Ein Jahr nach dem ErdbebenHaiti bleibt hilfsbedürftig

Am 12. Januar 2010 bebte in Haiti die Erde, 220.000 Menschen starben, unzählige wurden verletzt, verloren ihr Heim und alles, was sie besaßen. Kaum eine Katastrophe hat die Menschen im vergangenen Jahr so bewegt, doch die Bilanz des Wiederaufbaus fällt erschreckend gering aus. Zum Jahrestag ist die internationale Sorge um das Land und seine Menschen groß.
Zum ersten Jahrestag des verheerenden Erdbebens in Haiti hat US-Präsident Barack Obama die internationale Gemeinschaft gedrängt, ihre Hilfszusagen einzuhalten. Er betonte jedoch, dass Haiti selbst die Führung beim Wiederaufbau übernehmen müsse. Der frühere US-Präsident und derzeitige Koordinator für internationale Hilfe, Bill Clinton, äußerte sich in Port-au-Prince "frustriert" über das Tempo des Wiederaufbaus.
Seit dem Erdbeben am 12. Januar vergangenen Jahres hätten zahlreiche Leben gerettet werden können und die Haitianer hätten heute besseren Zugang zu Nahrung und medizinischer Versorgung, erklärte Obama. Es blieben jedoch viele Probleme. "Zu viel Schutt blockiert die Straßen, zu viele Menschen leben weiter in Zelten und für so viele Haitianer ist Fortschritt nicht schnell genug gekommen", sagte Obama und verwies darauf, dass der Karibikstaat noch Jahrzehnte auf Hilfe angewiesen sein könnte.
Politisch instabile Lage
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte davor, Haiti allein zu lassen. Die Anstrengungen müssten vielmehr verdoppelt und erneuert werden, sagte Ban. Der Leiter der UN-Mission in Haiti, Edmond Mulet, warnte, dass ohne Fortschritte bei der Herrschaft des Rechts alle gegenwärtigen und zukünftigen Bemühungen für Wiederaufbau und Entwicklung folgenlos zu bleiben riskierten. Insbesondere die politische Krise nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen Ende November bereitet der UNO Sorgen.
Der amtierende haitianische Präsident René Préval bat darum, dass ein Bericht der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) zu den Wahlen nicht während der Gedenkfeiern überreicht werde. Die OAS habe diesen "völlig berechtigten Wunsch" akzeptiert, teilte die OAS mit. In dem Bericht empfiehlt die OAS, wie vorab bekannt wurde, den Rückzug des von Prevals favorisierten Kandidaten Jude Célestin. Dieser soll demnach seinen Platz in der Stichwahl an den bisher Drittplatzierten Michel Martelly abgegeben.
Viele Versprechen nicht gehalten
Clinton sagte während eines Besuchs in Port-au-Prince anlässlich der zweitägigen Gedenkfeiern für die mehr als 225.000 Opfer, niemand sei mehr frustriert als er über die nur langsamen Fortschritte. Zugleich nannte der Koordinator für internationale Hilfe es ermutigend, dass in den vergangenen vier Monaten endlich eine Beschleunigung des Wiederaufbaus zu bemerken gewesen sei. Clinton gestand ein, dass es eine riesige Lücke zwischen den internationalen Hilfsversprechen und den tatsächlich ausgezahlten Mitteln gebe.
Kritiker machen dafür die Ineffizienz und die schlechte Koordination der haitianischen Regierung verantwortlich. Nach Angaben Clintons wurden bisher nur 60 Prozent der für 2010 zugesagten Mittel ausgezahlt, diesen Rückstand gelte es 2011 aufzuholen. Die Sprecherin des UN-Büros für die Koordination humanitärer Angelegenheiten (OCHA), Elisabeth Byrs, sagte, die Beschleunigung des Wiederaufbaus habe absolute Priorität in diesem Jahr.
Gedenken an die Opfer
Noch immer kämpft Haiti mit den Folgen des Erdbebens. Weiterhin leben mehr als 800.000 Menschen in improvisierten Notunterkünften, eine Cholera-Epidemie fordert täglich neue Opfer und der weiterhin ungelöste Streit um die Wahlen sorgt immer wieder für Unruhen auf den Straßen und blockiert zusätzlich den ohnehin nur schleppenden Wiederaufbau.