Panorama

Mit Vollrausch ins KrankenhausImmer mehr Komasäufer

24.09.2009, 12:12 Uhr

Bechern bis zum Umfallen: Das sogenannte "Komasaufen" verbreitet sich immer mehr. Im vorvergangenen Jahr mussten 17.000 Minderjährige wegen einer Alkoholvergiftung behandelt werden. Gleichzeitig sinkt jedoch die Zahl der Jugendlichen, die regelmäßig trinken.

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Kampftrinken, Komasaufen, Flatrate-Partys – Wenn Jugendliche zur Flasche greifen, endet das immer häufiger im Vollrausch. Nicht selten müssen betrunkene Jugendliche sogar ins Krankenhaus eingeliefert werden, um dort unter ärztlicher Betreuung auszunüchtern.

Im Jahr 2007 waren es deutschlandweit etwa 17.000 minderjährige Patienten im Alter von 11 bis 17 Jahren, wie eine Auswertung von Daten der Statistischen Landesämter durch dpa-RegioData zeigt. Damit wurden im bundesweiten Durchschnitt drei von tausend Jugendlichen mit einem Alkoholrausch in einer Klinik behandelt – ein Anteil, der im regionalen Vergleich allerdings stark schwankt.

Hamburg und Berlin unauffällig

So kamen in den Metropolregionen Hamburg und Berlin im Jahr 2007 relativ wenige Jugendliche mit einem Vollrausch ins Krankenhaus. In Hamburg selbst war es lediglich einer von tausend Minderjährigen, und auch die umliegenden Landkreise wie Pinneberg, Harburg und Stormarn verzeichnen Anteile deutlich unterhalb des Durchschnitts.

Auch Berlin bildet mit den Kreisen Oberhavel, Märkisch-Oderland und Barnim eine Region mit einem vergleichsweise geringen Anteil an Kindern und Jugendlichen, die 2007 volltrunken in eine Klinik eingeliefert wurden.

Häufige Exzesse in Bayern

Deutlich häufiger mussten Heranwachsende in einigen bayerischen Städten stark alkoholisiert im Krankenhaus versorgt werden, darunter Kaufbeuren, Ansbach, Landshut und allen voran das oberfränkische Hof. Von den rund 3200 Kindern und Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren, die in Hof leben, wurden 26 im Laufe des Jahres 2007 mit einem Alkoholrausch eingeliefert. Das ergibt einen Anteil von acht pro tausend Minderjährige – der höchste Wert im Vergleich der 409 Kreise und kreisfreien Städte, die in der Auswertung berücksichtigt wurden.

"Die Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen schwankt von Jahr zu Jahr stark", sagt der Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche im Sana Klinikum Hof, Rolf Ponader. Das zeigt sich auch in der Auswertung der Statistik für die vergangenen Jahre, sowohl für Hof als auch für viele andere Kreise und Städte. Allerdings verlief die Entwicklung von 2006 zu 2007 in den meisten Regionen ähnlich. So stieg der Anteil der stark alkoholisierten Jugendlichen in drei von vier Kreisen zum Teil drastisch an. "Auffällig ist in Hof, dass die Zahl der Patienten zwischen 12 und 14 Jahren zunimmt", sagt Rolf Ponader.

Kein regelmäßiger Alkoholgenuss

Der Alkoholkonsum von Kindern und Jugendlichen endet also immer häufiger in der Notaufnahme. Gleichzeitig gibt es aber immer weniger Jugendliche, die überhaupt regelmäßig Alkohol trinken.

Wie aus der aktuellen Drogenaffinitäts-Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hervorgeht, greifen weniger als 18 Prozent der 12- bis 17-Jährigen mindestens einmal pro Woche zu alkoholhaltigen Getränken – im Jahr 2007 lag der Anteil noch über zwanzig Prozent. "Die Konsummuster klaffen also immer weiter auseinander – ein Phänomen, das wir auch bei anderen Drogen beobachten", sagt Rainer Thomasius, Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Quelle: dpa, Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Berechnungen dpa- RegioData