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Sinnbild der unbeirrbar neutralen Gerechtigkeit: Die blinde Figur der "Justizia".
Sinnbild der unbeirrbar neutralen Gerechtigkeit: Die blinde Figur der "Justizia".(Foto: picture alliance / dpa)

Anspruch auf den vollen Titel?: Gutachter gibt Graf und Freiherr Recht

Ein kurioser Rechtstreit steht womöglich kurz vor der Lösung: Vor der höchsten juristischen Instanz will ein Kläger eine Entscheidung des Karlsruher Standesamtes kippen. Über den Umweg Großbritannien könnte er Anspruch auf seinen vollen Namen erlangen.

Ein Deutscher mit dem Namen Nabiel Peter Bogendorff von Wolffersdorff kann sich Hoffnung darauf machen, dass er sich künftig "Graf" und "Freiherr" nennen darf. Die Ablehnung einer Namensänderung durch das Standesamt Karlsruhe sei in seinem Fall nicht mit EU-Recht vereinbar, fasste ein einflussreicher Gutachter des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) seine Einschätzung der Rechtslage zusammen.

Hintergrund sei, heißt es in der jüngst veröffentlichten Stellungnahme weiter, dass Bogendorff von Wolffersdorff neben der deutschen Staatsbürgerschaft auch die britische Staatsbürgerschaft besitze. Nach britischem Namensrecht kann der doppelte Staatsbürger Anspruch auf seinen vollständigen Namen mit allen Titeln und Bestandteilen erheben.

Im Vereinigten Königreich habe er seinen Namen rechtmäßig in Peter Mark Emanuel Graf von Wolffersdorff Freiherr von Bogendorff geändert, heißt es in dem Gutachten. Wann in der Rechtssache (Aktenzeichen C-438/14) vor dem EuGH entschieden wird, ist noch offen. Üblicherweise neigen die Richter am EuGH dazu, der Einschätzung ihrer Gutachter zu folgen.

In Deutschland wurde die amtliche Berücksichtigung von Adelstiteln mit der 1919 beschlossenen Verfassung der Weimarer Republik abgeschafft. Die beiden Rechtsnachfolger der Weimarer Republik - Deutsches Reich und später die Bundesrepublik Deutschland - haben diese grundsätzliche Regelung unverändert übernommen. "Ein Standesrecht besteht bei geführten Adelstiteln nicht mehr", heißt es dazu beim deutschen Adelsverband. Spezielle Adelstitel konnten seitdem lediglich unter bestimmten Voraussetzungen als Familiennamen überdauern. Maßgeblich ist hier in der Regel das allgemeine Namensrecht.

Quelle: n-tv.de

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