Schweinegrippe in SpanienGesunde Frau stirbt an H1N1
Der erste Todesfall durch die Schweinegrippe auf Mallorca ist ungewöhnlicher als bislang bekannt. Vor ihrer Infektion mit dem neuartigen Virus war sie offenbar kerngesund und das Virus außerordentlich aggressiv. Experten warnten unterdessen davor, dass die Schweinegrippe gefährlicher werden könnte.
Der Tod einer jungen Frau durch die Schweinegrippe auf der Ferieninsel Mallorca bereitet den spanischen Behörden große Sorgen. Bei der Nigerianerin sei das H1N1-Virus außerordentlich aggressiv gewesen, sagte Gesundheitsministerin Trinidad Jiménez.
"Wir sind sehr beunruhigt, denn bei bisherigen schweren Fällen war die Infektion durch andere zusätzliche Krankheiten verschlimmert worden." Dies traf bei der Nigerianerin nach jetzigem Kenntnisstand aber nicht zu. "Sie war eine junge und gesunde Frau." Auf die Behandlung mit Antiviren- Medikamenten habe sie dennoch nicht reagiert. Ihr Tod sei deshalb der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als außergewöhnlicher Fall gemeldet worden.
Die Nigerianerin ist das erste Todesopfer der Schweinegrippe auf der spanischen Ferieninsel. Nach der Infektion mit dem H1N1-Virus habe sie eine Lungenentzündung erlitten, hieß es. Auch der balearische Gesundheitsminister Vicenç Thomàs sagte, sie sei vorher offenbar kerngesund gewesen. Sie war demnach lediglich etwas übergewichtig.
Nigerianerin war möglicherweise jünger
Die in Madrid lebende Frau hatte einige Tage bei einer Freundin auf Mallorca verbracht. Am vergangenen Freitag war sie mit Atembeschwerden und Fieber zum Arzt gegangen. Dieser verschrieb ihr Medikamente für eine gewöhnliche Grippe und schickte sie nach Hause. Am Sonntag hatte sich ihr Zustand aber so verschlechtert, dass sie ins Krankenhaus gebracht wurde. Sie kam auf die Intensivstation und musste künstlich beatmet werden.
Das Gesundheitsministerium in Madrid gab ihr Alter mit 33 Jahren an. Laut mallorquinischen Medien könnte die Frau aber weitaus jünger gewesen sein, da sie möglicherweise mit der Versichertenkarte einen anderen Person zum Arzt gegangen sei. In Spanien sind bislang vier Menschen an der Schweinegrippe gestorben. Insgesamt wurden rund 1200 Fälle bestätigt, zwölf davon auf den Balearen. Gesundheitsministerin Jiménez warnte jedoch vor Hysterie:Jedes Jahr stürben rund 8000 Menschen direkt oder indirekt an der gewöhnlichen Grippe. Bei der Schweinegrippe könnte es daher ähnlich sein.
Experten: Grippe kann gefährlicher werden
Nach Erkenntnissen der Deutschen Nationalakademie kann der Schweinegrippe-Erreger für den Menschen noch gefährlicher werden als er derzeit ist. "Das Virus scheint sein Potenzial, was Gefährlichkeit und Anpassung an den Menschen angeht, noch nicht voll ausgeschöpft zu haben", sagte der Marburger Virologie-Professor Hans-Dieter Klenk der Nachrichtenagentur dpa.
Eine stärkere Anpassung würde zur Folge haben, dass das H1N1-Virus leichter von Mensch zu Mensch übertragbar wäre. Klenk gehört zur Sektion Mikrobiologie und Immunologie der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle, die eine Stellungnahme zur Schweinegrippe abgab.
Kein Schutz durch "normale" Impfung
"Besonders dringlich ist die Entwicklung von pandemischen Impfstoffen, die innerhalb der nächsten Monate in großen Mengen zur Verfügung gestellt werden müssen", heißt es darin. Zum Plan Deutschlands, zunächst rund 25 Millionen Menschen zur freiwilligen Schweinegrippe-Impfung aufzurufen, sagte der Virologe: "Das ist sicher eine Maßnahme, die sinnvoll ist. Wünschenswert wäre aber, dass man einen noch größeren Prozentsatz der Bevölkerung impft."
Allerdings müsse man realistisch sein, denn dafür seien die Kapazitäten der Impfstoffproduzenten nicht groß genug. "Es gibt in Deutschland zwei Impfstoffhersteller, und diese müssen auch das Ausland beliefern", sagte der Professor. Fest stehe, dass die "normale" Grippe-Impfung keinen Schutz gegen die Schweinegrippe biete.
Massenimpfung kostet zwei Milliarden Euro
Die Bundesregierung hatte bereits angekündigt, ab Herbst zunächst etwa 22,5 Millionen Bürger gegen die Schweinegrippe impfen zu lassen. Die geplante Massenimpfung für die gesamte Bevölkerung wird bei zwei Impfungen pro Person bis zu zwei Milliarden Euro kosten, teilte der Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums Klaus Vater mit. "Das wird von den Krankenkassen bezahlt werden."
Die Krankenkassen bestimmen und benachrichtigen zunächst die Versicherten, die zuerst geimpft werden sollen. Das geht aus dem Verordnungsentwurf hervor, der der Deutschen Presse- Agentur dpa vorlag.
Neben Personen, die im Gesundheits- und Sicherheitsbereich arbeiten, sollen zunächst Risikogruppen geimpft werden. Dazu gehören Patienten mit chronischen Krankheiten der Atmungsorgane, chronischen Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenkrankheiten, Diabetes und anderen Stoffwechselkrankheiten, schwerer Fettleibigkeit, Multipler Sklerose, angeborenen oder erworbenen Immundefekten und HIV-Infektion sowie Schwangere. Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) sind bislang insgesamt 834 Scheinegrippefälle gemeldet; die meisten Fälle verliefen mild.