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Entschädigung und Freispruch: Gustl Mollath sieht keine Gerechtigkeit

Gustl Mollath ist unzufrieden mit dem Urteilsspruch der Regensburger Richter, weil sie in ihm noch immer einen Gewalttäter sehen. Bei n-tv spricht er über seinen Frust und seine Pläne für die Zukunft.

Es war ein Freispruch mit einem großen Aber für Gustl Mollath: Ein Jahr nach seiner Entlassung aus der Psychiatrie hat das Landgericht Regensburg ihn zwar in allen Anklagepunkten freigesprochen. Das Gericht sah es aber als erwiesen an, dass er seine Ex-Frau geschlagen, gewürgt und gebissen hat. Mollath, der für seinen Psychiatrie-Aufenthalt nun etwa 50.000 Euro Entschädigung bekommt, zeigte sich vom Urteil enttäuscht.

In Gespräch mit n-tv bezeichnete er das Gerichtsurteil als "nicht hinnehmbar". "Er entspricht nicht der Wahrheit der Vorfälle. Ich habe meine Frau nicht körperlich angegriffen, so wie es das Urteil beschreibt." Er kündigte an, erneut gegen diese Behauptung "rechtlich was zu unternehmen".

Nach Angaben eines Gerichtssprechers kann Mollath aber keine Rechtsmittel einlegen, da das Gericht ihn vollständig freigesprochen hat und er außerdem nicht wieder in der Psychiatrie untergebracht werden soll - eine Revisionsmöglichkeit nur gegen eine Urteilsbegründung gebe es nicht. "Es mag sein, dass das rechtlich nichts mehr möglich ist. Das wäre für mich sehr traurig", sagte der 57-Jährige zu n-tv. Lediglich die Staatsanwaltschaft und die als Nebenklägerin auftretende Ex-Frau Mollaths können Rechtsmittel einlegen. Beide wollen dies prüfen.

Gericht hatte keine Handhabe

Die Vorsitzende Richterin Elke Escher (M) mit den beisitzenden Richtern Gerhard Lindner und Ruth Koller.
Die Vorsitzende Richterin Elke Escher (M) mit den beisitzenden Richtern Gerhard Lindner und Ruth Koller.(Foto: dpa)

Die Vorsitzende Richterin Elke Escher sagte, Mollath sei aus rechtlichen und aus tatsächlichen Gründen freizusprechen. Aus tatsächlichen Gründen sei er von den Vorwürfen freizusprechen, seine damalige Frau gegen ihren Willen in der Wohnung festgehalten und außerdem Dutzende Autoreifen zerstochen zu haben. Ein Nachweis dieser Taten sei nicht zu führen gewesen. Lediglich aus rechtlichen Gründen - nämlich wegen einer nicht auszuschließenden Schuldunfähigkeit zur Tatzeit im August 2001 wegen einer psychischen Erkrankung - sei er auch vom schwersten Anklagevorwurf der gefährlichen Körperverletzung freizusprechen.

Nach Eschers Darstellung war die Kammer aber überzeugt davon, dass Mollath seine damalige Frau am fraglichen Tag im Streit "geschlagen, getreten, gewürgt und in den Unterarm gebissen hat". Nicht glaubwürdig seien Angaben Mollaths, seine Ex-Frau habe sich die Verletzungen bei einem Sprung aus einem fahrenden Auto zugezogen. Die Bissverletzung könne "in keiner Weise" damit erklärt werden, auch nicht die Würgemale am Hals. "Der Angeklagte hat damit den Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung verwirklicht."

Urteil war keine Überraschung

Dennoch zeigte sich Mollath nicht sehr enttäuscht über das Urteil des Landgerichts und verwies gegenüber n-tv auf seine Erfahrungen mit der bayerischen Justiz: "Ich war natürlich jetzt schon erfahren über viele Jahre im Kontakt mit der bayrischen Justiz und habe ja auch viele Gerichtsverfahren erdulden und erleiden müssen." Die Wahrscheinlichkeit, dass das Urteil so hätte ausfallen können, habe im Raum gestanden und ihn nicht überrascht.

Dennoch bedauert Mollath, dass er sich während des Verfahrens nicht nachdrücklich dafür eingesetzt hatte, weitere Beweise und Zeugen dem Gericht vorzubringen. "Wäre das gelungen, wäre ich nicht gezwungen gewesen, eigene Anträge zu stellen, die natürlich auch Unzulänglichkeiten hätten." Möglicherweise wäre der Urteilsspruch dann anders ausgefallen.

Mollath hadert im Nachhinein mit der bayerischen Justiz, die nach den zahlreichen Justizpannen "nur in der Öffentlichkeit so tue, als würden Änderungen eingeführt". "Leider Gottes werden die Verbesserungen nicht wirklich umgesetzt." Er geht auch davon aus, dass sich daran künftig nicht viel ändern werde: "Es wird aller Wahrscheinlichkeit nach so weitergehen, wie bisher."

Für seine mehr als sieben Jahre währende Unterbringung in der Psychiatrie steht Mollath nun eine Entschädigung zu. Nach Angaben aus Justizkreisen dürfte diese pro Tag bei 25 Euro abzüglich von Kosten für die Verpflegung in Höhe von etwa sechs Euro liegen - damit dürfte sich die Zahlung auf insgesamt etwa 50.000 Euro belaufen. Mit dem Geld plant er einen Neustart: "Ich muss alles neu aufbauen. Beruf, Wohnung, Habe, Hausrat. Und vielleicht auch eine Familie gründen."

Quelle: n-tv.de

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