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Teil des gefundenen Goldes der Thraker.
Teil des gefundenen Goldes der Thraker.(Foto: REUTERS)

Wege aus der Armut?: Goldfieber treibt Bulgaren an die Flüsse

Noch heute fasziniert der Goldschatz der Thraker die Welt; die vor rund 2000 Jahren aufwändig geschmiedeten Artefakte zeugen vom Goldreichtum einer Region, die heute von Armut geprägt ist: Bulgarien. Der Glanz des Metalls lockt nun wieder Hunderte dort an die Flüsse.

Rund ein Dutzend Männer und Frauen steht knietief im eiskalten Wasser des Flusses Tundscha und durchsucht mit ihren farbigen Goldsieben sorgfältig den Flusskies. "Dieser Ort muss reich an Gold sein, wenn die Thraker ihn zu ihrer Hauptstadt gemacht haben", sagt Milka Ganewa beschwörend. Jedes Wochenende hofft die 59-Jährige und ihr Mann beim Schürfen in der Umgebung des Koprinka-Dammes auf den großen Fund - denn versunken in den riesigen Stausee aus kommunistischen Zeiten liegen die Ruinen von Seuthopolis, der Residenzstadt der Thraker.

"Das Gold war immer schon da", ist der Vorsitzende des Goldwäscher-Verbandes, Kiril Stamenow, überzeugt. "Es ist kein Zufall, dass das Gebiet des heutigen Bulgariens die Wiege der thrakischen Zivilisation war". "Der Glanz des Goldes zieht heute wieder die Leute an, vor allem in einem armen Land", erzählt Stamenow. Die Einführungskurse für Goldsucher seien voll, es kämen Leute aus allen Gesellschaftsschichten.

"Dieser Adrenalin-Stoß, wenn etwas glitzert"

Einem Regierungsbericht vom August zufolge sind alle bulgarischen Flüsse goldhaltig: Die erodierenden Quarzadern in den Felsen setzen regelmäßig Goldsplitter frei. Aber nur in der Goldmine von Tschelopetsch lohnt sich der industrielle Abbau. Die Ausbeute der Hobbysucher dagegen ist spärlich: "Wir haben in zwei Jahren lediglich acht Gramm Gold gefunden", bekennt Ganewa. "Wenn wir 20 Gramm zusammen haben, fertigen wir Glücksbringer für unsere Enkel an." Die beiden Glückssucher lassen sich nicht entmutigen, sogar ihr Werkzeug - einen per Autobatterie angetriebenen Bagger mit Goldschleusekasten - haben sie selbst gebastelt.

Hristo Mawrudow gab für die mühselige Suche sogar sein Studium auf. "Das Goldfieber ist unbeschreiblich: Dieser Adrenalin-Stoß, wenn in der Pfanne etwas glitzert", schwärmt der 28-Jährige, der mit seinem Kollegen Nikolai Kostadinow seit zwei Jahren in den Bergflüssen siebt. "Eines Tages", so hofft er, "werden wir davon leben können."

Kostadinow besuchte eine Bergbauschule und ist jetzt Vollzeit-Goldwäscher. Zusammen mit Mawrudow fanden sie in einem Jahr 70 Gramm Gold, mit rund 1750 Euro ist der Ertrag allerdings bescheiden: Flussgold hat mit 20 bis 22 Karat eine geringere Reinheit und Juweliere und Banken zahlen deshalb nur 25 bis 26 Euro pro Gramm.

Goldsuche als Ausbruch aus dem Alltag

Doch ebenso wie Milka Ganewa und ihr Mann lassen sich Kostadinow und Marrudow nicht abschrecken. Sie würden immer besser, sagt Kostadinow und verrät einige Tricks, damit das stundenlange Waten, Graben und Sieben nicht völlig umsonst ist. "Gold ist 19 Mal schwerer als Wasser und kommt nicht so leicht um Flussbiegungen, also suchen wir an Kurven, nahe Baumwurzeln, unter großen Steinen", erzählt er. "Dann untersuchen wir die Körnchen unter einer Lupe: Sind sie rund geschliffen, bedeutet es, dass der Fluss sie viele Kilometer mitgeschleppt hat - sind sie kantiger, muss die Ader in der Nähe sein."

"Goldwaschen ist etwas für Liebhaber", sagt Verbandschef Stamenow. "Wer damit reich werden will, hört schnell wieder auf." Oft würden in einem Kubikmeter Kies - das entspricht rund 100 Wassereimern - weniger als 0,5 Gramm Gold gefunden. Dem Elektriker Hristo Atanasow reicht das zum Glücklichsein: "Wenn die Goldsuche hilft, die täglichen Sorgen zu vergessen", philosophiert er mit einer Flasche Bier in der Hand, "dann ist dieses Hobby einfach unbezahlbar."

Quelle: n-tv.de

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