Panorama
Starke Schmerzen während der Menstruation können auf eine Endometriose hinweisen - eine Wucherung an der Gebärmutterschleimhaut. Foto: Heiko Wolfraum
Starke Schmerzen während der Menstruation können auf eine Endometriose hinweisen - eine Wucherung an der Gebärmutterschleimhaut. Foto: Heiko Wolfraum
Montag, 03. April 2017

Bauchkrämpfe im Job: Italien diskutiert über "Perioden-Urlaub"

Viele Frauen leiden während ihrer Periode unter starken Schmerzen. Manche Arbeitgeber haben dafür aber wenig Verständnis. Italien plant nun als erstes Land in Europa eine Art "Perioden-Urlaub" für betroffene Frauen.

Bauchkrämpfe, Kopfschmerzen und Stimmungsschwankungen: Jeden Monat wieder leiden Frauen weltweit unter ihrer Periode. Während man in der Schule die Menstruation noch als Ausrede für das Fehlen im Sportunterricht genutzt hat, schleppen sich später viele Frauen trotz starker Schmerzen zur Arbeit.

Die italienische Regierung plant nun als erstes Land in Europa eine Art "Perioden-Urlaub" für Frauen, die unter besonders starkem Unwohlsein leiden. Die Beurlaubung ist bezahlt und soll bis zu drei Tage dauern. Voraussetzung dafür ist ein ärztliches Attest.

Die Idee stammt von den Demokratinnen Romina Mura, Daniela Sbrollini, Maria Iacono und Simonetta Rubinato. Sie glauben daran, dass ihr Gesetz die Berufschancen für Frauen verbessern würden. Laut "Washington Post" arbeiten in Italien nur 61 Prozent der Frauen. Damit liegt das Land weit unter dem europäischen Durchschnitt von 72 Prozent. 

Die neue Regelung, die Frauen schützen soll, könnte aber auch negative Auswirkungen haben, befürchtet beispielsweise die Ökonomin Daniela Piazzalunga. Sie glaubt, dass Arbeitgeber dann eher männliche Mitarbeiter einstellen würden, denen weniger freie Tage zustehen. "Oder Frauen könnten weiter abgestraft werden, wenn es um den Lohn oder die Karrierechancen geht", zitiert der britische "Independet" Piazzalunga.

Asien und Nike sind Vorreiter

Sollte das Gesetz tatsächlich beschlossen werden, wäre Italien damit das erste Land in Europa, das einen Menstruationsurlaub einführt. Vorreiter auf dem Gebiet war Indien, wo bereits 1947 ein entsprechendes Gesetz verabschiedet wurde. Ein Jahr später folgte Indoniesen, das seinen Bürgerinnen sogar zwei Tage zugesteht. In den letzten Jahrzehnten folgten Länder wie Taiwan und Südkorea. Der Sportkonzern Nike ist bislang das einzige internationale Unternehmen, dass Frauen mit starken Periodenschmerzen als Teil ihres "Code of Conduct" für die betroffenen Tage bezahlt freistellt.

Bereits vor zwei Jahren forderte der britische Gynäkologie-Professor Gedis Grudzinskas einen "Menstruationsurlaub". Frauen sollten seiner Ansicht nach monatlich drei zusätzliche freie Tage erhalten, weil sie dann den Rest des Monats motivierter arbeiten würden. Darauf entbrannte eine europaweite Diskussion. Für manche wäre ein "Menstruationsurlaub" ein Rückschritt der Emanzipation, andere nannten die Diskussion um die weibliche Arbeitsfähigkeit sexistisch.

Kein Thema in Deutschland

Auch in Asien sorgt der "menstrual leave" immer wieder für Proteste und Diskriminierungsvorwürfe. So berichtet eine Frau gegenüber dem britischen "Guardian", viele Japanerinnen würden den Urlaub aus Angst und Scham nicht beantragen. Alle Arbeitskollegen wüssten so, wann man seine Periode hätte, und es könne zu sexueller Belästigung führen.

Hierzulande existieren bisher keine Initiativen, noch gibt es eine erwähnenswerte Diskussion zu diesem Thema. Nach geltenden Arbeitsrecht können die betroffenen Frauen monatlich aus zwei möglichen Varianten wählen: Entweder ein bis zwei Tage krank zuhause bleiben, ehe das Attest fällig wird. Oder aber der Griff zu starken Schmerzmitteln und den Arbeitstag so gut es geht bewältigen.

Quelle: n-tv.de

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