Satiriker treffen Bahn-ChefHandtuch-Anschlag auf Grube
Im Winter ist der Schnee, im Sommer die Hitze: Nach der Pannenserie kann selbst Bahnchef Grube dem Spott nicht entfliehen: Bei einer Pressekonferenz "überraschen" ihn zwei angebliche Verbandsvertreter mit einer neuartigen Auszeichnung: Grube wird für die originellste Sauna-Idee geehrt.
Deutsche-Bahn-Chef Rüdiger Grube ist bei der Halbjahresbilanz-Pressekonferenz seines Konzerns unfreiwillig Hauptdarsteller einer Satire geworden. "Guten Tag, mein Name ist Schlegel vom Deutschen Saunaverband", stellte sich mitten in der laufenden Veranstaltung ein in einen weißen Bademantel gehüllter junger Mann vor. Neben ihm - ebenfalls mit Bademantel - saß einer der Schüler einer Klasse, aus der mehrere Jugendliche bei 50 bis 70 Grad Hitze in einem ICE kollabiert waren.
"Wir möchten ihnen den Innovationspreis für die beste Saunaidee 2010 verleihen", wandte sich Schlegel an Grube. Dazu verleihe sein Verband dem Bahn-Chef das "Goldene Handtuch". Grube nahm den Preis ruhig entgegen, betonte aber: "Der Hintergrund ist ja kein erfreulicher. Von daher freue ich mich nicht." Den Anlass der Aktion erläuterten die Preisverleiher anschließend mit offenkundigem Vergnügen: Tobias Schlegel moderiert eine Satire-Sendung im NDR-Fernsehen, er machte Aufnahmen für die nächste Sendung: "Wir wollten ein Zeichen setzen", sagte er. "Mehr Profit und weniger Service", das passe nicht zusammen.
Überhitzte Kundenbeziehungen
Nach dem Ausfall der Klimaanlagen in einer Reihe von ICEs aufgrund hochsommerlicher Außentemperaturen hat die Bahn eigenen Angaben zufolge mittlerweile mehr als 5000 Kunden entschädigt. An 5627 Fahrgäste seien bis zumVorabend insgesamt 374.000 Euro ausgezahlt worden, sagte Bahn-Chef Rüdiger Grube. Die Bahn erstattet betroffenen Fahrgästen mindestens einen Teil des Fahrpreises in Gutscheinen. "Das Versprechen einer kulanten und unkomplizierten Entschädigung können wir halten", sagte Grube. Derzeit dauere die Entschädigung von Anfrage bis Auszahlung zehn bis 14 Tage.
Der Bahn hatten die extremen Temperaturen der vergangenen Wochen bei Teilen ihrer ICE-Flotte Probleme gemacht: Da die Klimaanlagen in ICE-2-Zügen nur für Temperaturen bis 32 Grad Celsius ausgelegt sind, fielen sie vielfach aus. Teils herrschten deswegen in Zügen dramatische Zustände. In einigen Fällen musste die Fahrt abgebrochen werden. Eine Reihe von Fahrgästen musste dehydriert von Ärzten behandelt werden und fallweise auch ins Krankenhaus gebracht werden. Betroffen waren rund 50 Züge.
Wer unter dem Ausfall von Klimaanlagen in den Zügen gelitten hat, erhält von der Bahn einen Reisegutschein über 50 Prozent des Fahrpreises. Fahrgäste, die gesundheitliche Probleme erlitten haben, sollen einen Gutschein über 150 Prozent des Ticketpreises erhalten sowie eine Barentschädigung von 500 Euro.