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Das Fichtelgebirge im Morgengrauen.
Das Fichtelgebirge im Morgengrauen.(Foto: dpa)

"Heizkostensparen vorerst vorbei": In der Silvesternacht kommt der Winter

Der Dezember ist rekordverdächtig warm. Zum Jahresende allerdings wird es endlich wieder kalt, sagt n-tv Meteorologe Björn Alexander. Das neue Jahr könnte dann Schnee mit sich bringen.

n-tv.de: Der Winter, der keiner war, prägte diesen Dezember. Wie viel zu warm ist es?

Björn Alexander: Die Tageshöchsttemperaturen lagen häufig um 5 bis 10 Grad über den ansonsten üblichen Werten. Das bringt dem Dezember bisher einen rekordverdächtigen Temperaturüberschuss von 6 Grad! Und das nachdem bereits der November Rekordwärme mit 3,5 Grad überm langjährigen Mittel gebracht hat. Damit waren fast alle Monate im Jahr 2015 zu warm oder sogar deutlich zu warm.

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Welche waren es denn nicht?

Nur im September und Oktober war es etwas kälter als der langjährige Mittelwert. Nahezu normal fielen der Februar, der Mai und der Juni aus. Im Rest des Jahres war es immer mindestens 1 Grad wärmer als normal. Die Spitzenreiter sind dabei eben der Dezember, der November und der August (3,3 Grad überm Durchschnitt).

Aber jetzt soll es mal kälter werden, oder?

So sieht es aus. Derzeitig liegen wir genau zwischen zwei Druckgebilden. Einerseits Hoch "Christine" über Finnland und der Ostsee. Andererseits Tief "Eckard". Und Tief "Eckard" ist meteorologisch gesehen ein richtig "dicker Fisch".

Ist das ein meteorologischer Fachbegriff?

Nein. Aber mir fiel gerade nichts anderes ein. "Eckard" lag gestern noch mit einem Kerndruck von 1005 Hektopascal (hPa) bei Grönland. Bis Morgen berechnen die Modelle des dann bei Island liegenden Tiefs einen Kerndruck von nur noch 925 hPa. Zwischendurch überquert das Tief noch die Britischen Inseln. Dort drohen ab heute Nachmittag verbreitet Sturmböen mit Geschwindigkeiten zwischen 60 und 100 Kilometern pro Stunde. Vor allem an den Südwestküsten sind aber auch orkanartige Böen oder Böen mit voller Orkanstärke zwischen 100 und 130 Kilometern pro Stunde dabei. Auf den Gipfeln der Highlands werden zwischen 150 und 180 Kilometer pro Stunde berechnet. Außerdem regnet es dort teilweise kräftig. Binnen 24 Stunden sind durchaus nochmals über 50 Liter pro Quadratmeter drin. Gefährliche Zeiten sind es aber natürlich für die Schiffe auf dem Nordatlantik. Die Wellen dürften mal locker bis 10 bis 15 Metern Höhe liegen.

Auch in den USA gibt es momentan schlimme Stürme. Was ist denn da los?

n-tv Meteorologe Björn Alexander.
n-tv Meteorologe Björn Alexander.

In den USA bestimmen momentan enorme Temperaturunterschiede das Wettergeschehen. Während es in Florida mit bis zu 30 Grad hochsommerlich und teils gewittrig warm ist, herrscht von der kanadischen Grenze bis in den Norden von Texas Dauerfrost. Höchstwerte oft bei minus 10 Grad bis 0 Grad Celsius. Konkret sind das Tageshöchstwerte beispielsweise von minus 7 Grad in Denver (Colorado), plus 21 Grad in Nashville (Tennessee) oder von um die plus 30 Grad in Orlando (Florida). Die Wettererscheinungen liegen somit zwischen Schneestürmen auf den winterlichen Seiten bis hin zu Hitzegewittern in der Sommerluft. Und im Übergangsbereich zwischen diesen extrem unterschiedlichen Luftmassen gibt es eben außerdem noch mächtige Gewitterzellen mit Tornados.

Kommen wir zurück zu unserem Wetter: was erwartet uns zum Jahreswechsel in der Silvesternacht?

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In der Westhälfte bleibt es unauffällig. Da und dort könnte es zwar noch ein paar Spritzer Regen geben. Für die meisten dürfte es aber um Mitternacht trocken sein und teilweise auch klar sein. Dabei gibt es dort Temperaturen zwischen 3 und 6 Grad. Auch im äußersten Osten (je näher Oder und Neiße) sieht es derzeitig nach einem trockenen, aber frostigen Jahreswechsel aus. Denn dort schiebt Hoch "Christine" schon die Kaltluft heran. Zwischen diesen minus 1 oder minus 2 Grad im Osten und den Plusgraden im Westen überwiegen die Wolken mit zeitlichen Niederschlägen. Auf den Bergen durchweg als Schnee. In den tieferen Lagen ist da auch mal Schneeregen oder Regen dabei. Stellenweise ist auch gefrierender Regen denkbar.

Kann man diese Glättezone auch schon eingrenzen?

Nach jetzigem Stand betrifft das einen Bereich von Fehmarn und der Lübecker Bucht sowie der Elbe über Thüringen und das Erzgebirge, Nürnberg und München bis herunter an die Alpen.

Wie geht es im neuen Jahr weiter?

Auf jeden Fall bei Weitem nicht mehr so mild wie im Dezember. Im Nordosten setzt sich erst einmal die Frostluft fest. Richtung Westen und Südwesten bleibt es milder. Somit gibt es ein breites Temperaturspektrum zwischen minus 4 und plus 7 Grad. Und auch hierzulande gilt: unterschiedliche Luftmassen können schon mal markante Wettererscheinungen bringen. Nach jetzigem Stand sind Anfang Januar durchaus schon mal länger anhaltende Schneefälle zwischen dem milderen Südwesten/Westen und dem trocken kalten Nordosten möglich. Konkreter lässt sich das leider momentan leider noch nicht sagen.

Kann man denn schon sagen, wie lange es kalt bleibt?

Das ist derzeitig noch völlig offen. Fest steht: die Tage werden kälter, die Nächte bringen verbreitet Frost, gebietsweise mit Glätte und das Heizkostensparen ist vorerst einmal vorbei. Dafür kommen jetzt die Winterfreunde wieder häufiger auf ihre Kosten und in den Wintersportgebieten dürften die Lifte endlich wieder häufiger ihrer Funktion zugeführt werden.

Quelle: n-tv.de

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