Panorama

Organspende-Skandal in München: Immer mehr Unregelmäßigkeiten

Schiebereien bei der Organvergabe - noch ist am Münchner Klinikum rechts der Isar nicht klar, wie viele es wirklich gab. Ein Zeitungsbericht listet die Problemfälle auf, von manipulierten Blutproben, gefälschten Diagnosen bis hin zu zurechtgebogenen Transplantationskriterien.

Die renommierte Klinik ist in Erklärungsnot.
Die renommierte Klinik ist in Erklärungsnot.(Foto: dpa)

Die Zahl der Unregelmäßigkeiten bei Lebertransplantationen im Münchner Klinikums rechts der Isar ist einem Bericht zufolge offenbar höher als bislang bekannt. An dem Klinikum soll es in den Jahren 2007 bis 2012 insgesamt knapp 30 Verstöße gegen die Richtlinien für Lebertransplantationen gegeben haben, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete. Bei drei Patienten sollen Blutproben aktiv manipuliert und in elf Fällen Alkoholkranke auf die Warteliste gesetzt worden sein, obwohl diese noch nicht die erforderlichen sechs Monate abstinent waren.

Darüber hinaus geht es dem Bericht zufolge auch um fälschlicherweise angegebene Dialysen, die die Transplantation dringlicher erscheinen ließen, aber auch um Patienten mit Leberzirrhose, die als "hochdringlich" gemeldet wurden, obwohl sie die dafür notwendigen Kriterien womöglich nicht erfüllten. Zudem wurden Krebspatienten transplantiert, bei denen sich bereits Metastasen gebildet hatten. Das Klinikum erklärte gegenüber der Zeitung, erst nach Abschluss der Untersuchungen werde man "die Ergebnisse bewerten, die Konsequenzen daraus ziehen und diese veröffentlichen".

Neben München hat es auch an den Unikliniken in Göttingen, Regensburg und Leipzig Manipulationen bei Organtransplantationen gegeben. In Göttingen wurde vergangene Woche ein Transplantationschirurg festgenommen. Gegen ihn wird wegen versuchten Totschlags in neun Fällen sowie der schweren Körperverletzung und der Körperverletzung mit Todesfolge in zwei Fällen ermittelt. Die Staatsanwaltschaft prüft auch noch weitere Verdachtsfälle. Der Mediziner soll Krankenakten manipuliert haben, so dass bestimmte Patienten bevorzugt eine Spenderleber erhielten.

Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (CSU), befürchtet, dass weitere Skandale bei der Organvergabe aufgedeckt werden. "Ich gehe davon aus, dass weitere Manipulationsfälle ans Tageslicht kommen", sagte Zöller den Zeitungen der WAZ-Gruppe. Die Ärzte, die Akten gefälscht haben sollen, hätten dem Transplantationssystem "immens geschadet". "Solche Leute gehören aus dem Verkehr gezogen und zwar durch eine Verschärfung des Berufsrechts", erklärte der CSU-Politiker. Laut Zöller wird es "ein oder zwei Jahre dauern, bis der Vertrauensverlust behoben ist".

Quelle: n-tv.de

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