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Personalmangel - um Frauenhaare konnte sich in einer Friseurfiliale in Zwickau niemand kümmern.
Personalmangel - um Frauenhaare konnte sich in einer Friseurfiliale in Zwickau niemand kümmern.(Foto: picture alliance / dpa)
Montag, 17. Juli 2017

Missverständnis führt zu Hetze: Friseur-Aushang löst Shitstorm aus

Nur noch Männer sollen nachmittags bei einem Friseur in Zwickau drankommen. Es sei dann ein syrischer Friseur da, steht auf einem Aushang. Im Internet hat das Sexismus-Vorwürfe und rassistische Kommentare en masse zur Folge. Die Friseur-Kette erklärt sich.

Ein missverständlicher Aushang in einem Zwickauer Friseursalon hat am Wochenende im Internet für Aufregung samt rassistischen Sprüchen gesorgt. Der Zettel hing an der Tür einer Klier-Filiale. Darauf war zu lesen, dass zwischen dem 10. und 15. Juli ab dem späten Nachmittag keine Frauen bedient werden. "In diesem Zeitraum haben wir einen syrischen Herrenfriseur im Salon, der ausschließlich nur Herren bedient." Dafür gebe es personalbedingte Gründe, stand auf dem Zettel.

Von dem Aushang machte eine Frau ein Foto und veröffentlichte es bei Facebook. Daraufhin wurde es tausendfach geteilt und kommentiert. Viele Nutzer beschwerten sich über Sexismus. Außerdem gab es etliche rassistische Kommentare, in denen dem syrischen Friseur unterstellt wurde, Frauen aus religiösen Motiven zu diskriminieren oder in denen gegen Zugewanderte gehetzt wurde. "Einen der Zugewanderten lasse ich nicht mit einer Schere in der Hand in die Nähe meines Kopfes! Durfte die Herrschaften Silvester in Köln erleben, und da hatte die nicht einmal ein Taschenmesser! Nein Danke!", war da zum Beispiel zu lesen.

Die Friseur-Kette Klier reagierte am Samstag mit einer Stellungnahme bei Facebook. Darin bedauerte das Unternehmen den "missverständlichen Aushang". Personalmangel hat dem Ganzen demnach zu Grunde gelegen. Dass zu einer bestimmten Zeit nur noch männliche Kunden bedient werden sollten, liege daran, dass nur noch ein Herrenfriseur anwesend war. Dieser sei in seiner syrischen Heimat "ausschließlich zum Herrenfrisör ausgebildet worden". Deshalb bediene er auch nur Herren. "Den Unterstellungen, dass es sich um eine religiös motivierte Diskriminierung von Frauen handeln würde, möchten wir entschieden widersprechen. Gleichzeitig entschuldigen wir uns ausdrücklich für das Missverständnis." Klier hat inzwischen Sicherheitsmaßnahmen für die Mitarbeiter der Filiale in Zwickau getroffen. Was das konkret bedeutet, wollte ein Unternehmenssprecher nicht sagen.

Die Diskussion ging bei Facebook auch nach der Stellungnahme der Frisör-Kette weiter. "Der Aushang war genauso gemeint, Frauen unerwünscht weil ein Syrer alleine ab 16 Uhr im Laden war! Armes Deutschland, vor 20 Jahren noch unvorstellbar gewesen, heute biste ein Nazi wenn Du was pro Deutschland sagst!", schrieb ein Nutzer. Andere kritisierten, dass überhaupt die Herkunft des Herrenfrisörs auf dem Aushang erwähnt wurde. So schrieb ein User: "Der Hinweis zum Personalmangel hätte gereicht. Wenn man dennoch mit der Herkunft der Mitarbeiter anfängt, muss man sich doch nicht wundern, wenn das bei einigen Leuten falsch ankommt."

 

Quelle: n-tv.de

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