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"Warten auf seine Bewerbung"Henrico Frank lässt sich Zeit

20.12.2006, 15:34 Uhr

Der arbeitslose Henrico Frank zeigt bisher kein Interesse an den von SPD-Chef Beck vermittelten Jobangeboten. Bislang hat er sich bei keiner der acht Firmen beworben.

Der arbeitslose Henrico Frank zeigt bisher kein Interesse an den von SPD-Chef Kurt Beck vermittelten Jobangeboten. Er hat sich noch bei keiner der acht Firmen beworben.

Sieben Unternehmen berichteten, dass sich bis Mittwochmittag nur Franks "Sprecherin" gemeldet habe. Sie habe nach Details gefragt und auf die gesundheitlichen Probleme des Arbeitslosen hingewiesen. Bei einem Unternehmen hat bisher weder der Arbeitslose noch die Frau angerufen. Franks Sprecherin erklärte, sieben Angebote seien ungeeignet gewesen, weil sie schwere körperliche Arbeit vorsahen. Die könne Frank wegen eines Bandscheibenschadens nicht leisten.

"Mogelpackung"

Frank war in die Schlagzeilen geraten, nachdem er den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) bei einer Wahlkampfveranstaltung in Wiesbaden lautstark für seine Arbeitslosigkeit verantwortlich gemacht hatte. Beck hatte ihm daraufhin geraten: "Wenn Sie sich waschen und rasieren, finden Sie auch einen Job."

Der Hartz-IV-Empfänger war dem Ratschlag unter intensiver Medienbegleitung gefolgt und hatte von der Mainzer Staatskanzlei am Montag prompt acht Jobangebote übermittelt bekommen - darunter vier in Rheinland-Pfalz, zwei in Hessen und je eins im nordrhein-westfälischen Greven und im bayerischen Regensburg. Franks Sprecherin nannte die Angebote eine "Mogelpackung".

Spüler, Lkw-Fahrer, Coaching

"Er soll sich trotz seiner gesundheitlichen Beschwerden bei uns vorstellen", teilte ein Baubetrieb in Wörrstadt mit. Auch zwei Firmen in Ingelheim und Mainz betonten, ihr Angebot an Frank stehe weiterhin. "Wir warten noch auf seine Bewerbung", sagte die Sprecherin eines Bauunternehmens in Ingelheim.

Zu den Angeboten gehören ein Spüler-Job in einer Wiesbadener Gaststätte, eine Arbeit als Müllsammler, ein kostenloses Coaching und die Ausbildung zum Lastwagenfahrer mit anschließender Festanstellung. Das Angebot kam von der Logistik-Firma Fiege uni/Serv in Greven, die derzeit 200 Lastwagenfahrer sucht.

"Hätten ihn ja genommen ..."

Dass sich Frank nicht selbst gemeldet hat, kam bei einigen der Unternehmen schlecht an. "Wir hätten ihn ja genommen, aber er ist ja nicht mal in der Lage, persönlich zu kommen", kritisierte die Unternehmerin Hannelore Kilb von der Kilb Wertstoff-Recycling GmbH in Kelkheim bei Frankfurt/Main. Franks "Sprecherin" habe gesagt, dieser könne das Angebot wegen seiner gesundheitlichen Probleme voraussichtlich nicht annehmen. "Wieso sucht der dann einen Job?", fragte sich Kilb.

Bei der Arteno Consulting in Regensburg, die vor allem Karrieremanagement betreibt, hat sich bisher weder Frank noch die "Sprecherin" gemeldet. Unternehmenschef Andreas Hoffmann schilderte sein Angebot als umfangreiche Vorbereitung auf den Einstieg in eine Arbeit. Er würde dazu nach Wiesbaden kommen, zusammen mit Frank eine Analyse über dessen Wünsche und Fähigkeiten erstellen und ihn auf Bewerbungsgespräche vorbereiten. Zum Angebot gehöre auch, nach geeigneten Arbeitgebern zu suchen, zu den Vorstellungsgesprächen mitzukommen, beim Ausarbeiten des Anstellungsvertrages zu helfen und in der Probezeit zu helfen.