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Kinderhilfsorganisationen warnen: Die Kälte wird für Kinder zum lebensbedrohliichen Risiko.
Kinderhilfsorganisationen warnen: Die Kälte wird für Kinder zum lebensbedrohliichen Risiko.(Foto: dpa)

"Lage auf dem Balkan verzweifelt": Flüchtlingskinder leiden unter Minusgraden

Unter Lebensgefahr machen sich Tausende Flüchtlinge derzeit auf den Weg über die Balkan-Route. Besonders Kinder leiden unter eisigen Temperaturen und anhaltendem Schneefall. Hilfsorganisationen schlagen Alarm.

Hilfsorganisationen haben wegen des kalten Winterwetters auf dem Balkan vor den Gefahren besonders für Flüchtlingskinder gewarnt. "Wir sind in einer völlig verzweifelten Lage", sagte Valetina Bollenback, Sprecherin des Hilfswerks "Save the Children". Auch das UN-Kinderhilfswerk Unicef schlug Alarm. Die eisigen Temperaturen seien eine zusätzliche Gefahr für die erschöpften Kinder.

Bollenback hielt sich im Süden Serbiens nahe der Grenze zu Mazedonien auf, wo derzeit rund 15 Zentimeter Schnee liegen. Die Flüchtlinge müssen nach ihren Angaben rund zwei Kilometer zu Fuß durch den Schnee zurücklegen, um von Mazedonien über die Grenze nach Serbien zu gelangen. Dort würden sie dann im Flüchtlingscamp von Presevo aufgenommen, wo sie zitternde Kinder mit klappernden Zähnen und blauen Lippen gesehen habe. "Die Risiken für Unterkühlungen, Lungenentzündungen und andere lebensbedrohliche Krankheiten steigen", sagte Bollenback.

Die Zelte im Lager würden zwar geheizt, auch bemühten sich die dortigen Helfer sehr darum, die Bedingungen stetig zu verbessern. Nötig seien aber noch mehr Anstrengungen, um die Flüchtlinge "würdig und menschlich" zu behandeln, sagte Bollenback.

"Lage unter Kontrolle"?

Auch das UN-Kinderhilfswerk Unicef warnte, dass Flüchtlingskinder auf dem Balkan "körperlich erschöpft, verängstigt, verstört und oft auf medizinische Hilfe angewiesen" seien. Temperaturen unter dem Gefrierpunkt sowie Schnee und Eis verschlimmerten die Lage derzeit. Eine Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks in Serbien versicherte hingegen, die Lage in Presevo sei "unter Kontrolle". Fast 7000 Flüchtlinge seien zwischen Freitag und Montag dort aufgenommen worden.

Trotz des Winterwetters versuchen derzeit täglich Tausende Menschen über den Balkan in den Norden Europas zu gelangen. Seit Jahresanfang trafen nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bereits 31.244 Flüchtlinge über das Mittelmeer auf den griechischen Inseln ein. Im Januar 2015 seien es 1472 gewesen. Nach UN-Angaben hatten im vergangenen Jahr insgesamt mehr als eine Million Menschen Europa auf dem Seeweg erreicht, die meisten von ihnen kamen in Griechenland an.

Nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) starben 3700 von ihnen bei der gefährlichen Überfahrt. Vom 1. bis zum 18. Januar verzeichnete die IOM bereits 77 Ertrunkene. MSF warf der Europäischen Union ein "katastrophales Versagen" im Umgang mit der Flüchtlingskrise vor.

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Quelle: n-tv.de

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