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Papst Franziskus wurde eine Nähe zur argentinischen Militärjunta vorgeworfen.
Papst Franziskus wurde eine Nähe zur argentinischen Militärjunta vorgeworfen.(Foto: REUTERS)

"Bin mit den Geschehnissen versöhnt": Folteropfer entlastet Papst

Fünf Monate wurde ein Jesuit in den 1970er Jahren mit verbundenen Augen und gefesselt von der argentinischen Militärregierung festgehalten. Der Vorwurf, der heutige Papst Franziskus habe Mitschuld an diesem Unrecht, wiegt schwer. Doch das nun in Deutschland lebende Opfer springt ihm bei: Er habe sich mit Bergoglio längst ausgesprochen.

Pater Franz Jalics hat keine Rechnung mit dem Papst offen.
Pater Franz Jalics hat keine Rechnung mit dem Papst offen.(Foto: dpa)

Seit der Jesuit Jorge Mario Bergoglio zum Papst gewählt wurde, interessiert sich die Weltöffentlichkeit für seine Rolle während der argentinischen Unrechtsregierung in den 1970er und 1980er Jahren. Ihm wird vorgeworfen, sich nicht ausreichend für zwei Mitbrüder eingesetzt zu haben, die sich monatelang in den Händen des Militärs befanden. Der einzige Überlebende, Pater Franz Jalics, entlastet den Papst nun von diesen Anschuldigungen. Er habe mit der Sache abgeschlossen, schreibt er auf der Website seines Ordens. Er habe Bergoglio nach seinem Martyrium "feierlich umarmt" und mit ihm gemeinsam öffentlich Messe gefeiert. Der andere damals inhaftierte Jesuit, Orlando Yorio, starb bereits vor 13 Jahren.

2005 wurde Bergoglio vorgeworfen, am Verschwinden von Jalics und Yorio beteiligt gewesen zu sein. Später hatte er die beiden aus dem Jesuitenorden ausgeschlossen, weil sie sich zu stark politisch betätigt hatten. Er begründete den Schritt damit, dass er die politische Neutralität des Ordens gewährleisten wollte.

Jalics, der heute in Deutschland lebt, beschreibt auch das Unrecht, das ihm damals angetan wurde. Er und sein Mitbruder seien "fünf Monate lang mit verbundenen Augen und gefesselt in Haft gehalten" worden. Nach seiner Befreiung habe er Argentinien verlassen und Bergoglio erst wiedergetroffen, als dieser bereits Erzbischof von Buenos Aires geworden war. Beide hätten die Vorfälle besprochen. "Ich bin mit den Geschehnissen versöhnt und betrachte sie meinerseits als abgeschlossen", schreibt er.

Weiter könne er "keine Stellung zur Rolle von P. Bergoglio in diesen Vorgängen nehmen". Papst Franziskus wünsche er nun "Gottes reichen Segen für sein Amt".

Bergoglio schloss Jalics aus

Während der Herrschaft der Militärjunta in der Zeit von 1976 bis 1983 "verschwanden" 30.000 Menschen. Dass es damals zwischen der katholischer Kirche und den Militärs Berührungspunkte gab, ist historisch gesichert. Der heutige Papst hatte damals aber noch keinen hervorgehobenen Posten in der Kirche.

Den Vorwurf der Kollaboration mit der Militärjunta wies Bergoglio immer zurück. Sein Sprecher im Vatikan, Federico Lombardi, erklärt nun: "Es hat nie glaubwürdige, konkrete Anschuldigungen gegen ihn gegeben. Die argentinische Justiz hat ihn nie angeklagt." Die Anschuldigungen seien eine Kampagne "linker antiklerikaler Elemente, um die Kirche anzugreifen".

Quelle: n-tv.de

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