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Der israelische Siedlungsbau erschwert palästinensischen Bauern den Zugang zu ihren Olivenfeldern.
Der israelische Siedlungsbau erschwert palästinensischen Bauern den Zugang zu ihren Olivenfeldern.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Miese Ernte für Palästinenser: Israelische Besatzer kontrollieren Olivenhaine

Ein Viertel des Agrareinkommens macht die Olivenernte für die Palästinenser aus. Durch den Siedlungsbau wird den Bauern oftmals der Zutritt zu ihren Feldern verwehrt. Die Begründung: militärisches Sperrgebiet.

Abbas Jusef deutet auf seinen Hain - auch aus einiger Entfernung ist zu erkennen, dass die Olivenbäume des 70-jährigen Palästinensers vollgepackt sind mit reifen Früchten. Doch er wird diese Früchte nicht ernten können, denn zwischen seinem Dorf und der Pflanzung erstreckt sich eine israelische Siedlung.

Seit westlich von Ramallah rund um den 1400-Seelen-Ort Al Dschanija im Westjordanland sechs jüdische Siedlungen errichtet wurden, haben die Landwirte dort ein schweres Leben. Wenn er versuche, zu seinen 30 Hektar großen Olivenhainen zu gelangen, ende das jedes Mal mit dem gleichen Wortwechsel: "'Du kommst hier nicht rein, militärisches Sperrgebiet', sagt mir der Soldat, und ich antworte vergeblich: 'Aber das ist doch mein Boden'."

Die ständigen Konflikte um die Olivenhaine, das Rückgrat der palästinensischen Landwirtschaft, bestärken das Streben der Palästinenser, die israelische Besatzungsmacht im Westjordanland und in Ost-Jerusalem ein für alle Mal abschütteln zu wollen. Eine friedlich ausgehandelte Lösung scheint in weiter Ferne. Vielerorts nehmen derzeit die Gewalttaten zwischen Israelis und Palästinensern zu, erst Anfang der Woche wurde in Tel Aviv ein junger Soldat erstochen; der 17-jährige Täter kam aus dem nördlichen Westjordanland, von wo er heimlich nach Israel gelangt war.

Erst wird der Zugang verwehrt, dann bewirtschaften Siedler selbst

Olivenbauer Jusef zeigt auf einen weiter entfernt liegenden Hain, der jetzt von den Siedlern bewirtschaftet wird. "Mein Vater hat die Bäume Samen für Samen gepflanzt, und ich habe dort viel Schweiß vergossen", klagt Jusef bitter.

Dieses Schicksal sei kein Einzelfall, sagt Arik Ascherman, der Vorsitzende des Vereins "Rabbiner für Menschenrechte". Vielmehr hätten solche Landnahmen inzwischen Methode: "Erst wird den Palästinensern der Zugang zu den Feldern verwehrt, dann bewirtschaften die Siedler sie selbst", empört sich der in den USA geborene Rabbiner. Oftmals werden Flächen für militärische Zwecke enteignet, dann zu Staatsland erklärt - und einige Jahre später zur Nutzung durch die Siedlungen freigegeben.

Seit Israel das Westjordanland 1967 militärisch besetzte, sind in dem Palästinensergebiet nach Angaben der UNO 135 offizielle Siedlungen und rund hundert "wilde Außenposten" errichtet worden. Nach Angaben des Siedlerrates leben dort inzwischen 380.000 Israelis, also dreimal mehr als vor 20 Jahren zur Unterzeichnung des Oslo-Friedensabkommens.

Nicht nur Oliven fallen der Besatzungspolitik zum Opfer

James Rawley, der UN-Menschenrechtskoordinator für die Palästinensergebiete, verweist darauf, dass die Olive, ob als Öl oder Frucht vermarktet, ein Viertel des Agrareinkommens der Palästinenser liefert. Für rund 100.000 Familien ist sie die Lebensgrundlage.

Aber Jahr für Jahr schrumpfen die Ernten wegen des Ausbaus der israelischen Siedlungen und wegen der Sperranlagen, die seit 2002 errichtet wurden. 85 Prozent dieser Trennzäune oder Mauern verlaufen nicht entlang der früheren israelischen Grenze, sondern innerhalb des Westjordanlands. Dort schneiden sie den Palästinensern nach Angaben Rawleys fast ein Drittel ihrer Böden ab.

Auch andere Feldfrüchte fielen der Besatzungspolitik zum Opfer, klagt Ahmed Diuan, ein Bauer aus dem Dorf Biddu östlich von Ramallah. Weil ihm der Zugang zu den Feldern verwehrt war, habe er in diesem Jahr auch Mandeln, Äpfel, Trauben und Weinblätter nicht pflücken können. Die Oliven gibt Diuan ohnehin verloren: "Dieses Jahr dürfen wir nur zwei Tage in den Hain. Das reicht einfach nicht zur Baum- und Bodenpflege und zum Ernten."

Farmer fürchten Angriffe

Und diejenigen, denen von der israelischen Militärverwaltung der maximal erlaubte Zugang während 37 Tagen gestattet wird, sind nicht sicher vor Angriffen radikaler, oft bewaffneter Siedler, wie die UNO berichtet. Die Zahl der Übergriffe sei von 71 im Jahr 2012 auf schon 88 in den neun Monaten dieses Jahres angestiegen.

Gewalt und Ernteeinbußen hielten die nachwachsende Generation davon ab, die bäuerliche Familientradition fortzusetzen, beklagt der betagte Abbas Jusef. "Die Landwirtschaft ist am Ende", sagt er. "Die Jungen wollen das Land nicht mehr bearbeiten - aus Angst, von Siedlern womöglich getötet zu werden."

Quelle: n-tv.de

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