Hungersnot in NordkoreaHunderttausende Tote befürchtet
In Nordkorea sind offenbar hunderttausende Menschen vom Hungertod bedroht.
Im kommunistischen Nordkorea könnten in den nächsten zwei Monaten 200.000 bis 300.000 Menschen an Hunger sterben, wenn nicht sofort Hilfe aus dem Ausland kommt. Das berichtet die südkoreanische Hilfsorganisation "Good Friends". Ihren Angaben zufolge ist die Situation mittlerweile wieder so schlecht wie während der Hungersnot in den 90er Jahren. Damals waren schätzungsweise ein bis zwei Millionen Menschen dem Hunger zum Opfer gefallen.
Die buddhistische Hilfsorganisation beruft sich auf Angaben eines Funktionärs der nordkoreanischen Arbeiterpartei. Demnach sind bereits 60 Dorfbewohner in der Umgebung der südlich der Hauptstadt Pjöngjang gelegenen Stadt Sariwon verhungert. Auch in weiteren Provinzen gäbe es Hungertote.
Naturkatastrophen und Misswirtschaft
Das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen hatte vor kurzem gewarnt, dass nach verheerenden Überschwemmungen im vergangenen Sommer, einem trockenen Winter und der weltweit steigenden Getreidepreise in Nordkorea die schlimmste Nahrungsmittelknappheit seit Jahren drohe. Laut "Good Friends" sterben jeden Tag ein oder zwei Bewohner des kommunistischen Landes an Hunger. Neben den äußeren Bedingungen gelten jahrelange Misswirtschaft und der Verlust der Unterstützung durch die ehemalige Sowjetunion als Hauptursachen der Hungersnot in dem abgeschotteten Land.
Streit um Atomprogramm behindert Hilfe
Südkorea macht als einer der größten Geber der vergangenen Jahre die weitere Zusammenarbeit und Hilfe für das Nachbarland von Fortschritten im Streit um das nordkoreanische Atomprogramm abhängig. Seitdem Ende Februar eine neue Regierung in Seoul an der Macht ist, haben sich die Beziehungen zwischen den beiden Staaten erheblich abgekühlt. Das kommunistische Regime verzichtete deshalb wohl in diesem Jahr bislang auf Bitten um weitere Reishilfen.
Die USA dagegen haben Nordkorea weitere Nahrungslieferungen angeboten. Gesandte der US-Regierung waren in dieser Woche in Pjöngjang, um sich ein Bild der Lebensmittelverteilung zu machen. Nordkoreanische Medien meldeten, die Gespräche seien positiv verlaufen.