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Bergung eine ingenieurtechnische Meisterleistung: Wie geht es mit der "Costa Concordia" weiter?

Die Bergung des vor Giglio havarierten Kreuzfahrtriesen ist eine einzigartige Aktion. Die "Costa Concordia" aufzurichten, galt dabei als der heikelste Teil. Doch damit ist der "Schandfleck" vor der italienischen Insel noch nicht beseitigt.

Was passiert jetzt, da das Wrack aufgerichtet ist?

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Nach diesem äußerst schwierigen ersten Schritt bleibt noch viel zu tun. Ist das Wrack vorsorglich stabilisiert, müssen insgesamt 15 weitere Schwimmbehälter an der Steuerbordseite angebracht werden. Das Wasser wird aus diesen Schwimmkästen auf beiden Seiten gepumpt, das Schiff "schwimmt" wieder. Danach wird die "Costa Concordia" verankert - bis zum Abtransport, der für das erste Halbjahr 2014 vorgesehen ist. Das wird dann die letzte Fahrt des Unglücksschiffes. Es wird abgewrackt.

Nach gelungener Aufrichtung geht aber auch die Suche weiter: Zwei Leichen konnten nicht geborgen werden, die einer Italienerin und die eines indischen Crewmitglieds. Diese Opfer der Unglücksnacht vom 13. Januar 2012 doch noch zu finden, ist eine ganz wesentliche Aufgabe.

Wer hat die Bergung vorbereitet?

Etwa 500 Experten aus nicht weniger als 20 Ländern haben seit Mai 2012 die schwierige Bergung des gekenterten Kreuzfahrtschiffes vor Giglio vorbereitet. Das amerikanisch-italienische Bergungsteam Titan-Micoperi stimmte sich dabei mit dem Zivilschutz in Rom ab. Der Aufwand an Material und Personal ist riesig. Mehr als 20 Schiffe sind im Einsatz, 15.000 Tauchgänge waren vor der Bergungsaktion notwendig.

Warum ist die Bergung der "Costa Concordia" so heikel?

Mit einer Länge von etwa 300 Metern und einem Volumen von mehr als 114.000 Tonnen ist das italienische Kreuzfahrtschiff eines der größten Schiffe, das jemals in einem Stück geborgen worden ist. Als größtes jemals gebautes italienisches Passagierschiff ist es so hoch wie ein elfstöckiges Haus und zweieinhalb Mal so schwer wie die "Titanic" - jenes Schiff, das 1912 bei seiner Jungfernfahrt einen Eisberg rammte und im Nordatlantik versank. Im toskanischen Insel-Archipel gelegen, sollten für Giglio und Umgebung auch Umweltfolgen vermieden werden, wie sie ein Auseinanderbrechen auslösen könnten. Schlimmstenfalls könnte das Wrack ganz versinken.

Was wurde für die Bergungsaktion vorbereitet und eingesetzt?

19 Stunden dauerte es, das Schiff wieder aufrecht zu stellen.
19 Stunden dauerte es, das Schiff wieder aufrecht zu stellen.(Foto: dpa)

Mehr als 30.000 Tonnen Stahl wurden für die Konstruktion aller benötigten Teile vor der Bergungsaktion herbeigeschafft. Um die Lücken zwischen den Felsen unter dem Rumpf zu schließen und somit das Wrack nach der Aufrichtung zu stabilisieren, liegen 1180 Sand- und Zementsäcke auf dem damit "eingeebneten" Meeresboden. Die wiegen allein mehr als 16.000 Tonnen. Das Riesenwrack steht dann auf sechs Plattformen, die mit 21 Pfeilern im Boden dort verankert sind.

Wo soll denn die "Costa Concordia" zerlegt werden?

Weil es Investitionen bringt und Arbeitsplätze schafft, haben sich einige Häfen darum gerissen, den Kreuzfahrtriesen zerlegen zu dürfen. "Entschieden wurde, dass der Hafen von Piombino das Ziel sein wird", hatte Italiens Zivilschutzchef Franco Gabrielli erklärt. Ob es die unweit von Giglio gelegene toskanische Stadt auch wirklich sein wird, ist noch offen: "Die "Costa Concordia" wird aber nur nach Piombino gebracht, wenn der Hafen auch in der Lage ist, die Arbeit zu tun", hatte Gabrielli anzugefügt. Sonst müsse eben neu überlegt werden.

Und wer zahlt das alles?

Rund 500 Menschen aus 26 Ländern sind im Einsatz, um das Wrack zu bergen, darunter auch 120 Taucher. Von einem Frachtkahn aus steuern zwölf Ingenieure, darunter der südafrikanische Einsatzleiter Nick Sloane, die Aufrichtung. Insgesamt 30 Schiffe waren zur Vorbereitung der Bergung im Einsatz - das längste war mit gut 160 Metern die "Lone". Die Kosten für das gewaltige und hochriskante Rettungsmanöver liegen bislang bei 600 Millionen Euro. "Die Beseitigung der Concordia und alle noch folgenden Operationen werden den Steuerzahler nichts kosten", hatte Gabrielli versichert, "die Kosten werden ganz von privater Seite getragen." Also von der Genueser Reederei Costa Crociere und deren Versicherungen. Allerdings hat der angepeilte Abwrackhafen Piombino Medienberichten zufolge 73 Millionen Euro für Umbauarbeiten vom Staat erhalten, um das Wrack zerlegen zu können.

Und wie geht es juristisch weiter?

Wird die "Costa Concordia" abgeschleppt, verschwindet ein Schandfleck, der weltweit durchaus auch als ein Symbol für einen Schiffbruch des Krisenlandes Italien angesehen wurde. Auch das bizarre Verhalten des Kapitäns Francesco Schettino gehört dazu - er soll das Schiff während der Evakuierung verlassen haben. Am nächsten Montag geht im toskanischen Grosseto der Prozess gegen ihn weiter. Sein Unglücksschiff ist womöglich eher 2014 abgeschleppt als ein Urteil gegen Schettino gesprochen.

Quelle: n-tv.de

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