Panorama

"Arabische Welt ist ganz wild": Gaddafi-Videoclip wird zum Hit

Ein Videoclip mit Libyens Staatschef Gaddafi wird zu einem neuen Renner im Internet. "Zenga, zenga", ruft dabei der Diktator, während in zwei Fenstern neben ihm kaum bekleidete Models tanzen. Inzwischen gibt es das Lied als Klingelton, manche Libyer wollen es nach einem Sturz Gaddafis auf dem Marktplatz in Tripolis spielen.

Das Wort "Zenga" erinnert an den arabischen Begriff für Gasse. 
Das Wort "Zenga" erinnert an den arabischen Begriff für Gasse. (Foto: Reuters)

Libyens Staatschef Gaddafi ist  bei Youtube zu einem neuen Renner geworden. "Zenga, zenga", ruft dabei der Diktator in einem Videoclip und fuchtelt mit den Armen. Neben ihm sieht man in kleinen Fenstern zwei junge Frauen rhythmisch im Bikini mit dem Po wackeln. Dabei kündigt Gaddafi an,  wie er sein Land von Aufständischen säubern wolle: "Von Haus zu Haus, von Wohnung zu Wohnung, von Gasse zu Gasse".  Die Sprüche wiederholen sich in dem Clip wie ein Refrain. Untermalt ist die Parodie mit dem Hip-Hop-Song "Hey Babe".

Der israelische Musiker Noy Alouche, der sich Ganze eigentlich als "einen netten Witz" ausgedacht hatte, ist nun ganz überrascht von den Reaktionen darauf. "Die arabische Welt ist ganz wild auf den Song", sagte er dem 2. Kanal des israelischen Fernsehens. Das Lied wurde bei Youtube in seiner Originalversion mit den tanzenden Models seit dem 22. Februar fast drei Millionen Mal angeklickt. Wegen Beschwerden der Zuschauer hat Alouche auch eine "gesäuberte Version" ohne die Tänzerinnen hochgeladen. Diese neue züchtigere Version wurde ebenfalls schon hunderttausende Mal angeschaut.

Eine israelische Firma, die Klingeltöne für Handys in der arabischen Welt verbreitet, griff "Zenga, Zenga" auf und verbreitet den Song nun über Twitter. Wie verschiedene arabische Medien melden, ist das Lied schon zu einer Art Schlachtruf der Opposition in Libyen geworden. Der Clip wurde von mehreren libyschen Websites übernommen. Andere arabische Medien griffen die Parodie auf, um zu zeigen, wie die Libyer inzwischen alle Angst verloren hätten und fähig seien, sich über ihren Diktator lustig zu machen. Zugleich debattieren die arabischen Internetbenutzer nun, ob es "erlaubt" sei, sich israelischen Humors zu bedienen.

Viele E-Mails aus arabischer Welt

Der 31 Jahre alte Alouche, der Mitglied der israelischen Techno-Band "Chovevey Zion" (Liebhaber Zions) ist, erhält inzwischen E-Mails aus Bahrein, Irak, Ägypten und Libyen erhalten. "Die wenigsten ahnten, dass ich Israeli und Jude bin", sagte Alouche der Zeitung "Jedijot Achronot". Die widmete dem Song und seiner Wirkung gleich eine ganze Doppelseite. Als sich jedoch herumgesprochen hatte, woher der populäre Clip kam, kippte nach Angaben von Alouche teilweise die Stimmung. Der israelische Musiker erhielt Beschimpfungen und manche Araber behaupteten nun, dass das ganze eine israelische Verschwörung sei, um die arabische Welt zu spalten. "Einige beschimpften mich mit den Worten: Tod den Israelis. Das war dann doch etwas frustrierend", sagte Alouche. Auch Morddrohungen erhielt der Musiker.

Auf die Frage nach seinen Zukunftsplänen antwortete Alouche, dass er ein Lied mit dem Titel "Bonga, Bonga" über Berlusconi schreiben könne. Alouche stammt übrigens aus Tunesien, schaffte es aber nicht, rechtzeitig die Hymne für den Aufstand in seinem alten Heimatland zu schreiben. Das gelang ihm nun für Libyen.

Libyer schreiben nun offenbar Alouche, dass sie das Lied auf dem Marktplatz in Tripolis spielen wollten, sowie Gaddafi verschwunden sei. Dazu Alouche: "Mich ängstigt, denn was passiert, wenn Gaddafi bleibt und dann anfängt, mich zu suchen?"

Ulrich W. Sahm

Der Nahe Osten ist sein Metier. Ulrich W. Sahm berichtet seit Mitte der 1970er Jahre aus der Region. Er ist immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der Nachricht.

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Quelle: n-tv.de

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