Panorama
Misch erzählte seine Geschichte immer wieder.
Misch erzählte seine Geschichte immer wieder.(Foto: AP)

Telefonist des Diktators: Hitlers Leibwächter gestorben

Rochus Misch ist bei Hitlers Machtübernahme 16 Jahre alt. Er ist nie Mitglied der NSDAP und kommt dem Führer dennoch nahe wie sonst kaum jemand. Und er sitzt mit Hitler in dessen letzten Stunden im Bunker, diese Erlebnisse prägen sein langes Leben.

Bilderserie

Der ehemalige Leibwächter von Adolf Hitler, Rochus Misch, ist tot. Er starb am Donnerstag nach längerer Krankheit im Alter von 96 Jahren in Berlin, wie der Co-Autor seiner Autobiografie, Burkhard Nachtigall, berichtete. Misch habe sich nicht mehr von einem Schlaganfall erholt, sagte Nachtigall. "Kommunikation war mit ihm zuletzt schlecht möglich."

Misch war der wohl letzte lebende Zeuge von Hitlers Ende im Berliner "Führerbunker". Eigenen Angaben zufolge sah er die Leiche des Diktators direkt nachdem sich Hitler zusammen mit Eva Braun das Leben genommen hatte. Hitler hatte Eva Braun tags zuvor im Bunker geheiratet.

Misch arbeitete auch als Telefonist, bevor er am 2. Mai 1945 aus dem Bunker in Richtung Friedrichstraße flüchtete. Über sein Leben an Hitlers Seite veröffentlichte er im Jahr 2009 das Buch "Der letzte Zeuge".

Unpolitischer Mensch

Der 1917 geborene Misch war nach eigenen Angaben ein unpolitischer Mensch und nie Mitglied in der NSDAP. Aber der Jubel für Hitler und seine Sicherheitsleute bei den Olympischen Spielen 1936 hätten ihn als Dorfkind beeindruckt, erzählt er in einem Video auf seiner Internetseite. Gelockt von der Möglichkeit, Beamter zu werden, sei er der sogenannten Verfügungstruppe beigetreten. Später wurde das die Waffen-SS.

Ab 1940 arbeitet er als Teil der Begleitmannschaft Hitlers bis Kriegsende als Leibwächter und Telefonist des Diktators. Es habe eine Stimmung wie in einer Leichenhalle geherrscht, erzählte Misch später. Alle hätten Hitlers Selbstmordpläne geahnt. "Auf diesen Schuss haben wir gewartet." Nach dem Tod von Hitler und Eva Braun blieb Misch noch tagelang im Bunker. Dann habe Josef Goebbels ihn mit den Worten entlassen: "Wir haben verstanden zu leben, wir werden auch verstehen, zu sterben."

Er blieb nach Hitlers Selbstmord am 30. April 1945 zunächst im Bunker und floh erst am 2. Mai. Kurz darauf wurde er von Sowjetsoldaten festgenommen und blieb bis 1953 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft.

In den vergangenen Jahren galt Misch, der später wieder als Maler arbeitete, als zunehmend gefragter Zeitzeuge. Distanziert vom Nationalsozialismus hat er sich dabei nicht - auch Hitler beschrieb er als "freundlich" und "nett".

Immer wieder hatte Misch die Gelegenheit genutzt, seine Geschichte zu erzählen. Auch, damit junge Leute nicht versäumten, "rechtzeitig die richtigen Fragen zu stellen", schrieb er in der Einleitung seiner Autobiografie "Der letzte Zeuge". Er wolle zeigen, "warum das damals mir und so vielen anderen nicht gelang". Unumstritten war Misch nicht: Bezweifelt wurde, dass er bei seiner Nähe zu Hitler von den NS-Greueltaten nichts wusste.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen