Panorama

Impfungen beginnen noch im OktoberH1N1-Todesfall in Essen

08.10.2009, 11:24 Uhr

In Deutschland ist erstmals eine Patientin nachweislich an Schweinegrippe gestorben. Das hätten Wissenschaftler in umfangreichen Tests herausgefunden, berichtet das Essener Universitätsklinikum.

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Das Essener Universitätsklinikum (Foto: dpa)

Die Frau war bereits am 25. September an Lungen- und Multiorganversagen gestorben. Das H1N1-Virus habe dabei jedoch "Tür und Tor" für die anderen Bakterien geöffnet, hieß es. Bislang war bei ihr Lungenversagen als Todesursache angegeben worden.

Die Frau war stark übergewichtig, eine starke Raucherin und trug neben anderen Erkrankungen wie einer Blutvergiftung auch das H1N1-Virus in sich. Sie galt als Risikopatientin und musste künstlich beatmet werden.

Sie starb zehn Tage, nachdem sie in die Uniklinik verlegt worden war. Derzeit sei noch völlig unklar, wo sich die aus Gelsenkirchen stammende Frau mit dem H1N1-Virus angesteckt habe, so die Klinik.

Kind starb an Lungenentzündung

Bei einem fünfjährigen Jungen, der in München nach schwerer Krankheit zusätzlich auch an Schweinegrippe erkrankt war, hatten Experten das H1N1-Virus dagegen nicht für den Tod des Kindes verantwortlich gemacht. Der Junge sei an einer Lungenentzündung gestorben, hatte das Städtische Klinikum mitgeteilt.

Impfungen beginnen noch im Oktober

Die Impfungen gegen Schweinegrippe starten voraussichtlich am 26. Oktober. Der Termin gelte, "wenn alles glatt läuft", sagte der Sprecher des Thüringer Gesundheitsministeriums, Thomas Schulz, in Erfurt. Er rechne mit einer Verzögerung von allenfalls wenigen Tagen, falls es etwa Transportprobleme gebe. Zudem müsse das Paul-Ehrlich-Institut die Impfstoff-Chargen noch freigeben. Thüringen hat derzeit den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz.

Nach neuen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) sollen zunächst Medizinpersonal sowie chronisch Kranke und Schwangere geimpft werden. Bei den beiden letzteren seien die Krankheitsverläufe schwerer, und es komme weltweit gesehen häufiger zu Todesfällen. Wie bei allen Impfungen sollte auch vor dieser eine individuelle Nutzen- Risiko-Abwägung erfolgen.

Impfung für alle ab Mitte November

"Ab Mitte November können sich auch alle, die nicht zu diesen Gruppen gehören, impfen lassen", sagte Schulz. Derzeit sei Impfstoff für 25 Millionen Menschen bestellt, einem Drittel der Bevölkerung Deutschlands. Die Impfung sei freiwillig und werde von den Krankenversicherungen bezahlt. Schulz rechnet jedoch damit, dass sich nicht alle Menschen impfen lassen. "Sollte der Impfstoff nicht reichen, so haben wir Nachbestelloptionen. Wir gehen aber davon aus, dass vorerst nicht nachbestellt werden muss." Wenn hingegen Impfstoff übrig bleibe, werde er an ärmere Länder abgegeben.

Eine Impfung sei jedoch nicht für jeden Menschen ratsam. "Ein Arzt muss feststellen, ob jemand impftauglich ist", erläuterte Schulz. Das gelte insbesondere für Menschen, die viele Medikamente einnehmen, etwa Psychopharmaka.

Die STIKO weist ausdrücklich darauf hin, dass ihre Empfehlungen in einer sich ständig ändernden Datenlage überprüft und gegebenenfalls angepasst werden müssen. "Das neue Virus ist ansteckender als die saisonalen Influenzaviren, und es könnte daher eine größere Zahl von Menschen als in einer saisonalen Welle betreffen", schreibt das Robert Koch-Institut (RKI). Im Durchschnitt gebe es bislang jeden Winter in Deutschland geschätzte 8000 bis 11.000 grippebedingte Todesfälle; überwiegend seien es ältere kranke Menschen.

Quelle: dpa