Panorama

Sie machte die "Cosmo" großHelen Gurley Brown gestorben

14.08.2012, 14:48 Uhr
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Browns Karriere begann als Sekretärin in einer Werbeagentur. (Foto: AP)

Sex zum Spaß, Karriere und Unabhängigkeit für Frauen: Mit damals skandalösen Ideen revolutionierte Helen Gurley Brown den Zeitschriftenmarkt und wurde zur Beststeller-Autorin. Nun ist die legendäre "Cosmopolitan"-Herausgeberin gestorben.

Ihren Namen kennen wohl nur wenige, aber das Zeitschriften-Imperium dahinter ist den meisten Frauen der Welt aber ein Begriff: Mehr als 30 Jahre lang war Helen Gurley Brown Chefredakteurin der US-"Cosmopolitan". Sie verwandelte das bis dahin dröge und konservative Magazin in eine 300-Seiten-dicke "Sex-Bibel für Single-Frauen" und exportierte das Konzept in die Welt. Ihre Ratgeber-Bücher animierten Frauen zu finanzieller Unabhängigkeit und Sex vor der Ehe - in den sechziger Jahren ein Skandal. Trotzdem wurden sie zu Bestsellern. "Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin", soll Brown einmal gesagt haben. Im Alter von 90 Jahren ist sie nun in einem New Yorker Krankenhaus gestorben.

Brown sei eine "Ikone" gewesen, sagte Verlag-Chef Frank Bennack in einer Mitteilung. "Ihre Formel für ehrliche und unverschnörkelte Ratschläge für Beziehungen, Karriere und Schönheit haben den Zeitschriften-Markt verändert." Bis zuletzt war die 1922 im US-Bundesstaat Arkansas geborene Brown fast jeden Tag in ihrem pinkfarbenen Büro im Wolkenkratzer des Verlags im Zentrum von Manhattan erschienen. Auch nach ihrem offiziellen Rückzug als Chefredakteurin 1997 war sie im Impressum weiter als Herausgeberin geführt worden.

"Cosmopolitan" für die Welt

Auch dank ihrer Mithilfe expandierte das Magazin in die Welt. Das US-Mutterschiff hat nach eigenen Angaben inzwischen 64 internationale Ausgaben, erscheint in mehr als 100 Ländern in 35 Sprachen und erreicht rund 100 Millionen Leser. Die "Cosmopolitan" ist mit rund drei Millionen Lesern das am besten verkaufte US-Monatsmagazin.

Jede erste Ausgabe in einem weiteren Land erscheint mit einem Artikel über Brown. "Es war absolut notwendig, dass unsere Leser wissen, wer sie ist", sagte Leyla Orujova, Chefredakteurin der Aserbaidschaner Ausgabe jüngst der "New York Times". In Indonesien hat die Zeitschrift die Art und Weise verändert, wie Frauen über Sex reden, sagt die dortige Chefredakteurin Fira Bsuki Baskoro. "Davor war es ein Tabu für Frauen, offen über Sex zu sprechen." Nach jeder Ausgabe hat sie eine handgeschriebene Karte von Brown bekommen, erzählt die Chefredakteurin in Kasachstan, Maya Akisheva. "Viele Mädchen hier betrachten eine 'Cosmopolitan'-Ausgabe als wichtiges Accessoire." Kritiker bemängeln allerdings die reißerischen Schlagzeilen des Magazins, bei dem das Wort "Sex" auf dem Titel nie fehlen darf. Die "New York Times" nannte Brown jüngst die "Patronin der Sex-zentrierten 'Cosmopolitan'-Marke beim Streben nach weiblicher Ermächtigung".

Brown als Autorin

Aller Emanzipation zum Trotz war es ein Mann, der Brown zur Autorin machte. David Brown, ihr 2010 gestorbener Ehemann, mit dem sie mehr als 50 Jahre verheiratet war, überredete sie, ein Buch über ihre für die damalige Zeit ungewöhnlichen Ideen zum Thema Sex zu schreiben. "Sex and the Single Girl" - in Deutschland 1964 unter dem Titel "Sex und ledige Mädchen" erschienen - blieb mehr als ein Jahr auf US-Bestsellerlisten und wurde in 16 Sprachen übersetzt. Es enthielt Ratschläge zum Thema Schönheit, Karriere und Sex - verriet aber auch, wie der Mann erstmal erobert werden kann. "Schaue direkt in seine Augen, tief und suchend, dann schaue wieder nach unten und beschäftigte dich mit deinen Freunden oder deiner Zeitschrift", schrieb Brown. "Mache das dreimal, und Du flirtest." Das Buch wurde mit den Hollywood-Schauspielerin Lauren Bacall, Tony Curtis und Henry Fonda verfilmt.

Die Bücher und Artikel der Stilikone Brown halfen dabei, den Weg für die sexuelle Revolution zu ebnen und machten beispielsweise Erfolgsserien wie "Sex and the City" - in der die vier Hauptdarstellerinnen immer den "Cosmopolitan"-Cocktail bestellen - erst möglich. Trotz allem Glamour war Brown nie oberflächlich: "Wenn ich mich zwischen Schönheit und Intelligenz entscheiden müsste, würde ich immer die Intelligenz nehmen."

Quelle: ntv.de, dpa