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85 Millionen Menschen betroffen: Gewaltiger Blizzard erreicht US-Ostküste

Sie nennen ihn Monster-Sturm, Killer-Sturm oder XXL-Blizzard: Was da auf die Ostküste der USA zugerollt kommt, darf man getrost als "weiße Wand" bezeichnen. Die US-Bürger bunkern Lebensmittel und schauen ängstlich auf die ersten Flocken.

Die Ostküste der USA rüstet sich für den möglicherweise schwersten Schneesturm seit vielen Jahrzehnten. Bis zu 85 Millionen Menschen in 19 Bundesstaaten sind aktuell von heftigen Schneefällen und starken Winden betroffen. Die Meteorologen des Nationalen Wetterdienstes warnen ebenso wie die Behörden: "Bereiten Sie sich ausreichend auf den Blizzard vor, es besteht Lebensgefahr." Bei bisherigen schweren Schneestürmen in vergangenen Jahren in den USA hatte es immer wieder Tote gegeben. Es werde knapp ein Meter Schnee erwartet.

Das gefährdete Gebiet ist gewaltig groß
Das gefährdete Gebiet ist gewaltig groß(Foto: AP)

Die Schneefälle, die um 13.00 Uhr (Ortszeit) einsetzten, sollen 36 Stunden lang anhalten. Damit könnte der bisherige Rekord aus dem Jahr 1922 gebrochen werden. "Bleibt zu Hause, bleibt weg von den Straßen", rief Washingtons Bürgermeisterin Muriel Bowser die Menschen in der Hauptstadt auf, wo laut Meteorologen das Zentrum des Schneesturms liegen soll. Rund um Washington werde es nur "äußerst begrenzt, wenn nicht unmöglich sein", sich per Auto fortzubewegen. Der Schnee werde "nass und schwer" sein, sagte Bowser. Deshalb gelten ihre Sorgen vor allem den überirdisch verlaufenden Stromleitungen. Sollten Masten unter dem Gewicht einknicken, könnten Zehntausende in der Hauptstadt ohne Strom sein, schlimmstenfalls droht sogar ein Blackout. "Ich habe mein ganzes Leben in DC gelebt und ich weiß nicht, ob ich eine solche Vorhersage schon einmal erlebt habe", sagte Bowser.

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Im Bundesstaat North Carolina hatte das Schneechaos bereits am Morgen begonnen. Es ging Regen nieder, der auf den Straßen sofort gefror. Allein in North Carolina wurden acht Millionen Liter Salzlösung auf die Straßen aufgebracht. Wie North Carolina haben auch mehrere weitere Bundesstaaten, darunter Virginia, Maryland sowie die Hauptstadt Washington den Notstand ausgerufen, noch bevor es schneite. Dabei handelt es sich um einen vorbeugenden Schritt, um leichter an staatliche Gelder und Unterstützung zu kommen.

Die Schulen in der Hauptstadt blieben bereits am Freitag geschlossen, der Verkehr von Bussen und U-Bahnen wurde für das Wochenende eingestellt. "Das ist kein Sturm, den man auf die leichte Schulter nehmen sollte", erklärte der Chef der Washingtoner Verkehrsbetriebe, Paul Wiedefeld. "Ich rufe alle Bewohner auf, sich an einen sicheren Ort zu begeben, noch bevor der Sturm aufzieht." Auch die Gouverneure der angrenzenden Bundesstaaten Maryland und Virginia riefen angesichts des drohenden Blizzards den Notstand aus.

Tausende Flüge fallen aus

Viele Reisende sind bereits gestrandet, wie hier auf dem Miami International Airport.
Viele Reisende sind bereits gestrandet, wie hier auf dem Miami International Airport.(Foto: AP)

Die Fluggesellschaften strichen für Freitag und Samstag mehr als 4500 Flüge, wie die Website flightaware.com meldete. Der Bahnbetreiber Amtrak kündigte an, den Fahrplan zwischen Virginia und Boston auszudünnen. Nach Einschätzung von NWS-Chef Louis Uccellini könnten mehr als 50 Millionen Menschen von dem Winterwetter betroffen sein.

Auch die Lufthansa sagte bis zum Sonntag insgesamt 20 Flüge in die Region ab. Es geht um Verbindungen von und nach New York, Washington, Philadelphia und Charlotte, wie eine Sprecherin der Fluggesellschaft mitteilte. Allein auf diesen Strecken seien 3700 Passagiere betroffen, die von Frankfurt/Main, München oder Düsseldorf in die USA losfliegen - oder von dort eintreffen wollten.

Die Bewohner von Washington bereiteten sich mit Großeinkäufen auf den drohenden Blizzard vor. US-Präsident Barack Obama hat für die kommenden Tage keine Reisen geplant. "Meine Vermutung ist, dass er angenehm warm im Weißen Haus bleiben wird", sagte sein Sprecher Josh Earnest.

Straßen schon jetzt eisglatt

Einen Vorgeschmack auf den Sturm hatten Washingtons Einwohner bereits am späten Mittwoch bekommen, als erste Schneegestöber und Glatteis für Chaos auf den Straßen sorgten. Die Polizei von Virginia musste knapp 770 Mal wegen Unfällen ausrücken und knapp 400 steckengebliebenen Fahrzeugen helfen. Obamas Konvoi brauchte auf den eisglatten Straßen vom Luftwaffenstützpunkt Andrews bis zum Weißen Haus über eine Stunde - statt der üblichen 20 bis 25 Minuten.

Bisher hatte an der US-Küste ein ungewöhnlich warmer Winter geherrscht: Noch an Weihnachten genossen die Menschen in Washington oder New York in T-Shirts und in Straßencafés die Wintersonne.

Quelle: n-tv.de

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