Freitag, 26. Februar 2010
Dubiose Methoden in der Medienwelt: "Intimleben von Politikern tabu"
Für deutsche Journalisten soll nach dem Willen ihres Verbandes der intime Lebensbereich von Spitzenpolitikern weiter tabu sein. Auch wenn ein öffentliches Interesse an einem Partner eines Politikers bestehe, reiche dies in keinem Fall bis in die Intimsphäre hinein.
Titelbild der "Bunten" mit einer exklusiven Geschichte aus dem Privatleben von Horst Seehofer.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Der intime Lebensbereich von Spitzenpolitikern muss nach Meinung des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) für die Medien tabu sein. "Das Intimleben von Politikern auszuspähen, verstößt gegen die berufsethischen Regeln des Journalismus, wie sie im Pressekodex des Deutschen Presserates festgelegt sind", sagte der DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken in Berlin.
Das Magazin "Stern" hatte berichtet, Mitarbeiter der Berliner Agentur CMK hätten im Auftrag der Illustrierten "Bunte" die Privatsphäre von Bundespolitikern ausgeforscht. Dabei sollen Bewegungsmelder und eine Kamera mit Blick auf die Privatwohnung eines Politikers installiert worden sein. "Das sind nicht die Recherchemethoden von Journalisten", stellte Konken klar. Zwar könne im Einzelfall ein öffentliches Interesse an einem Partner eines Politikers bestehen. "Das reicht aber in keinem Fall bis in die Intimsphäre hinein."
Burda Media kündigt juristische Schritte an
Die "Bunte" wies die "Stern"-Vorwürfe zurück, die Hubert Burda Media kündigte juristische Schritte an. "Selbstverständlich hält sich "Bunte" an diesen Ehrenkodex des Deutschen Presserats", hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme. Auch die Foto- und Rechercheagentur CMK verwahrte sich gegen den Vorwurf unlauterer Arbeitsmethoden. Der "Stern" habe zwei ehemalige freie Mitarbeiter der CMK als Quellen genannt, die wegen eben dieser "äußerst fragwürdigen Recherchemethoden" bereits im Sommer 2009 gekündigt worden seien. Die "Bunte" erklärte weiter, sie arbeite seit Jahren mit der Agentur zusammen, dabei habe es keine Hinweise auf unseriöse Recherche gegeben.
Der DJV-Vorsitzende Konken warnte Journalistinnen und Journalisten davor, berufsethische Standards zu unterschreiten. "Die dubiosen Methoden, die der "Stern" aufgedeckt hat, müssen ein Einzelfall bleiben. Das sind wir Journalisten unserem Selbstverständnis schuldig."
dpa


