Panorama
Bis zu zehn Prozent ihrer Umsätze müssen die Clubs ab April an die Gema zahlen.
Bis zu zehn Prozent ihrer Umsätze müssen die Clubs ab April an die Gema zahlen.(Foto: dapd)

Clubszene sieht sich am Ende: Gema will Reform durchpauken

Von Britta Bauchmüller

Die Clubszene fürchtet das Aus für viele Diskotheken, wenn die Gema wie geplant ihr Tarifsystem reformiert. In Berlin und in anderen deutschen Städten demonstrieren Clubbesitzer, Musiker und Verbände gegen die Reform. Die Gema verteidigt ihre Pläne, die Clubs hätten bisher mehr "für Toilettenpapier als für Musik gezahlt".

Die Gema möchte ihre Tarife für Clubs und Diskotheken ändern – und stößt damit nach wie vor auf Widerstand. In Berlin verhärten sich die Fronten: Während sich vor der Gema-Bezirksregierung Demonstranten aus der Clubszene versammeln, macht sich die Gema selbst wenige Meter weiter für die geplante Tarifänderung stark. "Die Clubs haben in der Vergangenheit zu wenig gezahlt", sagt Martin Schweda, Bezirksdirektor in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. "Als wir die neuen Gebühren aufgesetzt haben, war uns bewusst, dass es für sie teurer wird." Die Gema schützt als Verwertungsgesellschaft für Musik die Urheberrechte von Komponisten, Textern und Musikern.

Die Reform sieht Änderungen für Diskotheken und für alle Veranstaltungen vor, auf denen Musik gespielt wird. In diesem Bereich werden jährlich Gebühren von etwa 6 Millionen Euro ausgeschüttet. Die neue Regelung gilt ab dem 1. April 2013 und soll vor allem mehr Transparenz bringen: Statt elf verschiedener Tarife soll es nur noch zwei geben, einen Mindestsatz für Veranstaltungen mit niedrigem Eintritt unter 2 Euro und einen normalen Satz. Die Höhe der Gebühr wird nach den Eintrittsgeldern und der Fläche des Veranstaltungsraums berechnet. Kein Club soll mehr als zehn Prozent seiner Eintrittsgelder an die Gema zahlen müssen.

Teuer wird es für Clubs und Diskotheken

Im April hatte die Gema ihre Pläne öffentlich gemacht, zurzeit läuft noch das Schiedsstellenverfahren beim Deutschen Patent- und Markenamt. Im Juni war es bereits zu ersten Demonstrationen in Berlin gekommen. Nun sollen laut Ankündigungen der Initiative "Fairplay" auf Facebook Menschen in zehn deutschen Städten für die Clubszene auf die Straßen gehen, unter anderem in Hamburg, München, Stuttgart, Frankfurt und Berlin. Dabei sind vor allem Diskothekenbesitzer und Musiker.

Protestaktion in Berlin gegen die geplante Gebührenerhöhung durch die Gema.
Protestaktion in Berlin gegen die geplante Gebührenerhöhung durch die Gema.(Foto: dpa)

"Die Reform betrifft nicht nur die Clubs, sondern jährlich 1,5 Millionen Veranstaltungen", erklärt Schweda, "da sind die 3000 Dancefloors eben eine Minderheit." Die neue Regelung greift auch für Privatveranstaltungen, Volks- und Sportfeste. Für 60 Prozent der Veranstaltungen komme es nicht zu höheren Beiträgen, erklärt Schweda. Teurer werde es aber für die 500.000 regelmäßigen Veranstaltungen, also vor allem für die Clubs und Diskotheken.

Nach Verhandlungen mit dem Bund Deutscher Karneval hat die Gema einige Punkte ihres Plans bereits leicht verändert. Neu sind etwa Nachlässe von 15 Prozent für alle sozialen, religiösen und kulturellen Veranstaltungen, die keine kommerziellen Ziele verfolgen. Für alle Clubs, die über 10 Euro Eintritt verlangen und somit sehr hohe Gebühren zahlen müssen, gilt nun eine fünfjährige Schonfrist, in der sie die Gebühren anpassen müssen. Zuschläge sollte es vorher für Musik vom Laptop geben und für alle Partys, die länger als fünf Stunden gehen. Diese Grenze wurde nun auf acht Stunden verschoben.

5000 Demonstranten in Berlin

Die Betreiber der Clubs und Diskotheken sehen sich wegen der Reformpläne in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht. Einige Clubs kündigten schon an, sie müssten schließen, sollte die Gema ihre Pläne umsetzen können. Die Medien berichteten bereits vom Ende des Clubs Berghain. Momentan zahle sie pro Jahr etwa 16.000 Euro an die Gema, sagte die Betreiberin des KitKatClubs, Kirsten Krüger. Nach der Reform wären es 228.000 Euro, was für den KitKatClub das Ende bedeuten würde. "Das Letzte, was wir wollen, ist, dass Clubs schließen müssen", sagt Ursula Goebel, Leiterin der Kommunikation der Gema. "Aber wir glauben nicht, dass das passieren wird."

Dass die Menschen für Musik auf die Straße gehen, findet Goebel einerseits gut, andererseits kritisiert sie, die Gegenseite würde nicht mit fairen Mitteln kämpfen. Mit extremen Rechenbeispielen hatten einige Clubbesitzer für Aufmerksamkeit gesorgt. Das Berghain etwa hatte in Umlauf gebracht, es müsse nach der Reform 300.000 statt 30.000 Euro im Jahr an die Gema zahlen. Schweda bezweifelt die Zahl. "Wenn das Berghain 300.000 Euro zahlen müsste, würde das wegen der Zehn-Prozent-Regel bedeuten, dass es 3 Millionen Euro im Jahr nur über den Eintritt umsetzt." Er zitiert eine Studie, nach der die Berliner Clubs nur 17 Prozent ihres Gesamtumsatzes über den Eintritt macht. "Dann würde das Berghain etwa 15 Millionen Euro umsetzen – da machen 300.000 Euro wohl nichts aus."

Gema ist bereit für Kompromisse

Es könne nicht sein, dass die Clubs mehr für das Toilettenpapier ausgeben, als für die Musik, findet Goebel. Schließlich sei die Musik gerade für die Clubs entscheidend. "Wenn ich weggehe, entscheide ich mich für einen Club vorrangig wegen der Musik", sagt Goebel. "Das Bier schmeckt überall gleich." Nach wie vor sieht die Gema es für gerecht an, dass gerade die Clubs mehr zahlen müssen. Sie würden schließlich auch den größten kommerziellen Mehrwert aus der Musik ziehen.

Ende des Monats will sich die Gema mit Vertretern der LiveKomm treffen, einem Verband, der vorrangig kleinere Clubs vertritt. Da werde die Reform diskutiert und über Änderungen verhandelt. Der Bundesverband deutscher Diskotheken und Tanzbetriebe (BDT), ein Zusammenschluss vor allem von größeren, kommerzielleren Clubs, weigert sich dagegen nach wie vor, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Gema-Bezirksleiter Schweda bedauert das, "wir sind bereit, über Probleme zu sprechen und Kompromisse einzugehen", sagt er.

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen