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(Foto: dapd)

Mehl statt Bombe: Geiselgangster plagen Schulden

Nach dem unblutigen Ende einer Geiselnahme in Berlin-Zehlendorf wissen die Ermittler mehr über Tat und Täter. So steht das mutmaßliche Motiv fest - der Wolfsburger, der stets "anständig" mit seiner Geisel umgeht, ist überschuldet. Zudem ist nun klar: Eine Gefahr strahlt seine "Bombe" zu keinem Zeitpunkt aus.

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Der Geiselnehmer von Berlin-Zehlendorf hat keine gefährlichen Waffen mit sich geführt. Das teilten die Polizei und Oberstaatsanwalt Jörg Raupach mit. Demnach soll in der blauen Sporttasche, die er mit sich trug, nicht wie angedroht eine Bombe gewesen sein. Stattdessen sei sie mit drei Kilogramm Mehl gefüllt gewesen. Die Pistole, die er mit sich führte, sei eine Schreckschusswaffe gewesen.

Zudem gaben die Ermittler nähere Details über den Täter bekannt. So handele es sich bei dem festgenommenen Mann um einen 29-jährigen Wolfsburger. Er habe die Tat offenbar erst am Vortag geplant. "Er hat sich vorher nicht so richtig viele Gedanken gemacht", sagte  Einsatzleiter Jochen Sindberg. Als Motiv gaben die Ermittler an, dass der vermutlich verschuldete Mann seine finanzielle Situation verbessern wollte.

Während der fast zehn Stunden bis zur Aufgabe habe der Mann seine Geisel "sehr anständig" behandelt, sagte Sindberg. Er habe stets betont, dass er dem Mann nichts antun wolle. Der als Geisel genommene Bankangestellte sei "relativ gefasst  und stabil" und werde psychologisch betreut.

Täter erhöht Lösegeldsumme sukzessive

Der Täter hatte am Freitagnachmittag bei einem Banküberfall im Berliner Stadtteil Zehlendorf einen 40 Jahre alten Bankangestellten in seine Gewalt gebracht. Er täuschte zunächst eine Kontoeröffnung vor, zeigte dann seine Pistole und forderte 100.000 Euro.

Doch es kam anders: Der Bankmitarbeiter reagierte geistesgegenwärtig und rief den Filialleiter an, da er das bei solchen Summen tun müsse. Dieser rief die Polizei an und alarmierte die übrigen Bankmitarbeiter, die das Gebäude daraufhin verließen. Als der Täter erkannte, dass die Polizei umgehend eingeschaltet worden war, forderte er zügig erst eine halbe Million Euro und dann eine Million für die Freilassung des 40-Jährigen.

Erst nach langen Verhandlungen mit der Polizei ließ er gegen 1.30 Uhr am frühen Samstag sein Opfer frei und ließ sich dann widerstandslos festnehmen. "Er hatte gedacht, er würde genügend Druck in der Bank aufbauen können, um dann mit einer erklecklichen Summe das Gebäude zu verlassen", schilderte der Einsatzleiter aus der späteren Aussage des Festgenommenen.

Noch am Samstag soll gegen den Mann ein Haftbefehl ergehen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft muss er mit einer Anklage wegen erpresserischen Menschenraubs  rechnen. Darauf stehen mindestens fünf Jahre Haft.

Quelle: n-tv.de

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