Freitag, 09. Oktober 2009
In Rumänien wenig gemocht: Herta Müller fühlt sich heimatlos
Herta Müllers Bücher beschreiben oft auch das Gefühl der Heimatlosigkeit.
(Foto: dpa)
Die aus Rumänien stammende und seit 1987 in Berlin lebende Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller sieht sich immer noch als Heimatlose. "Meine Landsleute haben mich ausgeschlossen, schon exkommuniziert nach dem Buch "Niederungen" in den frühen 80er Jahren, und dann kam das ganze Gezerre mit dem Geheimdienst und der Diktatur", sagte Müller in einem Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" (Freitag). "Dann kam ich hier an, und ich bin natürlich nicht in eine Heimat gekommen. Ich lebe hier, aber hier bin ich nicht zu Hause, weil ich nicht von hier komme - und dort war ich nicht zu Hause, weil ich von dort komme, weil ich nicht dazugehörte."
Völlig verblüfft, nichtsdestoweniger stolz und hoch erfreut: Herta Müller in Berlin.
(Foto: REUTERS)
Sie sei "jeden Tag froh" gewesen, nachdem sie aus Rumänien ausgereist sei, sie habe ja gewusst, warum sie weggegangen sei. "Ich bin viel zu spät gegangen, weil ich dann schon viel zu lange kaputtgemacht worden war", sagte die Autorin. "Ich werde ja in Rumänien nicht besonders gemocht, die Bücher vielleicht, aber ich als Person werde nicht gemocht, weil ich immer noch einige Dinge über Rumänien sage, die man sagen muss. Dass es keine Demokratie ist und dass die Korruption allgegenwärtig ist, dass der neue Geheimdienst den alten verlängert oder nur zu einem geringen Teil ein neuer ist."
Ihr neuestes Werk handelt von der Deportation von Rumäniendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg.
(Foto: REUTERS)
Es habe in Rumänien auch keine Revolution gegeben, "das hört man in Rumänien auch nicht gerne", erklärte Müller. "Und dann kommen natürlich immer diese Bemerkungen, dass ich davon nichts mehr verstehe, ich sei ja weg und ich hätte das Maul zu halten."
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dpa
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