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Kommt wahrscheinlich am 29. Februar aus dem Gefängnis: Uli Hoeneß.
Kommt wahrscheinlich am 29. Februar aus dem Gefängnis: Uli Hoeneß.(Foto: dpa)

Erpresst, verleumdet, ausspioniert: Hoeneß wurde im Knast übel mitgespielt

Uli Hoeneß' Mitgefangene sollen dem ehemaligen Bayern-Boss schwer zugesetzt haben. Von "totaler medialer Beobachtung" ist die Rede. Außerdem habe sich Hoeneß nie vor "massiven Nachstellungen oder öffentlichen Bloßstellungen" sicher sein können.

Uli Hoeneß muss in der Haft ein wahres Martyrium erlebt haben, wie aus dem Beschluss des Landgerichts Augsburg zu Hoeneß' vorzeitiger Entlassung hervorgeht, aus dem der "Focus" zitiert. Der früherer Präsident von Bayern München sei demnach verleumdet, erpresst und ausspioniert worden.

Ein Fall von Erpressung ist bereits öffentlich geworden, der Täter inzwischen verurteilt. Hoeneß, der nach seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung bereits am 29. Februar nach nur der Hälfte der vorgesehenen Haftzeit von dreieinhalb Jahren auf freien Fuß kommen soll, habe in der Haft unter den psychischen Belastungen gelitten, heißt es weiter. Von "totaler medialer Beobachtung" ist die Rede, außerdem habe er sich nie vor "massiven Nachstellungen oder öffentlichen Bloßstellungen" sicher sein können.

Dennoch sei Hoeneß ein vorbildlicher Häftling gewesen. In der Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech, wo er zunächst einsaß, habe er ihm aufgetragene Tätigkeiten wie die Arbeit in der Kleiderkammer "gewissenhaft und sorgfältig" erledigt. Gegenüber Bediensteten und Mitgefangenen sei er stets respektvoll aufgetreten, überdies kameradschaftlich und hilfsbereit gewesen. Nie habe er irgendwelche Allüren an den Tag gelegt oder angedeutet, dass er sich "für etwas Besseres" hielt.

Dieses Verhalten trug ebenso zur vorzeitigen Entlassung bei wie die Tatsache, dass sich Hoeneß durch seine - letztlich unzulängliche - Selbstanzeige selbst "ans Messer geliefert" habe, wie das Landgericht in seinem achtseitigen Beschluss feststellt. Positiv bewertet wurde neben Hoeneß' sozialem Engagement auch, dass er die fällige Steuerrückzahlung in Höhe von mindestens 43 Millionen Euro "eigeninitiativ" und "vollumfänglich" beglichen habe. Das Geld, so die Kammer laut Focus, stammte "aus dem eigenen erworbenen Vermögen" von Hoeneß.

Wie sieht Hoeneß' Zukunft aus?

Das Geheimnis um seine künftige Rolle bei Bayern München will Hoeneß im Sommer lüften. Das bestätigte Münchens Ehrenpräsident Franz Beckenbauer beim Pay-TV-Sender Sky. "Ich habe", berichtete Beckenbauer über ein Gespräch mit Hoeneß am vergangenen Donnerstag, "länger mit ihm auf der Geschäftsstelle gesprochen. Er wird nach der Haftentlassung in Urlaub gehen, dann hat er wieder Zeit, nachzudenken. Im Juni wird er seine Entscheidung bekannt geben. Wie er sich entscheiden wird, das weiß ich nicht. Das hat er mir auch nicht gesagt."

Beckenbauer unterstrich jedoch ausdrücklich seinen Wunsch, Hoeneß nach dem vorzeitigen Ende der Haft wieder in verantwortlicher Position beim Branchenprimus zu sehen. "Er ist nun einmal das Gesicht des FC Bayern. In welcher Position, das muss er selbst wissen", sagte der Kaiser bei Sky.

Hoeneß hatte seine dreieinhalbjährige Haftstrafe im Juni 2014 angetreten, nachdem der gebürtige Schwabe zuvor über 30 Jahre die Geschicke der Bayern als Manager und zuletzt als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender gelenkt hatte.

Seit Anfang 2015 arbeitet der Weltmeister von 1974 als Freigänger im Nachwuchsbereich der Münchner, muss allerdings noch bis zu seiner Entlassung am 29. Februar fünf Nächte pro Woche im Freigängerhaus der Justizvollzugsanstalt Landsberg/Lech verbringen. Am vergangenen Montag hatte das Landgericht Augsburg dem Antrag des 64-Jährigen auf Aussetzung der restlichen Haftstrafe stattgegeben.

Quelle: n-tv.de

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