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Donnerstag, 31. August 2017

"Harvey" gibt Tote frei: Hunderttausende bangen um ihre Existenz

Der Regen in Houston hört auf - die Angst bleibt. Keiner weiß, wie viele Tote die zurückgehenden Fluten freigeben. Viele nicht ausreichend versicherte Bürger stehen vor dem Nichts.

In den Überflutungsgebieten von Texas fürchten nach dem Tropensturm "Harvey" Hunderttausende Menschen um ihr Hab und Gut, um die nackte Existenz. Mehr als 80 Prozent der Betroffenen sind nach einer Erhebung der "Washington Post" nicht gegen Flutschäden versichert. Die marktüblichen Versicherungstarife deckten nur Schäden durch Wind wie abgedeckte Dächer ab, nicht aber Verwüstungen durch Hochwasser. Versicherungsexperten schätzen die entstandenen Sachschäden inzwischen auf einen zweistelligen Milliardenbetrag.

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Während der Regen in Houston aufhörte, prallte Sturm "Harvey" am Mittwoch zum zweiten Mal auf Land - diesmal an der Grenze zwischen dem Osten von Texas und dem Westen des Bundesstaates Louisiana. Dort bereiteten sich Hunderttausende auf schwere Überflutungen vor. Der Bürgermeister der in der Zone gelegenen Stadt Port Arthur, Derrick Freeman, schrieb auf Facebook: "Die ganze Stadt ist unter Wasser."

Bislang mindestens zehn Tote

Neben vielen Verletzten wurden bis zum Mittwoch zehn Tote offiziell bestätigt, darunter ein ertrunkener Polizist. Der Sheriff des Harris County, Ed Gonzalez, bestätigte, dass sechs Mitglieder einer Familie in einem am vergangenen Sonntag von den Fluten mitgerissenen Kleinbus ums Leben gekommen sind. Es handelt sich bei den Toten um die Großeltern im Alter von 81 und 84 Jahren sowie um deren vier Enkelkinder im Alter zwischen sechs und 16 Jahren.

Inoffizielle Schätzungen kamen zu weit höheren Opferzahlen. Die "New York Times" schrieb von 30 Toten, CNN von 24 Toten in Texas. Der Nationale Wetterdienst der USA erwartet in Louisiana, wo bereits vor zwölf Jahren der Hurrikan "Katrina" die Gegend um New Orleans schwer getroffen hatte, örtliche Rekord-Regenmengen von mehr als 60 Zentimetern, jedoch nicht die extremen Regenmengen wie in Texas.

In Texas waren binnen weniger Tage bis zu 125 Zentimeter Regen gefallen. Dies bedeutet einen Rekord für das Festland der USA. Mehr Regen war zuvor nur einmal auf Hawaii gefallen. Zahlreiche Flüsse, darunter der Colorado, traten über die Ufer, Stauseen ergossen ihre Fluten über die Dämme. Einige Dämme wurden zur Entlastung bewusst geöffnet, was zu weiteren Überschwemmungen führte. Der texanische Gouverneur Greg Abbott sagte, dass Katastrophengebiet sei viel größer, als es bei den Hurrikans "Katrina" und "Sandy" der Fall gewesen sei. Von den Folgen des Tropensturms seien auch viel mehr Menschen betroffen.

Zehntausende in Notunterbringungen

Zur Wochenmitte befanden sich nach Angaben des Gouverneurs 32.000 Menschen in Notunterkünften. 210.000 Menschen haben sich bereits für Nothilfe registriert. Die Katastrophenschutzbehörde FEMA legte Programme auf, die zumindest die nötigsten Reparaturen und Ersatz für verloren gegangenes Hab und Gut ersetzen sollen. 37 Millionen Dollar stünden bereits dafür zur Verfügung, sagte Abbott. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) errechnete mögliche Schäden von fast 58 Milliarden Dollar, Schäden etwa durch den Ausfall von Anlagen nicht mitgerechnet.

Quelle: n-tv.de

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