Freund klagt: Alle schauten wegIndien nimmt teil am Prozess

Mit Vergewaltigung und Folter endet der Alptraum nicht. Nachdem die junge Inderin und ihr Begleiter von ihren Peinigern aus dem Bus geworfen werden, will zunächst niemand helfen. Die Polizei weist die gegen sie gerichteten Vorwürfe zurück. Die Staatsanwaltschaft hat indes wasserdichte Beweise gegen die Angeklagten.
Im Fall der nach einer brutalen Vergewaltigung gestorbenen jungen Inderin verfügt die Staatsanwaltschaft über eindeutige Beweise gegen die unter Mordanklage stehenden mutmaßlichen Täter. DNA-Tests hätten ergeben, dass auf Kleidung der Angeklagten gefundenes Blut von der 23-jährigen Studentin stamme, sagte ein Staatsanwalt zu Prozessbeginn vor einem Gericht im Süden der Hauptstadt Neu Delhi. Zudem seien Besitztümer der jungen Frau und ihres Freunds bei den Männern gefunden worden.
Das Gericht entschied, dass die Angeklagten am Montag erstmals vor Gericht erscheinen sollten. Ihnen werden Mord, Vergewaltigung und andere Verbrechen vorgeworfen. Gerichtsreporter indischer Medien berichteten, der Fall würde dann noch am Montag oder aber in den folgenden Tagen an ein neues Schnellgericht übergeben. Den fünf Männern droht die Todesstrafe. Bei einem sechsten Beschuldigten wird noch überprüft, ob er wie - von ihm angegeben - minderjährig ist. Vor dem Hauptverfahren gegen die fünf Erwachsenen müssen für sie noch Verteidiger gefunden werden. Mehrere Anwälte weigerten sich, sie als Mandanten zu übernehmen.
Das Schnellverfahren soll unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, um die Identität des Opfers und ihrer Angehörigen zu schützen. Verhandelt werden soll jeden Tag, um möglichst bald zu einem Urteil zu kommen.
Der brutale Übergriff löste in Indien Empörung und Entsetzen aus und führte zu einer heftigen Debatte über sexuelle Gewalt. Kritiker werfen Politik, Justiz und Polizei vor, nicht hart genug gegen Vergewaltigungen vorzugehen und die Täter oft straflos davonkommen zu lassen.
Freund erhebt schwere Vorwürfe
Der Freund der jungen Frau hatte am Freitag in einem Inter view der Polizei und Passanten unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen. So habe fast eine halbe Stunde lang niemand geholfen, nachdem die Täter sie aus einem Bus geworfen hätten. Auch nach dem Eintreffen der Polizei hätten die Beamten wertvolle Zeit verschwendet und zunächst diskutiert, welche Wache zuständig sei.
Die Polizei wies Vorwürfe verschleppter Hilfeleistung am Samstag zurück. Der erste Streifenwagen habe die beiden Opfer bereits sechs Minuten nach Eingang des Notrufs erreicht. 34 Minuten nach dem Notruf hätten Polizisten mit den Opfern das Krankenhaus erreicht. Das belegten die GPS-Systeme der Streifenwagen. Es habe "keine Versäumnisse" der Polizei gegeben.
Alle schauten weg
Der 28-Jährige sagte dem Hindi-Sender Zee News, die Frau habe stark geblutet. "Autos, Autorikschas und Motorräder bremsten, aber rasten dann davon. Ich winkte um Hilfe. Diejenigen, die anhielten, starrten uns an und diskutierten, was passiert sein könnte. Aber niemand unternahm etwas, wir warteten 20 bis 25 Minuten auf Hilfe." Sie selbst hätten die Polizei nicht rufen können, weil ihnen die Angeklagten ihre Handys gestohlen hatten.
Dann habe zwar jemand die Polizei alarmiert, nach Eintreffen der Beamten sei aber zu weiteren Verzögerungen gekommen, sagte der Mann. "Statt zu helfen, diskutierten sie über Zuständigkeitsbereiche. Wir baten die ganze Zeit um einen Krankenwagen und Kleider. Einer von ihnen zerriss ein Laken und gab es mir, um meine Freundin zu bedecken. Ich musste sie selber hochheben und in den Wagen tragen."
Die Polizisten seien wegen des Blutes wahrscheinlich um ihre Kleidung besorgt gewesen, sagte der 28-Jährige. Sie hätten ihn und seine Begleiterin dann nicht in eine nahe gelegene Klinik, sondern in ein weiter entferntes Regierungskrankenhaus im Stadtteil Safdarjung gebracht. Die Polizei teilte mit, das Krankenhaus in Safdarjung sei das nächste für gerichtsmedizinische Fälle gewesen.
Die Frau war schließlich an ihren schweren inneren Verletzungen gestorben, nachdem sie in ein Spezialkrankenhaus nach Singapur verlegt worden war.