Freitag, 09. April 2010
Neue Vorwürfe, Reise abgesagt: Für Bischof Mixa wird es eng
Der Augsburger Bischof Walter Mixa beteuert, niemals körperliche Gewalt gegen Kinder erhoben zu haben. Dennoch tauchen immer wieder neue Vorwürfe auf. Ein weiteres ehemaliges Heimkind berichtet von Stockschlägen aufs Gesäß.
Bischof Mixa ist "zutiefst erschüttert über die Anschuldigungen".
(Foto: REUTERS)
Der Augsburger Bischof Walter Mixa gerät immer stärker in die Defensive. In der "Süddeutschen Zeitung" wirft ein weiteres ehemaliges Heimkind des katholischen Kinderheimes in Schrobenhausen nahe Ingolstadt Mixa vor, es in den 70er und 80er Jahren geschlagen zu haben. Das Bistum forderte das Blatt auf, die eidesstattlichen Versicherungen mit den Vorwürfen offen zu legen.
Die heute 41-jährige Frau wird in der "Süddeutschen Zeitung" mit der Aussage zitiert, sie sei "zweimal von Herrn Mixa mit dem Stock geschlagen" worden. "Ich musste die Hose runter ziehen, mich über die Badewanne beugen und bekam dann fünf bis sieben Schläge auf das Gesäß", sagte die Frau, die von 1975 bis 1985 in dem Heim lebte. Mixa sei damals als Stadtpfarrer regelmäßig in das Heim gekommen und habe dort oft die Kinder geschlagen. Die 41-Jährige, die nicht namentlich genannt werden wollte, ist den Angaben zufolge bereit, dies wie auch weitere sechs ehemalige Heimkinder unter Eid vor Gericht zu bezeugen.
Zuvor hatten bereits andere ehemalige Heimkinder schwere Anschuldigungen gegen Mixa erhoben und erklärt, dieser habe sie in den 70er und 80er Jahren während seiner Zeit als Pfarrer im Kinder- und Jugendhilfezentrum St. Josef in Schrobenhausen geschlagen. Mixa hatte sich vor einer Woche "zutiefst erschüttert über die Anschuldigungen" gegen ihn gezeigt. Er habe "zu keiner Zeit gegen Kinder und Jugendliche körperliche Gewalt in irgendeiner Form angewandt", sagte der Bischof, der auch katholischer Militärbischof ist.
Mixa sagt Afghanistan-Reise ab
Einen für die kommende Woche geplanten Besuch bei der Bundeswehr in Afghanistan sagte Mixa ab. Über die Gründe für die Absage gab es unterschiedliche Darstellungen. Wegen wichtiger Aufgaben in seiner Diözese könne Mixa die Reise nicht antreten, er wolle sie aber nachholen, sagte eine Sprecherin des Militärbischofsamts in Berlin. Dagegen betonte ein Sprecher des Bistums Augsburg, die Reise müsse "wegen organisatorischer Schwierigkeiten bei der Durchführung des Besuchs in Afghanistan" verschoben werden. Dafür habe es bereits vor der Karwoche Hinweise gegeben. Er betonte, dass es keinen Zusammenhang mit den aktuellen Anschuldigungen gegen Mixa gebe. Der Bischof wolle die Reise nachholen.
Den mutmaßlichen Betroffenen bot Mixa erneut das persönliche Gespräch an. Wer nicht mit ihm selbst reden wolle, solle über seine Anschuldigungen mit dem externen Beauftragten der Diözese, dem ehemaligen Münchner Richter Otto Kocherscheidt sprechen, sagte Mixa nach Angaben seines Sprechers. "Ich möchte in dieser Angelegenheit die Vorwürfe geklärt haben", sagte Mixa laut Mitteilung. Das Bistum rief die mutmaßlichen Betroffenen auf, sich auch gegenüber dem Bistum zu erkennen zu geben.
Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums warnte indes vor Vorverurteilungen des Militärbischofs. Es werde einen Zeitpunkt geben, an dem man die Dinge beurteilen könne. "Dieser Zeitpunkt ist noch nicht gekommen", sagte der Sprecher am Freitag in Berlin. Auf die Frage, ob Mixa das uneingeschränkte Vertrauen des Verteidigungsministers habe, sagte er, Aussagen würden erst gemacht, wenn es eine "verlässliche Basis" gebe.
AFP/dpa
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