Panorama

Koma oder sterben lassen?: Frisos Schicksal entfacht Debatte

Nach einem Lawinenunglück liegt Prinz Friso im Koma. Die Königsfamilie muss jetzt über seine Zukunft entscheiden. Der Unfall befördert auch in der Bundesrepublik eine Debatte über Rehabilitation und Sterbehilfe. Viel zu früh, findet die Deutsche Hospiz Stiftung.

Prinz Friso erlitt bei dem Lawinenunfall einen schweren Hirnschaden
Prinz Friso erlitt bei dem Lawinenunfall einen schweren Hirnschaden(Foto: picture alliance / dpa)

Auch zwei Wochen nach seinem Lawinenunglück bewegt das Schicksal von Prinz Johan Friso die Niederländer. Nach dem ersten Schock über seinen schweren Komazustand müssen seine Frau, Prinzessin Mabel, und die Königsfamilie sich über die Zukunft des im Volk beliebten Friso Gedanken machen. Eine Entscheidung, die auch in Deutschland viele Familien treffen müssen. Tausende Menschen liegen in der Bundesrepublik im Wachkoma, wie Sterberechts-Experte Wolfgang Putz schätzt. Oft viele Jahre, manchmal jahrzehntelang. "Und obwohl die Rechtslage inzwischen eindeutig ist, müssen viele Patienten gegen ihren eigentlichen Willen weiterleben."

Der Anwalt kämpft nach eigenen Worten gegen "selbst ernannte Lebensschützer" und weit verbreitete rechtliche Fehlinformationen. "Immer noch glauben viele, dass das Beenden einer Beatmung oder Ernährung strafbar sei. Was falsch ist."

Passive Sterbehilfe in Deutschland zulässig

Entscheidend seien nach deutschem Recht vielmehr zwei Punkte: "Zunächst muss der Arzt entscheiden, ob er noch eine Rechtfertigung dafür hat, den Koma-Patienten mit Maschinen am Sterben zu hindern." Falls nein, entscheide der frühere Wille des Patienten. Ganz gleich, ob dieser kurz vor Beginn des Komas formuliert worden sei oder vor vielen Jahren.

Wer eine Patientenverfügung ausfüllt, kann sicherstellen, dass er nicht gegen seinen Willen am Leben gehalten wird.
Wer eine Patientenverfügung ausfüllt, kann sicherstellen, dass er nicht gegen seinen Willen am Leben gehalten wird.(Foto: picture alliance / dpa)

Unerheblich ist dem Experten zufolge, ob der Patient den Sterbewillen für den Koma-Fall in einer Patientenverfügung festgehalten oder nur ausgesprochen hat: "Das Recht stellt das gleich."

Bezogen auf den Fall Friso regt sich in Deutschland indes Kritik, dass überhaupt eine Debatte über Sterbehilfe im Gange ist. "Dass schon wenige Tage nach dem Unfall von Prinz Friso die Frage der Sterbehilfe für ihn öffentlich diskutiert wird, ist entsetzlich", sagt Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Hospiz Stiftung. Der Prinz habe zuallererst ein Anrecht auf Therapie und Fürsorge, sagte er. Friso müsse nun erstmal Zeit zur Rehabilitation gegeben werden, bevor über Sterbehilfe diskutiert werde.

Der Prinz wurde am Donnerstag  von Österreich Prinz Friso nach London verlegt geflogen. Man werde versuchen, mit der Rehabilitation zu beginnen, teilte das Königshaus mit. Friso werde optimal versorgt. Doch der Arzt: Reanimation war richtig . Der 43-Jährige bleibt womöglich lebenslang im Koma.

Der Sauerstoffmangel habe das Gehirn schwer geschädigt, teilten seine österreichischen Ärzte mit. Eine Lawine hatte ihn beim Skifahren nahe Lech am Arlberg verschüttet. Selbst wenn er aus dem Koma aufwachen würde, werde seine Wiedereingliederung viele Monate dauern, wenn nicht gar Jahre, sagten die Ärzte.

Die Londoner Privatklinik, in der jetzt der niederländische Prinz liegt, will den Komapatienten streng schützen. "Die Privatsphäre des Patienten hat allerhöchste Priorität", sagte ein Sprecher des Wellington Hospitals. Man bestätige lediglich, dass er in dem Krankenhaus behandelt werde. Ansonsten erörtere man grundsätzlich keinerlei Fragen zu Patienten.

Gehirn regeneriert sich nicht mehr

Die einzige Reha-Klinik der Niederlande, das "Leijpark"-Klinikum in Tilburg, ist auf jüngere Patienten spezialisiert und behandelt nur Patienten, die jünger als 25 Jahre sind. Vincent Buitendijk von der Klinikverwaltung "Libra Zorggroup" erklärt, warum: Das Gehirn höre ab dem Alter von 25 Jahren auf, sich zu entwickeln. Es gebe dann auch keine Regeneration von Gehirnzellen mehr, sagte Buitendijk der Nachrichtenseite "nu.nl".

Frisos Frau Mabel und der Rest der Familie müssen sich mit der schwierigen Entscheidung befassen, ob lebenserhaltende Geräte abgeschaltet werden sollen, falls die Behandlung keine Wirkung zeigt. Für die Königsfamilie wäre diese Entscheidung aufgrund ihres besonderen Status in der Öffentlichkeit wohl noch schwieriger als sie eh schon ist, meinen Beobachter.

Passive Sterbehilfe, der Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen, ist in Großbritannien und den Niederlanden möglich. In den Niederlanden dürfen Ärzte lebensverlängernde Maßnahmen aussetzen, wenn sie überzeugt sind, dass ein Hirntod vorliegt. Wird ein Patient künstlich beatmet, dann tritt der Tod bald ein. In England dagegen brauchen Ärzte nach Angaben der britischen Medizinervereinigung BMA die ausdrückliche Genehmigung der Familie des Patienten.

Quelle: n-tv.de

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