: AP)

Der vor über einem Jahr gestohlene und jetzt wieder aufgetauchte Sarg des Multimilliardärs Friedrich Karl Flick ist wieder in Österreich und soll sobald wie möglich seiner Familie übergeben werden. "Wir warten derzeit noch auf die endgültige Freigabe", sagte der Sprecher der Familie Flick, Jörg-Andreas Lohr. Es müsse noch geklärt werden, ob die sterblichen Überreste in dem Zinnsarg tatsächlich die des 2006 gestorbenen Großindustriellen seien, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA. Zuvor hatte es geheißen, der Sarg sei der Familie bereits übergeben worden.

Hintergründe weiter unklar

Die Hintergründe des Diebstahls waren weiter unklar. Das Bundeskriminalamt (BK) in Wien wollte sich weder zu eventuellen Lösegeldzahlungen noch zu Medienberichten über mehrere Festnahmen äußern, "um die Ermittlungen nicht zu gefährden", sagte ein BK-Sprecher.

Familie dementiert Lösegeldzahlungen

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Das Mausoleum des Industriellen am Wörthersee. (Foto: dpa)

Die Untersuchungen seien vermutlich bald abgeschlossen, hieß es. Eventuell würden bereits am Mittwoch Einzelheiten bekannt. Lohr widersprach einem Bericht der Zeitung "Österreich", die von einer hohen Lösegeldzahlung berichtete. "Eine Lösegeldzahlung hat es definitiv nicht gegeben", sagte er. Ein Insider behauptete in dem Blatt, Flicks Witwe Ingrid habe von den Sarg-Entführern mehrere Erpresser-E-Mails erhalten und sei den Forderungen nachgekommen.

Die "Bild"-Zeitung berichtet unter Berufung auf Polizeikreise, die Entführer hätten in zwei Schreiben mehr als fünf Millionen Euro Lösegeld gefordert. Die Familie sei nur zu Schein darauf eingegangen, Bei einer fingierten Geldübergabe sei die Bande dann in Budapest festgenommen worden.

"Auftragswerk" für "Profi-Bande"

Die österreichische "Kronen Zeitung" schrieb, der Raub sei "ein Auftragswerk von Familienangehörigen" gewesen, das von "einer fünfköpfigen ungarisch-rumänischen Profi-Bande" ausgeführt worden sei. Ungarische Fahnder hätten unter Mithilfe eines deutschen Detektivs die Bande ausgehoben und den Sarg sichergestellt. Hintergrund der Tat sei, dass Flick seiner Tochter bei einer Wanderung gestanden habe, er wolle in seinem Jagdrevier bei Donnersbachwald in der Steiermark begraben werden. Es gebe Mutmaßungen, wonach mit dem Diebstahl der letzte Wunsch des Vaters erfüllt werden sollte.

Lohr bezeichnete die Aussagen als "bösartiges und abwegiges Gerücht". Es ergebe auch keinen Sinn, dass Flick angeblich in Donnersbachwald begraben werden wollte, wenn sein Jagdrevier gar nicht dort, sondern auf einem benachbarten Gelände liege, erklärte der Sprecher.

Sarg in Ungarn sichergestellt

Der Sarg war am Sonntag in Ungarn sichergestellt worden. Er war samt der Leiche des Ex-Chefs des Flick-Konzerns im November 2008 von Unbekannten aus einem Mausoleum im österreichischen Bundesland Kärnten gestohlen worden. Die Täter hatten eine mehrere hundert Kilogramm schwere Granitplatte zur Seite gerückt und den Sarg wegtransportiert. Die Wiener Zeitung "Der Standard" kommentierte, der ganze Fall sei von Anfang an "höchst mysteriös" gewesen.

Der Multimilliardär war 1985 nach dem Verkauf des Flick-Firmenimperiums in das steuerlich günstigere Österreich gezogen und heiratete dort in dritter Ehe die um 30 Jahre jüngere Kärntnerin Ingrid Ragger. Flick hinterließ seiner Familie ein geschätztes Vermögen in Höhe von fünf bis sechs Milliarden Euro.

Quelle: dpa